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Wandbilder von Katrin Henschler.

Zuweilen tritt in Künstlerkreisen auch Freundschaft als eine besondere Form des Kuratierens einer Ausstellung auf, so im Falle der Ausstellung „Eidolon“, die ab kommenden Freitag, den 29. November, in der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz zu sehen ist. Freitag. Die vier Künstlerinnen Heidi Baudrich, Katrin Henschler, Elena Kozlova und Marieken Matschenz kennen sich bereits über zwölf Jahre – seit ihrer Studienzeit in der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Die Künstlerinnen kennen die Entwicklungsprozesse der jeweils Anderen und schätzen nicht nur die intellektuellen Wege der Auseinandersetzungen die zum Bild führen, sondern auch, und im Besonderen, das individuelle Oeuvre.

Nach diesen zwölf Jahren war es nun wieder an der Zeit, gemeinsam eine Ausstellung zu realisieren und die Arbeiten, die in den letzten Jahren reifer und individueller geworden sind, im Zusammenspiel zu sehen. Bei der Ausstellung „Eidolon“, das so viel heißt wie ein Bild, das sich herausschält oder sich aufbaut, werden Bilder zu entdecken sein, welche diesen Transformationsprozess zwischen Idee und Bild auf sehr unterschiedliche Weise genommen haben und somit natürlich auch vier besondere künstlerische Handschriften tragen. 

Bei den Gemälden von Heidi Baudrich entfalten sich auf Leinwand in bunten Colorid Bilder, die sprachlich kaum fassbar sind. Bilder in denen Wesen erscheinen, die chimärenhaft eine Verbindung zwischen Natur und Mensch, männlich und weiblich und Gutem und Bösen suchen. Die Künstlerin Katrin Henschler hingegen sucht die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper. Dass dieses Feld ein spannungsgeladenes ist, beweist Katrin Henschler unter anderem mit ihren vielfach geschichteten Gemälden. Wie bei einem Linolschnitt schneidet oder reißt sie hierbei die Farbschichten auf und malt auf den entstehenden Flächen in altmeisterlicher Manier Bilder, die sich ikonengleich in unser Bildgedächtnis gebrannt haben: etwa die betenden Hände von Dürer, der Denker von Rodin oder die Badende Susanna von Rembrandt.

Die bildliche Auseinandersetzung bei Elena Kozlova changiert derweil zwischen dem Abstrakten und Figürlichen. Als gebürtige Russin interessiert sich Elena Kozlova besonders für Schnee. Diesen versucht sie bildlich greifbar zu machen, indem sie sich der mikroskopischen Darstellung zuwendet. So entstehen malerische Tableaus, auf denen die Facettenvielfalt des gefrorenen Wassers zwischen Eisblumen, Schneeflocke, Eismatsch etc. in abstrakter Form faszinieren. Auch bei Marieken Matschenz schichten sich die Farbebenen, um Strich für Strich Körperlichkeit auf dem Papier entstehen zu lassen. Um Dinge, die im Verborgenen stattfinden, einen Ausdruck zu geben, zeichnet Marieken Matschenz mit Farbstiften Dinge, die repräsentativ dafür stehen: ein Stuhl im Atelier, ein skelettierter Vogel, ein Traumbild…

Die Ausstellung wird am 29. November um 19.30 Uhr durch Künstlerinnengespräch geleitet und durch die beiden Mecklenburger Künstlerinnen Rico und Ramona Seyfarth eröffnet. Bis in die Silvesternacht zum 1. Januar 2020 sind die Werke der Künstlerinnen dem interessierten Kunstbetrachter zugänglich. Täglich außer montags von 17 bis 23 Uhr und am Wochenende auch von 12 bis 14 Uhr  ist die Galerie für gegenwärtige Kunst in der Alten Kachelofenfabrik geöffnet.