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Bauen, Denkmalschutz, Geschichte, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz
Fragt man die Stiftung Mecklenburg nach dem Motiv für die Veranstaltung der Schlossberg-Konferenz am heutigen Montag in Neustrelitz (Strelitzius berichtete bereits am Mittag), so kommt einem der Ratsvorsitzende Henry Tesch mit Erich Kästner: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ Unfug wäre es, da waren sich am Ende des Tages die mit Abstand meisten der mehr als 200 Besucher einig, die unterirdischen Überreste des einstigen Neustrelitzer Residenzschlosses zuzuschütten. Das plant das Land und will damit im Frühjahr beginnen. Wobei man eventuell in Schwerin gar nicht weiß, dass die Keller vorher aufwändig von jeder Menge Sondermüll geräumt werden müssen. Das könnte Monate dauern. Ein auf der Tagung gezeigter Film aus den Gewölben, der zeitgleich auch von Strelitzius veröffentlicht wurde, spricht da eine deutliche Sprache. An einem Wiederaufbau des Schlosses oder Teilen davon schieden sich hingegen auch heute im Kulturquartier die Geister.
Klare Worte auf der Konferenz fand die in Schwerin lebende Architekturhistorikerin Prof. Sabine Bock an die Adresse der Landesregierung. Was in Neustrelitz geplant sei, ist aus ihrer Sicht ein klarer Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz des Landes. Hier würde die historische Mitte von Neustrelitz getilgt. Noch deutlicher wurde Wilhelm von Boddien, prominenter Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss und von den Zuschauern geradezu frenetisch gefeiert: „Es geht für die Stadt um eine Zukunftsfrage, und die kann nicht per Verordnung eines Finanzministers entschieden werden“, sagte er im Gespräch mit mir. „Wir müssen Zeit gewinnen, die Leute mobilisieren und Phantasie walten lassen“, zählte von Boddien auf. „Die Begeisterung muss auf die Stadt überspringen, dann kann es gelingen.“ Er wolle bei der Stange bleiben, habe eine Leidenschaft für Neustrelitz entwickelt.
Die Schlossberg-Aktivisten wollen jetzt vor allem Zeit gewinnen, einen Aufschub erwirken, wobei es gegen die Beräumung der Keller keinen Widerstand gibt. „Wenn die leer sind, können wir sie erlebbar machen und beispielsweise Führungen anbieten“, blickte Holger Wilfarth voraus, der in Neustrelitz ein Büro für Nachhaltigkeit betreibt und einen tollen Vortrag auf der Konferenz gehalten hat. „Dann haben wir doch keine Not.“
Landrat Heiko Kärger wird sich diesbezüglich an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und die Landesparlamentarier wenden. Auch die Landtagsabgeordneten Vincent Kokert (CDU) und Torsten Koplin (Die Linke) wollen in Schwerin ihren politischen Einfluss zu Gunsten eines Aufschubs nutzen und gegebenenfalls die Angelegenheit auch Anfang März im Finanzausschuss thematisieren. Die Neustrelitzer Stadtvertreter Ernst August von der Wense (CDU) und Bernd Werdermann (FDP) sowie Waltraud Bauer (Die Linke) streben einen entsprechenden Beschluss der Stadtvertretung an, Voraussetzung, um überhaupt eine Gestaltungschance für den Schlossberg zu haben. Da haben sie in Stadtpräsident Christoph Poland (CDU) einen wichtigen Verbündeten.
Junger Mann vom Carolinum hat schon Ideen
Auch junge Leute sind zur Konferenz erschienen, eine besonders erfreuliche Tatsache. Mein Blogpartner Paul-Peter Winkel vom Neustrelitzer Gymnasium Carolinum sieht sich schon als Fremdenführer auf dem Schlossberg. Er regte die Aufstellung eines Informationscontainers an. Außerdem müsse ein Unterrichtsmaterial über die Geschichte des Neustrelitzer Residenzschlosses und Mecklenburg-Strelitz erarbeitet werden.
Das Fazit: „Die Stiftung hat erreicht, was sie sich vorgenommen hat, wir haben eine Plattform geschaffen. Wer hätte gedacht, dass dieser Gedankenaustausch ein solches Echo findet“, sagte mir Henry Tesch. „Ich bin begeistert von so viel Elan und Enthusiasmus“, ergänzte Dr. Rajko Lippert, Vorsitzender des Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz. „Heute sind wichtige Weichen gestellt worden.“ „Die Region hat auf eine solche Veranstaltung lange gewartet“, bilanzierte Holger Wilfarth. „Ich bin froh, dass die Tagung stattgefunden hat. ich habe jetzt Hoffnung, dass die Keller nicht verfüllt werden und über andere Möglichkeiten entschieden werden kann“, schätzte Bernd Werdermann gegenüber Strelitzius ein.
