Vincent Kokert (links) stand den Stadtvertretern Rede und Antwort.Fotos: Ralf Milbredt
Die CDU/FDP-Stadtvertreterfraktion hat sich im Landeszentrum für erneuerbare Energien (Leea) mit Vincent Kokert, einem der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke getroffen. Er stellte der Fraktion den Transformationsplan der Stadtwerke vor. „Dabei wurde auf Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen sehr interessant dargestellt, welche Möglichkeiten es gibt, welche Herausforderung damit verbunden sind und was für Neustrelitz keinen Sinn macht“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kommunalpolitiker.
Andreas Grund, Vincent Kokert, Bastian Riesebeck, Sachgebietsleiter Projektentwicklung bei den Stadtwerken, Frank Schmetzke, Raphael Wittenburg, Theta Concepts GmbH, Michael Reinstein, Abteilungsleiter Energievertrieb / Abrechnung und Maximilian Gehrlich, Mitarbeiter Projektentwicklung, beide Stadtwerke (von links).
Die Stadtwerke Neustrelitz haben heute als einer der ersten Versorger in MV im Landeszentrum für erneuerbare Energien ihren vom Gesetzgeber geforderten Transformationsplan hin zu einem klimafreundlichen Wärmenetz bis 2045 präsentiert. Spätestens dann soll die Residenzstadt ohne fossile Energieträger auskommen, CO2-neutral sein. Die Ausgangsbedingungen sind bestens, kommen doch bereits heute durch das Biomasseheizkraftwerk der Stadtwerke rund 70 Prozent der Fernwärme aus erneuerbaren Energien.
Peter Modemann (stellv. Oberbürgermeister von Neubrandenburg, Dirk Biermann (COO von 50Hertz), Staatssekretär Jochen Schulte, Aufsichtsratsvorsitzende Diana Kuhk, Kraftwerksleiter Dennis Reincke, Vizelandrat Torsten Fritz und neu.sw Geschäftsführer Reinhold Hüls (von links) weihten die Power-to-Heat-Anlage gemeinsam ein. Foto: Neubrandenburger Stadtwerke
Die Neubrandenburger Stadtwerke (neu.sw) und der Stromübertragungsnetzbetreiber 50Hertz haben in der Vier-Tore-Stadt die neu gebaute Power-to-Heat-Anlage offiziell eingeweiht. Sie wandelt überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solarenergie in klimaneutrale Wärme um. Für neu.sw und die Stadt Neubrandenburg ist es ein weiterer Schritt auf dem Weg zu grüner Fernwärme.
Die Stromnetze können nicht immer den gesamten erzeugten Ökostrom transportieren, weil sie noch nicht entsprechend ausgebaut sind. In solchen Fällen entstehen Netzengpässe, die zu einer Überlastung der Übertragungsleitungen und somit zu einer Gefährdung des elektrischen Systems führen können. Normalerweise müssen in solchen Situationen Windräder – und in Zukunft vermehrt auch Photovoltaikanlagen – abgeregelt werden. Ihr Potenzial bleibt ausgerechnet dann ungenutzt, wenn viel Wind weht oder die Sonne am wolkenlosen Himmel scheint. Dafür erhalten die Betreiber eine Entschädigung. Mit der Power-to-Heat-Anlage kann dieser überschüssige grüne Strom nun nach dem Motto „Nutzen statt Abregeln“ volkswirtschaftlich und ökologisch sinnvoll noch besser genutzt werden.
Erst abgerufen, wenn gebraucht
Drei jeweils sieben Meter hohe Elektrodenkessel mit einer Leistung von jeweils 10 Megawatt bilden die Kernelemente der Power-to-Heat-Anlage. Sie sind mit Wasser gefüllt, das durch den Strom erhitzt wird. Die damit erzeugte Wärme wird anschließend ins Fernwärmenetz der Stadt geleitet oder im nebenstehenden Kurzzeitwärmespeicher eingelagert und erst dann abgerufen, wenn sie gebraucht wird. Sobald die Power-to-Heat-Anlage anspringt, kann die Leistung des Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerkes (GuD-HKW) reduziert werden und es macht dem Ökostrom Platz. Dadurch werden fossile Brennstoffe, CO2-Emissionen und damit auch Kosten eingespart.
