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Im 3. Philharmonisches Konzert „Memento“ erklingen am Sonntag um 18 Uhr im Landestheater Neustrelitz Werke von Stephan, Ravel und Tschaikowski. Solistin und ARD-Preisträgerin Marianna Shirinyan spielt Ravels Klavierkonzert D-Dur für die linke Hand.

Die Neubrandenburger Philharmonie lädt ein zu Andacht und Gedenken.
Denn die ausgewählten Werke entstanden vor tragischem Hintergrund: Als der Pianist Paul Wittgenstein durch eine schwere Verletzung im I. Weltkrieg seinen rechten Arm verlor, schien seine musikalische Laufbahn beendet. Doch er beschloss weiterzumachen, konzentrierte sich auf Übungen für die linke Hand und passte Werke des klassischen Repertoires den ihm verbliebenen Möglichkeiten an. Zudem vergab er Kompositionsaufträge. Neben Benjamin Britten, Erich Wolfgang Korngold, Sergej Prokofjew u. a. schrieb auch Maurice Ravel für Paul Wittgenstein ein Konzert für die linke Hand! Das einsätzige Werk setzt auf stilistische Vielfalt. Sein extrem schwieriger Solopart enthält Elemente des Jazz, Marschrhythmen, lyrische Kantabilität und einen Scherzo-Abschnitt.

Rudi Stephan, der zu den begabtesten deutschen Komponisten seiner Generation zählte, kam im I. Weltkrieg an der Ostfront ums Leben. Er wurde nur 28 Jahre alt. Seine Musik, die an der Schwelle zwischen Spätromantik und Moderne steht, ist kaum bekannt. Überliefert sind auch nur die beizeiten vom Musikverlag Schott herausgegebenen Werke, denn Stephans kompositorischer Nachlass wurde 1945 während eines Bombenangriffs auf Worms ein Raub der Flammen. Der Kieler GMD Benjamin Reiners, der als Gast das Konzert der Neubrandenburger Philharmonie leiten wird, möchte mit der Aufführung von Rudi Stephans Musik für Orchester an den durch tragische Umstände in Vergessenheit geratenen genialischen Komponisten erinnern.

Ob seine Sechste und zugleich letzte Sinfonie von Anfang an als eine Art „Schwanengesang“ oder Lebensrückschau gedacht war, hat Peter Tschaikowski nicht preisgegeben. Er starb nur wenige Tage nach der Uraufführung seiner „Pathétique“. Dass das Werk Requiem-Charakter trägt, hat er jedenfalls nicht bestritten. „Mich verwirrt der Umstand, dass meine letzte Sinfonie, die ich gerade eben geschrieben habe (…), von einer Stimmung durchdrungen ist, die der, von der das ‚Requiem‘ erfüllt ist, nahe verwandt ist“, bekannte er. Das Werk enthält Zitate aus dem orthodoxen Totenoffizium und schließt mit einem Adagio lamentoso, das einem „Versinken im Nichts“ gleichkommt (Burkhard Rempe).