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Karen Kanke, Robert Will, Jonas Münchgesang, Frank Metzger (von links).

Dem Premierenpublikum in Neustrelitz ist gestern ein wunderbarer Sommertheaterabend geschenkt worden. Gegeben wurde Molières „Der eingebildete Kranke“, bearbeitet und übersetzt von Martin Heckmanns. Am Ende gab es auf dem Platz vor dem Landestheaterhaus jede Menge wohlverdienten Applaus und auch Hochrufe für die Inszenierung von Andreas Kloos.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, bin ich mit gewissen Vorurteilen in die Vorstellung gegangen. Molières vielgespielte Komödie im Sommertheater anzusetzen, schien mir gerade nach den erfrischenden Angeboten 2020 („Extrawurst“) und 2021 („Gott in Not“) wie ein Griff in die Mottenkiste. Am Ende musste ich mich vor dem großen Franzosen und vor allem vor seinem beherzten Bearbeiter verneigen, der zur Premiere gekommen war.

Das Stück aus dem Jahr 1673 wirkt, natürlich auch dank Heckmanns, wie für unsere Zeit geschrieben. Schlägt uns das Elend der Menschheit in seiner Nachrichtenflut nicht auf den Magen? Wünschten wir uns nicht alle, diese unsere Welt wäre noch zu heilen? Immerhin, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so wurde das Publikum mit der Botschaft in die laue Sommernacht entlassen, dass da vielleicht doch noch was zu machen ist. Auch wenn es vielleicht nicht reicht, wie im Fall der Titelfigur Argan, einen Schwamm einzusetzen und für neue Politur zu sorgen.

Angelika Hofstetter urgewaltig

Das Schauspielensemble der Theater und Orchester GmbH hat einmal mehr seine bemerkenswerte Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Allen voran Angelika Hofstetter als Bedienstete und verkleideter Arzt. Die hat so viel Pfeffer in ihre Rollen gebracht, dass es eine wahre Freude war, sie auf der Bühne zu erleben. Eine Urgewalt! Jonas Münchgesang hingegen schien der Argan nicht ganz auf den Leib geschrieben. Zu jung, zu gut aussehend, von der Erscheinung eher ein Musketier als ein Kranker, und in der Darstellung noch mit Luft nach oben. Ein bisschen blutleer, bei allen Leiden! Klasse hingegen wieder Karen Kanke als Tochter Angélique, Michael Sosna als ihr Angebeteter Cléante und Frank Metzger als Doktor Purgon. Robert Will als Sohn des Mediziners brauchte nur die Bühne zu betreten, da gingen bei den Zuschauern schon die Mundwinkel nach oben. Und wie er dann den Möchtegernschwiegersohn spielte, göttlich! In weiteren Rollen gefielen Florian Rast und Katha Hoffmann.

Während die Kostüme eine Augenweide waren, fiel das Bühnenbild minimalistisch aus (Ausstattung Esther Bätschmann). Ein überdimensionales Kissen für das Krankenlager, weniger ist eben mehr.

Ich hatte Gelegenheit, mich vor der Vorstellung mit Schauspieldirektorin Tatjana Rese zu unterhalten und ihr zu sagen, wie sehr ich ihren Weggang zum Ende der Spielzeit bedauere. „Wir haben in dieser Saison im Schauspiel aber auch noch einiges vor“, entgegnete sie. Und darauf freue ich mich mit allen Theaterfreunden in Neustrelitz und im Umland.

Nächste Vorstellungen „Der eingebildete Kranke“

So. 14.08. 18:00 Uhr, Fr. 19.08. 19:30 Uhr, So. 21.08. 18:00 Uhr, Fr. 26.08. 19:30 Uhr, Sa. 27.08. 19:30 Uhr, So. 28.08. 18:00 Uhr.

Ab 17. September im Landestheater Neustrelitz und ab 7. Oktober im Schauspielhaus Neubrandenburg

Tickets und Informationen unter 03981 20 64 00 oder einfach online unter https://tog.de

Karen Kanke und Angelika Hofstetter (von links).
Karen Kanke, Jonas Münchgesang, Katha Hoffmann und Angelika Hofstetter (von links). Fotos(3): Christian Brachwitz