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Es sind wieder die spätsommerlichen Zeiten einmal im Jahr, zu denen ich gefährlich lebe. Der Eingangsbereich zu meinem gutbürgerlichen Eigenheim ist blutbetropft, vermeintlich, und aufmerksame Mitbürger einschließlich der Postzusteller sind mehr als eingeladen, mich als Gewalttäter anzuzeigen. Natürlich versuche ich tagtäglich, die Spuren meiner augenscheinlichen Angriffe auf Leib und Leben zu tilgen. Bevor die Uniformträger ordnungshütend bei mir klingeln, es ist unbedingt und jeden Moment damit zu rechnen.

Aber mit Besen, Handfeger und Müllschippe wird mehr verschmiert, als tatsächlich beseitigt. Das Ergebnis ist optisch sogar ein Blutbad, ein Gemetzel, ich will es schaudernd nicht weiter vertiefen. Zumal die Wahrscheinlichkeit, dass es sich hier um eine Hausschlachtung von Schwein, Huhn oder Kaninchen handelt, in einem Eigenheimgebiet eher gegen Null geht.

Nun könnte ich ja mit Reinigungsmittel sowie der nur noch nicht bei mir angesagten neuen, wasserverschwendenden Allzweckwaffe Kärcher operieren, aber, würde mich das nicht noch verdächtiger machen? Das tun doch andere Spurenbeseitiger, wenn ich richtig im Krimi-TV aufgepasst habe, nur im Verborgenen und nicht vor der Haustür unter Zeugenschaft der ganzen Straße. Zudem erneuert sich der Säuberungsbedarf praktisch stündlich, wenn nicht sogar minütlich, da kommt doch selbst der emsigste Tatortreiniger nicht nach.

Dabei fing alles zu unseren Eigenheimbesitzer-Gründerzeiten so harmlos ein. Wir kauften im Nachbarland, dessen Sprache wir nur unzureichend beherrschen, eine gut aussehende Pflanze und setzten sie ob ihrer versprochenen einrahmenden Dominanz neben die Eingangstür. Mit der mir eigenen botanischen Brillanz hatte ich auch blütenfroh schon im ersten zeitigen Frühjahr erkannt, dass uns eine Zaubernuss ans Haus gekommen war.

Fast zehn Jahre später war der Zauber flöten. Der inzwischen stattliche Busch trug gen Herbst kaffeebohnengroße Früchte. Die in nicht erkennbaren Intervallen abfallen und mittlerweile von einer diesbezüglich versierten Mitbürgerin als Kornelkirschen identifiziert worden sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mehrzahl des Fallobstes selbst dunkelrot bis schwarz immer noch speisauer ist. Vertilgungsexperimente haben nicht nur die Geschmacksnerven maximalstrapaziert, sondern auch abführend gewirkt. Wer braucht da noch Regulax, oder, wie das Zeug heißt!

Sollte einer/eine diese Zeilen lesen und sich auf die Verarbeitung von Kornelkirschen verstehen, so ist er/sie herzlich zur Ernte eingeladen. Immerhin, die Früchte sollen ja ebenso aus der Mode gekommen wie kerngesund sein. Mehr noch: Ich nehme die verdächtigenden Teile sogar ab. Was den Nachnutzer davon befreien würde, mehrmals anzureisen. Allerdings erstreckt sich das Angebot nicht auf das Entkernen, wir wollen es ja nicht übertreiben, so groß der Leidensdruck auch ist.

Hauptsache, ich bin endlich den Verdacht los, jemanden direkt vor der Eingangstür gemeuchelt zu haben. Das würde ich nicht mal bei einem tun, der Kornel heißt. Ich kannte ja mal einen dieses Namens, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Eigentlich und überhaupt jedenfalls bin ich einer von den Guten. Und haue nichts gern in die Tonne, was gegoogelt von Wert sein soll.