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Fotos: Uwe Hauth

Schade, dass Friedrich von Flotow das nicht mehr erleben konnte. Wenn es noch eines Beweises bedurft hatte, dass seine nach 1945 zu Unrecht stiefmütterlich behandelte Oper „Martha oder Der Markt zu Richmond“ auf die Bühnen gehört, dann hat ihn die Kammeroper Schloss Rheinsberg am Freitagabend angetreten. Das Publikum honorierte die Freiluft-Premiere im Heckentheater mit minutenlangem Beifall und Bravo-Rufen.

Erst gegen 17 Uhr war die Entscheidung getroffen worden, die Aufführung trotz der Wetterunbilden nicht ins Opernhaus zu verlegen. Der Mut wurde belohnt, es blieb trocken. So hatten die Premierengäste zum Kunstgenuss auch noch das Erlebnis des wunderschönen Parks direkt am Grienericksee, eigentlich unverzichtbarer Teil der Inszenierung. Das Heckentheater lässt Publikum und Künstler auf Tuchfühlung gehen, auch das macht es besonders.

Anna Lucia Struck, Angelo Pollack, Valentin Voith und Alice Lackner (von links).

Die grandiose Aufführung ist besonders zu würdigen, fand sie doch im Rahmen des internationalen Festivals junger Opernsänger statt. Solisten, Chor, nicht zuletzt die Junge Kammerphilharmonie Berlin unter Florian Ludwig ließen einmal mehr staunen, zu welch außergewöhnlichen musikalischen Leistungen junge Menschen fähig sind. Natürlich flogen die Herzen den beiden Liebespaaren Anna Lucia Struck in der Titelrolle und Angelo Pollack als Lyonel sowie Alice Lackner als Nancy alias Julia und Valentin Voith als Plumkett zu.

Allen an diesem wunderschönen Abend begegneten Talenten steht eine große künstlerische Zukunft in Aussicht, auf die sich neben ihnen auch der Musiktheater- und Konzertgänger nur freuen kann. Und wenn es nach dem Rezensenten gegangen wäre, hätten Martha und Lyonel als Zugabe noch einmal im Duett „Die letzte Rose“ gesungen. Auch so bleibt die Arie Marthas wieder tagelang im Ohr, gleich gefolgt von Lyonels „Ach so fromm“.

Zuschauer, die nicht zum ersten Mal eine Aufführung von „Martha“ erlebt haben, werden sich die Augen gerieben haben. In der Inszenierung von Holger Potocki tummeln sich die Akteure auf einem Tennisplatz und in einer New-Age-Kommune, wird eine Arie ins Handy gesungen und die erste Liebesnacht in einen abgewrackten Bulli mit der verheißungsvollen Aufschrift „Everything is possible“ verlegt. Dem Regisseur ist es im wahrsten Sinn des Wortes gelungen, die 1847 uraufgeführte Oper zu entstauben und das Meisterwerk für das Hier und Jetzt fit zu machen. Chapeau! Und einen letzten Satz der Anerkennung für die perfekte Organisation der Veranstaltung vom ofenfrischen Elsässischen Flammkuchen bis zur Umleitung des sonst lautstark fließenden Durchgangsverkehrs vor dem Heckentheater.

Weitere Vorstellungen:

SA, 03.08.2019, 19.30 Uhr | SO, 04.08.2019, 18.30 Uhr | DI, 06.08.2019, 19.30 Uhr | MI, 07.08.2019, 19.30 Uhr | FR, 09.08.2019, 19.30 Uhr | SA, 10.08.2019, 19.30 Uhr | SO, 11.08.2019, 18.30 Uhr

Tickets: www.musikkultur-rheinsberg.reservix.de
tickets@musikkultur-rheinsberg.de
Telefon 033931 72117 (Montag bis Freitag 10 bis 15 Uhr)

Wenn die Rheinsberger schon mal den Mecklenburger Friedrich von Flotow würdigen, dann gleich richtig. So wird es morgen um 16 Uhr im Spiegelsaal des Schlosses ein Kammerkonzert mit Werken des Komponisten, von Mendelssohn Bartholdy und Schubert geben. Die Brandenburger Symphoniker spielen am 8. August um 19.30 Uhr im Schlosshof Mendelssohn Bartholdy und Flotow.

Besonders zu empfehlen die Uraufführung der Kinderoper „Martha oder Der zerbrochene Spiegel“ am 9. August um 15 Uhr im Schlosstheater, geeignet für Mädchen und Jungen ab fünf Jahren, die die Musik Flotows aufgreift. Weitere Vorstellungen hier am 11. August um 11 und um 15 Uhr sowie am 13. August um 10 und um 12 Uhr.