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Bloß gut, dass es noch die richtige Post gibt. Nicht den Postschalter im Wesenberger Elektroladen, sondern die ursprüngliche, wie sie sich in der Strelitzer Straße unserer Residenzstadt am Husarenmarkt wie durch ein Wunder erhalten hat. Und mit ihr eine Wächterin, die mich jetzt dankenswerterweise über ein schwerwiegendes Vergehen meinerseits unterrichtet hat. Ich wäre sonst vermutlich nicht dumm gestorben, aber hätte irgendwann aus meinem Briefkasten eine Sendung gezogen, die ich eben auf den Weg gebracht glaubte.
Zum Glück zeigte sich der weibliche Argus von der kulanten Seite, und ich will es auch ganz gewiss nicht wieder tun, nachdem es nun gerade noch mal gut gegangen ist. Zumal ich zu meiner Verteidigung anführen muss, dass ich ja nie darauf hingewiesen wurde. Vielleicht hat es sich bis Wesenberg noch nicht herumgesprochen, und der gelbe Kasten an der Straßenecke redet ja nicht mit mir. Ich bekenne also, mich vermutlich schon seit geraumer Zeit einer Zonenüberschreitung schuldig zu machen.
Ich habe nämlich nun gelernt, dass bei allen Briefsendungen die Aufschriftseite in definierte Zonen aufgeteilt ist. Und zwar in „fest definierte“, wie ich einem von der Postgewaltigen mitgegebenen Merkblatt entnehmen konnte, bevor sie meinen Brief ausnahmsweise in einen Korb für ewiggestrige Absender warf, der wohl nur noch vorübergehend vorgehalten wird. Es gibt nämlich eine Absenderzone, eine Frankierzone, eine Lesezone und eine Codierzone. Und mein Absender befand sich in Teilen der Lesezone, sprich, wie seit Jahr und Tag unten links, und nicht wie festgelegt oben links.
Was meinen Verstoß verschlimmerte war, dass ich auch noch in den vorgeschriebenen Randabstand von 15 Millimetern eingedrungen bin. Der gilt zwar nicht für die Absenderzone, aber die ist ja oben links und reicht übrigens bis zur Frankierzone, für die 74 mal 40 Millimeter vorgesehen sind. Vermutlich habe ich auch noch die 150 mal 15 Millimeter große Codierzone im unteren Bereich verletzt, zum Glück wurde nicht vor Ort vermessen. Ganz früher haben wir ja den Absender auf die Rückseite geschrieben, also, das geht ja nun gar nicht. Es sei ansonsten nur schwer zu erkennen, „welche der zustellfähigen Anschriften bei der jeweiligen Beförderung gelten soll“. Ach so!
Es scheint, dass sich der Handel noch nicht auf die Post eingestellt hat, sonst würden unsere Kuverts vielleicht schon eingeteilt sein. Einstweilen behelfe ich mir mit Lineal, Winkelmesser und Bleistift. Einer Forderung allerdings stelle ich mich erst einmal nicht, bei aller Ergebenheit. Weil ich die Auflage schlichtweg nicht begreife. Die Zonen sind „mit Ausnahme der Absenderzone weiß oder einfarbig in Pastelltönen zu gestalten“. Hä??? Das Merkblatt scheint übrigens eine Auskopplung aus einem mehr als 40-seitigen Handbuch „Die Schritte zum Versand“ zu sein. Vielleicht sollte ich mir das komplette Nachschlagewerk besorgen.
Die Post, ein weites Feld! Mir war diese Zoneneinteilung bisher kein Begriff und ich habe deshalb den Abesender immer auf die Vorderseite des Briefes und dort unten links geschrieben. Bisher bin ich – glücklicherweise – nicht erwischt worden.
Bemerkenswert finde ich auch, das es – es gibt ja keine Postbeamte mehr – also den Angestellten der Post immer wieder gelingt, trotz mäßigem Kundenandrangs, Warteschlangen zu erzeugen. Ich habe mir angewöhnt, statt mich darüber zu ärgern, die besondere Arbeitsweise der Postbediensteten zu beobachten. Diese zeichnet sich u.a. durch gleichmäßig langsame, bedächtige und doch extrem konzentriert wirkende Bewegungen, die immer wieder durch kurze Pausen unterbrochen werden, aus. Diese Kombination führt dazu, das auch ein vergleichsweise einfacher Vorgang, wie der Verkauf von Briefmarken – pardon, Postwertzeichen, geradezu zelebriert wird und das braucht eben seine Zeit. Achten Sie mal drauf
Nichtsdestotz: Die Mitarbeiter im Neustrelitzer Postamt sind immer freundlich und man ist ja froh, das es überhaupt noch ein Postamt gibt..
Bei aller Euphorie möchte ich doch etwas Öl in das aufschäumende Pastawasser der Begeisterung geben und mal grundsätzlich bezweifeln, ob das Neustrelitzer „Postamt“ wirklich noch eine echte Postfiliale ist (Amt ja schon sowieso nicht mehr).
Da der Betreiber in der Strelitzer Straße als B&S Jacobs GmbH firmiert, ist es doch „nur“ ein Postshop wie jeder andere auch. Offensichtlich aber mit gut geschultem Personal.
Da steht die Residenz-Stadt der Kreisstadt aber in nichts nach. Unser „Hauptpostamt“ ist auch nur eine Postagentur in einer Filiale der Postbank.
Ganz genau ist es eine Postfiliale im Einzelhandel, hat sich nur gut getarnt.