Schlagwörter

, ,

Die legendäre DDR-Waschmaschine WM 66 ist einfach nicht tot zu kriegen. Meine Mutter selig hat immer behauptet, keine sei so gründlich in Sachen Sauberkeit. Noch Jahre nach dem Siegeszug der Halbautomaten und Automaten wurden diese von der Familienvorsteherin ignoriert.

Aber auch zweckentfremdet ist das geschichtsträchtige Maschinchen seine Anschaffung wert. So gibt es findige Zeitgenossen, die Obst und Gemüse darin einkochen. Das wusste zum Beispiel der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, Wolfgang Bosbach (CDU), nicht. Er scheiterte 2014 beim Prominenten-Special von „Wer wird Millionär“ an der Frage. Übrigens kann man in der WM 66 auch größere Mengen von Bockwürsten erhitzen.

Nachdem mir bereits vor längerer Zeit der Motor des Waschwunders auf einem Rasenmäher wiederbegegnete, hat mein Kollege und Blogfreund Tino Griebsch aus Warbende eine zumindest mir noch ganz neue weitere Verwendungsmöglichkeit aufgetan. Der Strelitzer Hobby-Bierbrauer hat die WM 66 ein wenig nachgerüstet und setzt sie jetzt erfolgreich zum Maischen und Läutern ein. Sieht auf den ersten Blick aus wie besonders dreckige Wäsche, ist aber näher betrachtet eine saubere Sache. Stünde die 66 nicht für das Marktdebüt 1966, könne die Waschmaschine glatt dem Deutschen Reinheitsgebot für Bier entsprungen sein. Aber das stammt von 1516.

Rund um 30 Jahre Mauerfall war dieser Tage immer mal wieder zu hören, es sei ja nicht alles schlecht gewesen bei uns im Osten. Die WM 66 gehört definitiv dazu, und Improvisationstalent sowie Erfindungsreichtum meiner Generation sind in der Ex-DDR auch noch zu Hause.