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Stefan Wenzl bei seinem stark beachteten Vortrag. Fotos: Moritz König
Heiko Kärger spricht im Kulturquartier.

Wenn es nach Landrat Heiko Kärger ginge, dann würden die Bauarbeiten auf dem Schlossberg in Neustrelitz lieber heute als morgen beginnen. Diesen vorfreudigen Eindruck hinterließ der Verwaltungschef der Seenplatte bei seinem heutigen Auftritt auf der 3. Schlossbergkonferenz in der Residenzstadt (Strelitzius berichtete). Kärger ist aber Fachmann genug um zu wissen, dass gut Ding auch in diesem Fall Weile haben muss. Immerhin, so war von Stefan Wenzl, Leiter der Abteilung Staatshochbau, Liegenschaften, Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen zu erfahren, will das Land bereits im Sommer dieses Jahres die Beräumung und Rekonstruktion der Schlosskeller-Gewölbe ausschreiben. Europaweit, so will es der Gesetzgeber. Ein Jahr darauf, im Sommer 2021, könnte dann die kontinentale Ausschreibung des Schlossturmbaus folgen.

Es war die erste Teilnahme eines Vertreters des Landes an einer Schlossbergkonferenz und es ist dem stellvertretenden Staatssekretär Wenzl hoch anzurechnen, dass er bis zum Schluss der Tagung im Kulturquartier verblieb. Ganz offensichtlich vorbei die Zeiten, als sich Neustrelitz und Schwerin in Sachen Schlossberg in den Haaren lagen. Jetzt haben beide Seiten einen Vertrag, und Wenzl ließ keinen Zweifel daran, dass er seitens des Landes auch erfüllt wird.

Was nicht heißt, dass alles in Erz gegossen ist. Auf der Konferenz wurde einmal mehr deutlich, dass die in der Übereinkunft favorisierte Stahlbetondecke über dem Keller als Gefahr für die denkmalgeschützte Substanz angesehen wird. Da müssen die Fachleute noch einmal zu Wort kommen, auf keinen Fall soll es aber in eine ideologischen Debatte ausarten.

Hier kommt auch der auf Initiative von Landrat Kärger in Neustrelitz gebildete Schlossberg-Beirat ins Spiel. Er soll nach Aussage von Stadtpräsident Ernst-August von der Wense zeitnah mit den Ergebnissen der Konferenz vertraut gemacht werden und garantieren, dass Neustrelitz, wie auch in Schwerin gefordert, mit einer Stimme spricht.

Stiftung: Veranstaltung rundum gelungen

Seitens der Stiftung Mecklenburg, die mit der Stadtvertretung ins Kulturquartier eingeladen hatte, bezeichnete der Ratsvorsitzende Henry Tesch die Tagung als „rundum gelungen“. Rund 140 Konferenzteilnehmer wurden registriert, das Interesse an der entscheidenden Landmarke von Neustrelitz ist also ungebrochen. Neben den interessanten Vorträgen habe es viele Pausengespräche gegeben, und immer wieder sei die Bereitschaft zum Mitwirken signalisiert worden. „Selbstverständlich werden wir zum 29. Januar 2021 wieder einladen“, blickte Tesch im Gespräch mit Strelitzius voraus.

Anne Meinzenbach vom Haus der Demokratie Weimar machte deutlich, dass in Neustrelitz mit der Mecklenburg-Strelitzer Landesverfassung von 1919 Demokratiegeschichte für ganz Deutschland geschrieben worden ist. Insofern wäre der angedachte Turm der Demokratie auf dem Schlossberg eine würdige und geeignete bauliche Hülle an dem Erinnerungsort.

Stefan Wenzl, Wilhelm von Boddien, Henry Tesch und Helmuth von Maltzahn (von links).

Der Journalist und Autor Heiko Kreft beleuchtete in seinem historischen Vortrag die Zeiten der Sportlehrerausbildung an der sogenannten „Führerschule“ im Neustrelitzer Schloss zur Zeit des Nationalsozialismus. Auch das gehört zur Geschichte der Residenz, kann nicht getilgt werden. Korrespondierend damit hat Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, vorgestern in Frankfurt/Main gesagt: „Wenn wir selbstkritisch zurückblicken, bleibt festzuhalten, dass auch der Sport Schuld auf sich genommen hat. Wir haben uns zu wenig mit diesem beschämenden Teil unserer Geschichte beschäftigt. Dafür möchte ich mich als Präsident stellvertretend in aller Form entschuldigen. Auch wir im Sport tragen große historische Schuld.“

Dürten Fuchs stellte Mecksikon vor, die Kulturguide-App der Stiftung Mecklenburg, in der auch Schloss und Schlossberg Neustrelitz ihren Platz finden können. Bert Balke, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte, sprach zur touristischen Vernetzung und der Bedeutung der Entwicklung von Neustrelitz für die Region.

Virtualisierung braucht Spenden

Holger Wilfarth lässt das Schloss auferstehen.

Holger Wilfarth schließlich, Betreiber des Büros für Nachhaltigkeit in der Residenzstadt, konnte erfreuliche Fortschritte bei der virtuellen Wiederauferstehung des Schlosses vermelden. Das Modell soll bekanntlich auf der Weltausstellung in Dubai präsentiert werden, natürlich nicht primär, um dort einen Investor unter den Scheichs zu finden, wie es der eine oder andere Spatz von Neustrelitzer Dächern pfeift. Fakt ist, Wilfarths ambitioniertes Projekt ist weiter auf Spenden angewiesen, rund 4000 Euro fehlen noch.

Das Schlusswort hatte Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Er plädierte für eine kluge Öffentlichkeitsarbeit. Neustrelitzer Schlossturm und die Sanierung des Kellers seien nicht mehr in Frage zu stellen.