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Die Eheleute Striller und ihre Gäste auf dem Galeriegelände am Plätlinsee.

Die Tour d‘ Allée (Strelitzius berichtete) hat am Sonnabend in Wustrow in der Kleinseenplatte Station gemacht. Die Alleenbotschafter, die seit drei Wochen im Sattel sitzen und durch zehn Bundesländer fahren, wurden vor der einzigen Galerie der Alleen Deutschlands von den Betreibern Stefanie und Egbert Striller herzlich begrüßt.

Die 17. Etappe hatte die 17 Radler und Radlerinnen im Alter zwischen 30 und 80 Jahren von der Stadt Brandenburg bei sengender Hitze über 135 Kilometer nach Wustrow geführt. Im Flachland ist die Gruppe mit einem 27-er Schnitt unterwegs, alle Achtung! Heute wird der vorletzte Abschnitt nach Loitz absolviert, bevor die an der Nordsee begonnene Tour dann im Ostseebad Sellin endet, wie Strelitzius im Gespräch erfuhr. 2018, bei der ersten Fahrt, hatte die Tour d‘ Allée schon einmal über Wustrow geführt, diesmal, bei der Zweitauflage nach der coronabedingten Pause, übernachteten die Sportler auch in der Gemeinde.

Am Abend wurde in der Galerie in Anwesenheit der Radfahrer die Sonderausstellung „Wandern und Bleiben“ eröffnet. „Das Radprojekt und unser Anliegen als Galeristen und Naturschützer passen einfach zusammen“, sagte mir Stefanie Striller. Gemeinsam mit ihrem Mann, Gründungsmitglied des BUND in Hessen, sei sie regelmäßig bei Alleentagungen dabei und habe dadurch von dem Vorhaben der Radler erfahren. Engen Kontakt gebe es zur BUND-Referentin für Baum- und Alleenschutz Katharina Dujesiefken.

Ich habe die Gelegenheit genutzt und auch mit dem Landschaftsmaler Egbert Striller gesprochen. „Die Rettung der Alleen in Deutschland ist uns eine Herzensangelegenheit. Schon als Kind musste ich praktisch vor der Haustür meines Elternhauses bei Darmstadt miterleben, wie eine Allee abgeholzt wurde. Seit 1945 hat Deutschland rund 200.000 Kilometer Alleen verloren“, so der Künstler. „Das muss einfach bewusst gemacht werden, wir müssen Brücken schlagen. Was wir tun, ist nicht umsonst, es braucht immer wieder Leute, die da aktiv werden. Es ist uns auch schon gelungen, eine Allee zu retten, und heute ist man uns dafür dankbar.

Egbert und Stefanie Striller bedauern, dass der von ihnen vor Ort in Wustrow an der Deutschen Alleenstraße initiierte Initiativkreis wieder eingeschlafen ist. „Die Situation rund um die deutschen Alleen ist eine sehr ernste“, warnte Egbert Striller, „so kann es nicht weitergehen.“ Alleen stünden nicht nur für Beschattung und Staubbindung, sie retteten direkt Menschenleben. Rund 70.000 Menschen in Deutschland stürben bereits jetzt jedes Jahr an den Folgen von Luftverschmutzung. Mit den Alleen gehe aber auch ein psychisches Erleben „Ach, ist das schön“ einher. So vieles könne man mit ihnen verbinden, sie seien zugleich ein Sinnbild für Entschleunigung. „Wir hier in der Kleinseenplatte leben als privilegierte Guppe fast noch im Paradies, das versuchen wir immer wieder zu verdeutlichen“, betonte der Maler, der von „Dekokunst“ nichts hält und mit seinen Arbeiten keine „Ersatzwelten“ schafft. „Die Deutsche Alleenstraße sollte ein Vorbildstrecke werden einschließlich der Flächen links und rechts davon. Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens, anstatt uns ins Wegsehen zu retten.“

Ich bin Egbert Striller sehr verbunden, dass er mich noch kurz durch die Galerie geführt hat. Hier widmet man sich mit Malerei, Zeichnung und Text hingebungsvoll der Landschaftswahrnehmung als Kulturaufgabe. Leider war meine Zeit,wie so oft, knapp bemessen. Öffnung und Führung nach Voranmeldung unter 039828 26620.