Reinhold Hüls, technischer Geschäftsführer neu.sw: „2017 haben wir die grüne Wärme-Wende in Neubrandenburg eingeleitet. Wir freuen uns sehr, mit der Inbetriebnahme der Power-to-Heat-Anlage den nächsten Schritt gehen zu können. Voraussetzung war zunächst der Bau des Kurzzeitwärmespeichers. Er ist die Basis dafür, dass wir mit der neuen Anlage jetzt auch erneuerbare Energien für das Wärmenetz der Stadt nutzen können. Aus Ökostrom wird Wärme. Damit wird Umweltschutz ganz praktisch greifbar.“
Dr. Dirk Biermann, Chief Operations Officer (COO) von 50Hertz: „In Neubrandenburg nehmen wir die neunte Power-to-Heat-Anlage in unserem Netzgebiet gemeinsam mit regionalen Partnern in Betrieb. Damit stehen unserer Systemführung rund 300 Megawatt elektrische Leistung zur Verfügung, die sie zur Entschärfung von Netzengpässen einsetzen kann. Auch die Region um Neubrandenburg ist gekennzeichnet durch eine hohe Einspeisung von Windenergie. Bereits heute beträgt der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch im Osten Deutschlands über 70 Prozent und er soll auf 100 Prozent ansteigen.“
Jochen Schulte, Staatssekretär für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit, M-V: „Hier in Neubrandenburg wird die Energiewende greifbar. Die innovative Nutzung überschüssiger elektrischer Energie für die Wärmeversorgung trägt nicht nur zur Effizienzsteigerung bei, sondern auch zum Klimaschutz. Diese Anlage zeigt, wie mit modernster Technologie und partnerschaftlicher Zusammenarbeit die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden können – für eine nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung.“
In der Neustrelitzer Seestraße werden Fernwärmeleitungen verlegt.
Neustrelitz wird einen eigenen Weg einschlagen, um bis zum Jahr 2045 ein treibhausneutrales Wärmenetz zu errichten. „Unser Ziel ist es, eines der ersten Stadtwerke zu sein, dass eine Transformationsplanung in die Tat umsetzt“, betonte Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Schmetzke. Ein Transformationsplan zeigt den Weg, wie ein Wärmenetz bis spätestens 2045 treibhausneutral funktionieren kann. Bundes-Fördermittel gab es bereits, um mit der Planung beginnen zu können. Nun haben die Stadtwerke Neustrelitz zu einer ersten Auftaktveranstaltung eingeladen.
Für die Stadtwerke bedeutet die Umsetzung des Transformationsplanes, dass Neustrelitz bis 2045 ohne fossile Energieträger auskommt, um die Stadt mit Wärme zu versorgen. „Ein sportliches Ziel – 2045 ist quasi übermorgen“, weiß auch der Geschäftsführer. „Das schaffen wir nicht allein. Wir benötigen ein klares Signal der Unterstützung seitens der Stadt und der größten Wohnungsvermieter.“ Aus diesem Grund waren zu der Auftaktveranstaltung die Verantwortlichen der neuwo, MWG und GWG sowie der Stadtverwaltung eingeladen.
Die Stadtwerke Neustrelitz planen bis Ende 2023/Anfang 2024 den fertigen Transformationsplan präsentieren zu können. Dazu wurden mit der Energielenker GmbH Experten gefunden, die den Weg bis dahin begleiten. Demnach werde zunächst der Ist-Zustand aufgezeigt, aus dem ein Soll-Zustand für 2045 anhand mehrerer Meilensteine hin zur CO2-Neutralität entwickelt wird.
Dabei befinden sich die Neustrelitzer Stadtwerke bereits jetzt in einer komfortablen Situation. Für ihre Fernwärme kommen unter anderem durch das Biomasseheizkraftwerk rund 70 Prozent aus erneuerbaren Energien. Das ist im Bundesdurchschnitt weit oben. Wohin die Reise geht – bei einem wachsenden Netz und einer steigenden Zahl an Fernwärmekunden – um auch die bestehenden fossilen Energieträger abzulösen, soll am Ende aus dem Transformationsplan hervorgehen.
Vordere Reihe von links: Sascha Steiner, Holger Beyer, Silvio Witt, Stephan Kunkel, Gunnar Wobig, Claudia Ellgoth, Peter Modemann. Zweite Reihe von links: Michael Graß, Dr. Christian Wolff. Foto: Stadt Neubrandenburg
Welche Rolle kann Wasserstoff für den Klimaschutz, die Wärmeversorgung, die Speicherung von Strom und vor allem für die Mobilität spielen? Und unter welchen Bedingungen ist ein Einsatz von Wasserstoff in der Vier-Tore-Stadt und der Region möglich? Diesen und weiteren Fragen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen gewidmet.
