Schlagwörter

, , ,

Golda Rosheuvel als Queen Sophie Charlotte in der Serie „Bridgerton“. Foto: Liam Daniel/Netflix © 2020
Foto: The Royal Collection

Vielleicht gut, dass Queen Sophie Charlotte das nicht mehr erleben muss. In der neuen Netflix-Serie „Bridgerton“ ist neben zahlreichen Adligen auch die britische Königin Charlotte schwarz, gespielt von der guyanisch-britischen Mimin Golda Rosheuvel. Die Filmemacher haben die Strelitzer Prinzessin mal eben als erste farbige Monarchin auf den britischen Thron gehoben. Das ist schon eine starke Portion künstlerischer Freiheit, die der Streaming-Anbieter da zulässt, auch wenn tatsächlich bis heute Gerüchte um die Königin gestreut werden. Von einer angeblichen afrikanischen Ahnin wird fabuliert, was die Fachwelt vehement bestreitet.

„Nun ist Mecklenburg ja für viele ostdeutsches Buschland, aber das finde ich doch sehr kühn“, schreibt mir meine Blogfreundin Ulrike Bodinka, die mich auf „Bridgerton“ aufmerksam gemacht hat, zu dem Drehbuch. Die Neustrelitzer Historikerin Sandra Lembke nennt das Gerede, das nun durch die Serie neue Nahrung bekommt, „absoluten Quatsch“. „Vor Jahren hat ein Typ mit ziemlich dürftigen Beweisen und kulturgeschichtlich völlig falschen Behauptungen diese Aussage in die Welt gesetzt. Kein einziger Wissenschaftler unterstützt diese Theorie, weil sie Schwachsinn ist.“

Dr. Rajko Lippert, Adelsexperte mit besten Verbindungen zum Großherzoglichen Haus Mecklenburg-Strelitz und Vorsitzender des Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz, reagiert gegenüber Strelitzius gelassen. „Der Film ist reine Fiktion, er beruht auf der Annahme, Georg III hätte sich in eine Schwarze verliebt, sie zur Königin gemacht und damit seinerzeit allen Menschen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, Gleichberechtigung verschafft. Anfang des 19. Jahrhunderts sind in dem Film alle Rassenschranken gefallen. Wer etwas im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, dem muss klar werden, dass das nicht zutreffend ist.“ Sophie Charlottes Eltern seien in Hildburghausen und Altstrelitz geboren, betont mein Blogfreund und merkt leicht sarkastisch an, beide Städte lägen nicht gerade in Gegenden mit schwarzer Bevölkerung, schon gar nicht im 18. Jahrhundert.