Zu den Erfolgsrezepten des Wilhelm von Boddien gehört auch, „die Gegner leben zu lassen“. Vielleicht kommt ja auch gar nicht das ganz große Kontra aus dem Schweriner Finanzministerium als Verwalter der in Landesbesitz befindlichen Immobilie. Womit noch ein Name zu nennen wäre. Herzlich begrüßter Gast in Neustrelitz war die frühere Finanzministerin Sigrid Keler. Vielleicht nimmt sie sich ihren Genossen Mathias Brodkorb mal zur Seite…

Einig in der Sache: Holger Wilfarth, Henry Tesch, Wilhelm von Boddien, Bernd Werdermann und Rajko Lippert.



Diese Veranstaltung gab einen guten Auftakt zum Beginn einer Diskussion, welchen Weg Neustrelitz als Residenzstadt einschlagen soll, darüber , was Neustrelitz touristisch für ihre Besucher zu bieten haben sollte. Interessant der Denkansatz von Frau Prof. Bock zur Nutzung des Areals: Erinnerung an die erste Verfassung in Deutschland, die von Mecklenburg Strelitz. Ich hatte trotz allem den Eindruck, dass viele Besucher im Saal auf eine Bebauung des Schlossbergs hoffen.
Ja sie wünschen sich eine Bebauung des Schlossbergs und warum ist das wohl so? Das Schloss ist der Ursprung/Ausgangspunkt der Stadtgründung von Neustrelitz. Wer das ignoriert und als unwichtig ansieht, der hat keine Ahnung von Geschichte, Identität und Heimat und ist aus meiner Sicht kein echter Strelitzer. Die Stadt wirbt jährlich um Touristen und Besucher und kann hier nur ein minus in den Zahlen vor 10-15 Jahren teilweise von bis zu 40 % bei den Übernachtungen aufweisen (Quelle Tourismusverband MV). Ja das sind unangenehme Zahlen, die die Stadt bisher natürlich nicht veröffentlicht hat. Neustrelitz befindet sich in Konkurenz zu anderen Regionen und kann leider kein naturgegebenes großes Gewässer oder anderes vorweisen! Womit kann man Touristen auch aus dem nahen Berlin nach Neustrelitz locken??? Darüber sollten alle Stadtvertreter dringend nachdenken und ihren Dornröschenschlaf nach 27 Jahren Deutsche Einheit endlich beenden. Die Sichtweise einzelner Stadtvertreter und Bewohner in NZ kann ich nicht verstehen. Ein Schloss in Schwerin mit einem dauerhaften Sanierungsbedarf (liegt auf einer Insel und wird dauerhaft mit Feuchtigkeit zu tun haben), das den Steuerzahler mehrere 100 Mio schon gekostet hat und auf Dauer weiterhin kosten wird, das stellt niemand in Frage. Doch gegen den denkmalgerechten Umgang mit den Schlossberg, da findet man Bedenken. Das ganze wirtschaftliche Leben in der Stadt benötigt einen Anschub, denn wir schmoren hier schon zu lange im eigenen Saft und bewgen uns auf eingefahrenen Gleisen. Mit dem nur nicht auffallen-Denken und zu allem ja sagen und sich allles weg nehmen lassen muss Schluss sein. Wer neue Bürger, Touristen und Leben in die Stadt bekommen will, der muss sich bewegen, Chancen sehen und diese ergreifen wollen. Dieses gilt auch für den Bürgermeister der Stadt Ntz. und seine Beschäftigten,schlafen sie endlich aus. Pro Jahr 1-2 Straßen sanieren, LED-Beleuchtung für Straßenlampen u. a., das reicht nicht aus. Die Sanierung der Häuser der Stadt passiert auf Initiative von Privatpersonen, die dieses mit viel Herzblut tun. Was hat Schwerin in den letzten 27 Jahren am Schloßareal an Sanierungserfolgen erreicht? Schloßkirche und das Gebäude des Straßenbauamtes sind saniert. Schloßpark, Theater sind noch nicht vollendet. Schwaanenteich, Areal Hobe-Haus/Theaterprobenhaus, Marstall und Carolinen-Palais (vor und nach der Wende in ständiger Nutzung) sind unsaniert. Die Parkvilla und die ehem. Hypo-Bank wurden an dubiose Investoren mit windigen Nutzungskonzepten verhökert. Machen wir einen Strich unter dieses „Glanzstück“ der Schweriner Sanierungskunst, dann muß man sagen, eine Note 5 ist noch geschmeichelt und wo sind die zugesagten 25 Mio. Euro zur „Aufhübschung von Neustrelitz“ vom Land, wie sie im Nordmagazin im April vollmundig angekündigt wurden? Ich sehe nix, nur Stillstand seit 2 Jahren im Schlosspark. Vielleicht hat man sich ja auch um 2 Kommastellen vertan und meinte 250000 EURO für den unsinnigen Fledermaustunnel. Ich bin Ntz-er und habe die Nase gestrichen voll, auch von Teilen der regionalen Politik!!