Schlagwörter

, , , , , ,

Das Produktive Lernen in Mirow ist ein absolutes Erfolgsmodell. Foto: Willi Buchert

Böser Bescheid vom Landkreis für 16 Haushalte, deren Kinder beim Produktiven Lernen in Mirow und bei den dazugehörigen Praktika im Umkreis einen Schulabschluss anstreben. Pünktlich zum Schulbeginn wird von der Behörde mitgeteilt, dass für die Heranwachsenden nicht mehr gilt, was sich zehn Jahre lang transportmäßig auch bei ihnen bewährt hat: das Schülerticket. Das Produktive Lernen als ein absolutes Erfolgsmodell wird damit torpediert.

Die Eltern dürfen mit Schuljahresstart in finanzielle Vorleistung gehen, Buch führen, abrechnen und hoffen, dass sie ihr Geld nach amtlicher Prüfung irgendwann in Teilen oder ganz wiedersehen. Wenn die Prüfung in der Qualität stattfindet, wie das Schreiben ausgefertigt wurde, lässt sich Schlimmes befürchten. Der Bescheid bezieht sich in der Überschrift irrtümlich auf das Schuljahr 2019/20 und dürfte damit ohnehin rechtsstrittig sein.

Ansonsten beziehen sich die Absender auf jede Menge für den Laien schwer ergründliche Verordnungen, bei denen unter anderem ein Kreistagsbeschluss auffällt, der angeblich seit August 2018 gilt. Da kämen immerhin zwei Jahre Schwarzfahren zusammen… Einleuchtender die Schlussformel, wenn auch nicht akzeptabler: „Aufgrund der besonderen Beschulung besucht Ihr Kind an zwei Tagen in der Woche die Schule und an drei Tagen in der Woche ein Praktikum. Die Praktikumsorte unterscheiden sich jedoch vom Schulstandort. Die Ausgabe der Schülerfahrkarte kann nur dann erfolgen, wenn die Schule schultäglich besucht wird. Aus diesem Grund kann die Schülerfahrkarte nicht ausgestellt werden.“

Dabei zeigt sich die Behörde noch entgegenkommend: Man könne sich doch ein Praktikum in Wesenberg (Schulstandort) oder Mirow (Außenstelle Produktives Lernen) suchen, dann könne das Schülerticket erteilt werden. Weltfremder geht es nicht!

Wie es sich gehört, enthält die Hiobsbotschaft eine Rechtshilfebelehrung. Der Landkreis kann sich auch auf Widerstand gefasst machen. Immerhin geht es hier um eine monatliche Vorleistung zwischen 100 und 150 Euro pro Familie, wenn es bei einem Monat bleibt, wie ich von der Wesenbergerin Liane Burde erfahren habe. Sie ist eines der betroffenen Elternteile. „Das ist einfach eine Frechheit. Da sind Eltern dabei, die keine Arbeit haben, die können sich das einfach nicht leisten. Wir werden uns wehren und Einspruch erheben.“ Auch eine weitere Mutter hat sich empört bei mir gemeldet.

Der 17. Schüler des Produktiven Lernens ist übrigens von der Mitteilung aus dem Landratsamt der Seenplatte nicht betroffen. Der ist im benachbarten Rheinsberg beheimatet und zückt ab kommender Woche wie immer eine Schülerfahrkarte. Manchmal möchte man als stolzer Strelitzer vor Scham sogar nach Brandenburg auswandern.