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Handel und Wandel treiben in Zeiten von Corona seltsame Blüten. Es war ja auch schon vor der Seuche nicht unüblich, Waren vor der Ladentür zu präsentieren, um den Kunden ins Innere zu locken. Dass ein derartiges Lockangebot aber eine Stiege mit Toilettenpapier sein könnte, habe zumindest ich mir nicht träumen lassen. So erlebt gestern vor einer Rossmann-Filiale im Ostseebad Kühlungsborn. Während sich das Ausland schon das Maul zerreißt über diese Deutschen, die in Krisenzeiten Klopapierrollen horten, reagiert nun offenbar auch die Drogeriekette.

Dreierlei Interpretation dürfte zulässig sein. Erstens ein „Seht her“, bei uns gibt es keinen Mangel, wir haben sogar Toilettenpapier! Zweitens waren es die Rossmann-Mitarbeiterinnen vielleicht einfach leid ständig gefragt zu werden, wo denn das für den Allerwertesten im Regallabyrinth stünde. Oder ging es drittens sogar um eine Minderung der Infektionsgefahr mittels Verkürzung des Kundenweges nach dem Prinzip Papier fassen, Kasse, Papier nach Hause tragen und einstapeln? Wozu den ganzen Markt verseuchen, wenn der Einkäufer ohnehin nur das eine fürs Gesäß will!

Nichts Genaues weiß man. Nun hätte ich ja in der Angelegenheit recherchieren können, aber ich hatte schlicht und einfach keinen Bedarf, also an Toilettenpapier. Corona hin, Corona her. Und sollte sich der abzeichnen, so gehe ich in aller Unbedarftheit davon aus, dass ich dann einfach nur welches kaufen gehen muss. Übrigens gehöre ich zu einer Generation, die sich auf dem Örtchen teilweise auch noch mit Zeitungspapier… Aber das führt jetzt vielleicht zu weit, obwohl einige Postillen auch heute noch für den A… Aber auch das lasse ich jetzt mal sein.

Lieber nehme ich mir die Zeit für das Studium einer Anleitung zum Herstellen von Hefe. Dazu braucht es nur ein Einmachglas oder eine Flasche, Zucker, lauwarmes Wasser, Datteln oder anderes Trockenobst/frisches Obst. Erstaunlich, wer hätte das gedacht! Einige meiner Lehrer waren ja der Meinung, bei mir seien Hopfen und Malz verloren. Das mit der Hefe dürfte ich jedenfalls hinkriegen, dauert ja nur acht Tage.

Aber noch mal zurück nach Kühlungsborn. Zur Verteidigung meiner Mecklenburger Landsleute muss ich anführen, dass es nach 13 Uhr und die Stiege immer noch halb voll war. Vielleicht waren aber auch die Haushalte unserer Küstennachbarn schlichtweg nicht mehr aufnahmefähig. So ein Vorratsraum stößt irgendwann auch an seine Grenzen. Und wer stapelt selbst in der tiefsten Krise schon gern Klopapier im Wohnzimmer! Möglicherweise handelt es sich sogar um einen Fall von Überangebot, um Ladenhüter. Rossmann hat eventuell mit den coronabedingt nicht mehr an der Ostsee vorhandenen Urlaubern gerechnet und konnte die Lieferung einfach nicht mehr stoppen.