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Es gibt so Termine, die wünscht man allen Neustrelitzern, und den Leuten aus dem Umland der Residenzstadt gleich mit. Weil solche Tage ein bisschen stolz machen. Heute ist beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt am Ort mit großem Bahnhof eine Tri-Band-Bodenstation eingeweiht worden. Das 3,2 Millionen Euro teure neue Antennensystem für die Fernerkundung der Erde ist von Bund, Land und DLR finanziert worden. Schwerin steuerte mit zwei Millionen Euro aus EU-Mitteln den Löwenanteil bei.

„Diese Infrastruktur ermöglicht uns, den Datenstrom vieler Satelliten sowohl für unsere eigenen Forschungsarbeiten zu erschließen, als auch der internationalen Forschungsgemeinschaft zugänglich zu machen“, stellte Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR, heraus. „Darüber hinaus fördert sie neue Forschungsaktivitäten, die einen wichtigen Beitrag zur regionalen Innovationsstrategie Mecklenburg-Vorpommerns und zur Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Neustrelitz liefern.“ Im besonderen Maße profitiere die 2014 am Standort Neustrelitz geschaffene Forschungsstelle Maritime Sicherheit von dem neuen Antennensystem.

Landesvater sagt DLR weitere Kooperation zu

Den Faden nahm Ministerpräsident Erwin Sellering auf. Mecklenburg-Vorpommern als Küstenland habe ein „vitales Interesse“ an maritimer Sicherheit. Das DLR in Neustrelitz sei ein „wesentlicher Beststandteil unserer Forschungslandschaft und wir setzen auch weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit ihm“. Holger Schlienkamp, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, bezeichnete Neustrelitz sogar als „Hightech-Standort und Leuchtturm in der Forschungslandschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Was hier passiert, ist faszinierend und wichtig auch für die Bundesregierung. Die satellitengestützte Erdbeobachtung ist ein Schwerpunkt deutscher Raumfahrtpolitik.“ Man habe es bei Satellitendaten mit einem dynamischen Wachstumsmarkt zu tun, in den es sich für die öffentliche Hand lohne zu investieren.

Eckhardt Rehberg, Vorsitzender der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern im Deutschen Bundestag und Beauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für maritime Wirtschaft, ist bekannt für ein offenes Wort. Er bezeichnete an einem „sehr guten Tag für Neustrelitz“ sich als „Überzeugungstäter“ und das Projekt „Maritime Sicherheit“ als ein „wahres Projekt interfraktioneller Zusammenarbeit im Bundestag“, verhehlte aber gleichzeitig „Widerstände der Ministerialdemokratie“ nicht. Rehberg erteilte einer angestrebten Neukonzipierung des Projektes 2017 eine Absage. „Wir brauchen Verlässlichkeit und Sicherheit. Das Projekt ist gut initiiert und muss gut weitergeführt werden.“

DFD-Direktor: Viel am Standort erreicht 

Das DLR Neustrelitz verfügt jetzt über vier Antennensysteme zum Datenempfang von Satelliten für die Fernerkundung der Erde, wie mir mein Blogfreund Holger Maass vom Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) in Neustrelitz beim Gang über das Gelände erläuterte. „Wir können dadurch zeitgleich oder dicht aufeinander folgende Satelliten unabhängig voneinander anpeilen und somit Daten- und Zeitverluste minimieren.“ Zusätzlich erlaube ein drittes Frequenzband bei Bedarf die Kommunikation mit den Satelliten zur Übertragung von Steuerbefehlen. Zuvor hatte DFD-Direktor Prof. Stefan Dech erläutert, dass Neustrelitz Zugang zu 15 Aufnahmesystemen im Weltraum hat. „Wir haben hier viel erreicht und können stolz darauf sein.“ Unter Bezug auf Rehbergs Befürchtungen sagte Dech, „wir machen hier Gutes und das Gute wird letztlich obsiegen“. Auf keinen Fall dürfe das Feld den „amerikanischen Giganten“ überlassen werden. „Das erwartet Europa von uns.“

Mit einem Durchmesser von 11,5 Metern und einer Fläche von 103 Quadratmetern verfügt die neue Antenne über einen mehr als doppelt so großen Empfangsspiegel als die bisherigen Systeme. Der große Parabolspiegel garantiert eine fehlerfreie Übertragung der Daten trotz niedrigerer Sendeleistung der neuen Sentinel-Satelliten im europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Datentransfers bis zur vierfachen Datendichte sind nun möglich. Sellering, Schlienkamp, Ehrenfreund, Dech und Maass drückten zum Abschluss der Festveranstaltung gemeinsam einen symbolischen roten Knopf, worauf die riesige Antenne auf die Versammelten schwenkte. Auch eine Besichtigung im Inneren des Antennenfußes war möglich.