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Der Grüneberg-Orgelsommer in der Neustrelitzer Stadtkirche hält ein tolles Konzert bereit. Am kommenden Sonntag, den 11. August, wird die Sängerin Felizia Frenzel zu Gast sein und gemeinsam mit KMD Hans-Jürgen Küsel (Orgel) musizieren. Beginn ist um 17 Uhr.

Die Sopranistin, die kürzlich in der „Messias“-Aufführung der Neustrelitzer Singakademie glänzte, hat für das Konzert unter anderem Lieder und geistliche Werke von Händel, Mozart, Haydn und Dvorak ausgewählt. Mit Stücken von Reinhold Becker und Karl Jenkins sind Klänge des 20. Jahrhunderts vertreten. KMD Hans-Jürgen Küsel wird zudem auf der Orgel Solostücke von deutschen Barockmeistern sowie von den Briten Thomas Arne und Charles Burney zu Gehör bringen.

Auch diesmal darf im Konzert der Bezug zum Herzogshaus Mecklenburg-Strelitz nicht fehlen. Felizia Frenzel wird ein Lied von Joseph Haydn vortragen, das dieser in den 1790er Jahren bei einem Besuch in London nachweislich der britischen Königin Sophie Charlotte und ihrem Gatten George III. vorsang. Das Monarchenpaar war von Haydn sehr angetan und kurz vor der Abreise des Komponisten schenkte ihm Sophie Charlotte zum Abschied gar eine Partiturabschrift aus ihrer Musikbibliothek. Es handelte sich um Händels Brockes-Passion, die zu diesem Zeitpunkt in England noch nie aufgeführt worden war.

Weiterhin wird ein französischsprachiges Lied von Francesco Paolo Tosti erklingen – gewidmet wurde dieses im Jahr 1886 der Großherzogin Augusta Caroline von Mecklenburg-Strelitz. 

Der Italiener Tosti (1846-1916) wirkte als Sänger, Pianist und Liedkomponist und war unter anderem mit dem Startenor Enrico Caruso befreundet. Er begann seine Karriere zunächst als Gesangslehrer von Margharita von Savoyen, der späteren Königin von Italien, sowie Verwalter des Musikarchivs am italienischen Hof. Im Jahr 1875 reiste Tosti nach London, wo er bald Zugang zu den höchsten Kreisen der englischen Gesellschaft fand.

Ab 1880 wurde ihm schließlich die Ehre zuteil, die Stelle des Musiklehrers bei der britischen Königsfamilie einzunehmen. In dieser Funktion wird ihn vermutlich auch die Großherzogin Augusta Caroline kennen gelernt haben. Als gebürtige englische Prinzessin reiste sie oft nach London und ging natürlich bei ihrer Cousine, der Queen Victoria, ein und aus. Belegt ist, dass die Großherzogin mit Francesco Paolo Tosti Freundschaft schloss, denn sie sandte ihm aus Neustrelitz zahlreiche Briefe, in denen sie ganz privat über das Familienleben im Residenzschloss plauderte. Der Komponist widmete nicht nur der Mecklenburg-Strelitzer Landesmutter eine Komposition, sondern auch ihrer Mutter, der Herzogin von Cambridge, sowie deren Hofdame, Lady Somerset.  

Caruso sorgt für Verbreitung der Lieder

Seine Werke brachten Tosti schließlich so großen Ruhm ein, dass er zum Mitglied der Royal Academy of Music berufen und im Jahr 1908 sogar von König Edward VII. zum Ritter geschlagen wurde. Als die Schellackplatte ihren Siegeszug antrat, sorgte Tostis Freund Enrico Caruso durch zahlreiche Einspielungen für eine weitere Verbreitung der Lieder seines Landsmannes. Obwohl Tosti englischer Staatsbürger geworden war, kehrte er vor dem Ersten Weltkrieg nach Italien zurück, um dort seine letzten Lebensjahre zu verbringen. Er starb am 2. Dezember 1916 – drei Tage vor der Großherzogin Augusta Caroline von Mecklenburg-Strelitz.

Der Eintritt zum Konzert ist wie immer frei, um Spenden wird gebeten.