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„Ach, der Mann von der Zeitung“, begrüßte mich die Dame in ihrem Glaskasten schon fast überschwänglich freundlich. Nun bin ich zwar schon ein paar Monate nicht mehr der Mann, aber man freut sich ja doch, immer noch erkannt zu werden. Weshalb ich die nachfolgende Prozedur auch ohne Murren über mich ergehen ließ. Denn ich war schon zu weit in Richtung Führerscheinstelle an der Woldegker Chaussee in Neustrelitz vorgedrungen. Vielleicht lag mein naßforsches Vorgehen ja daran, dass ich offenbar der einzige Kunde im Gebäude war. Nach Entgegennahme hilfreichen Hinweises also ein paar Meter retour und nach Drücken eines Knopfes „Führerscheinstelle“ in den Besitz eines Bons mit der laufenden Nummer 26 gelangt. Wieder am Glaskasten vorbei und in die Wartezone.

Nachdem ich mich mittels längerer Prüfung der Sichtachsen für einen der gefühlt 30 freien Sitzplätze entschieden hatte, begann ich mit dem Studium der elektronischen Anzeigetafel und erfuhr derart, dass sich meine Vorgänger Nummer 25 in Zimmer 30 und 24 in Zimmer 31 befinden. Wahrscheinlich sind die durch den Hinterausgang entfleucht, denn schon wurde mir Nummer 26 angezeigt, im Zimmer 30 zu erscheinen. Wo der Landkreis in Gestalt einer gut aufgelegten Repräsentantin ausschließlich für mich Bürger da war.

Meines Bleibens war aber auch hier nicht lange, denn zur Bezahlung meines in Aussicht stehenden neuen Führerscheins musste ich zurück zum Glaskasten. Ich hätte ja nach der Vorkasse auch brav erneut einen Bon gezogen, aber diesmal war Nummer 26 ausdrücklich erlaubt, unverzüglich wieder im Raum 30 zu erscheinen. Vorbei an der inzwischen erschienenen Nummer 27, die des Abgangs der nicht mehr vorhandenen Nummer 24 in Zimmer 31 harrte.

Die Lückenlosigkeit meines Durchlaufs, gepaart mit atmeberaubendem Tempo,  verwirrte mich einigermaßen, sodass ich den Tippfehler in meinem Vornamen nicht gleich auf dem von mir bereits unterschriebenen Formular entdeckte. Sondern erst auf dem zweiten Formblatt. Ich befürchtete schon, nun doch noch einen Bon ziehen zu müssen, aber das ging unbürokratisch ab. Die nette Dame killte per flottem Kulistrich das Zuviel in meinem André, und schon war ich entlassen. Bis in anderthalb Wochen, wenn das EU-kritisch gesehene Lotterleben mit meinem DDR-Führerschein endet. Und ich wieder einen Bon ziehe.