Am vergangenen Dienstag wurden im Neubrandenburger Güterbahnhof die Ergebnisse des Abschlussberichts 2023 des HyStarter-Programmes im Beisein von Oberbürgermeister Silvio Witt und Stephan Kunkel von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte sowie Holger Beyer von der IHK Neubrandenburg vor über 70 Teilnehmenden präsentiert.
Ein Jahr lang wurden Perspektiven zur Nutzung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie analysiert und erörtert. In sechs Strategiedialogen sowie zwei öffentlichen Veranstaltungen wurden zugleich mögliche Einsatzfelder und notwendige Infrastrukturentwicklungen diskutiert sowie Umsetzungskonzepte für die Vier-Tore-Stadt und den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte entwickelt.
„Herausgekommen ist eine gemeinsame Vision 2030, um unsere Region H2-ready zu machen“, erklärte Dr. Christian Wolff, Klimaschutzmanager der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg. Über 50 Akteure hatten sich an der gemeinsamen Wasserstoff-Vision 2030 beteiligt, darunter die Stadtwerke Neubrandenburg, Neustrelitz und Waren sowie Neuwoges, Neuwoba, Webasto, Weber und viele mehr.
Die Neubrandenburger Stadtwerke (neu.sw) wollen den Aquiferspeicher in der Bachstraße zu einer Tiefengeothermieanlage umbauen. Der Rückbau des Speichers hat begonnen. Die Planungen für die neue Anlage laufen.
Der Aquiferspeicher versorgte fast 20 Jahre lang zu großen Teilen das Wohngebiet Rostocker Straße mit Wärme. Dafür wurde die im Sommer überschüssige Wärme aus dem Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk (GuD) in die unterirdischen Gesteinsschichten eingespeichert, um sie im Winter zu nutzen.
Durch die Modernisierung des Kraftwerkes und die Errichtung des Kurzzeitwärmespeichers sowie weiterer langfristig geplanter Investitionen in die Wärmeerzeugung, wird künftig keine überschüssige Wärme mehr produziert werden. Der Aquiferspeicher wird also nicht mehr benötigt. neu.sw nutzt deshalb die beiden bereits vorhandenen bis zu 1.300 Meter tiefen Bohrungen für die Errichtung einer Geothermieanlage. Das ca. 55°C warme Tiefenwasser ist dann über Wärmepumpen für das zentrale Fernwärmenetz verwendbar.
Etwa zehn Prozent des durchschnittlichen Fernwärmebedarfs der Stadt können so gedeckt werden. Damit kann dann nicht nur das Wohngebiet Rostocker Straße versorgt werden, sondern darüber hinaus auch Wärme in das übrige Fernwärmenetz der Stadt fließen.
Im vergangenen Jahr wurden die drei Elektrodenkessel für die Power-to-Heat-Anlage in Neubrandenburg geliefert. Inzwischen sind sie eingebaut. Jetzt sollen sie Namen bekommen. Foto: Neubrandenburger Stadtwerke
Der Bau der Power-to-Heat-Anlage der Neubrandenburger Stadtwerke (neu.sw) kommt voran. Ende des Jahres soll sie in Betrieb gehen und Windstrom in Wärme umwandeln. Herzstück der Anlage in der Warliner Straße sind drei Elektrodenkessel – und weil die so wichtig sind, sollen sie Namen bekommen.
neu.sw ruft deshalb im Rahmen eines Wettbewerbs zu Namensvorschlägen auf. Die dürfen gern auch einen Dreiklang bilden, schließlich werden die Kessel zu dritt dafür arbeiten, den Anteil erneuerbarer Energien im Wärmesektor zu erhöhen. Die Elektrodenkessel sind jeweils sieben Meter hoch und mit leitfähigem Wasser gefüllt, das später durch Strom aus erneuerbaren Energien (Wind- und Sonnenkraft) erhitzt wird. Auf diese Weise können zum Beispiel rund 30 Windkraftanlagen weiterlaufen, die heute noch abgeschaltet werden müssen, wenn das Verteilnetz den Strom nicht mehr aufnehmen kann. Die dank der Power-to-Heat-Technologie gewonnene Wärme wird entweder direkt ins Fernwärmenetz der Stadt geleitet oder im Wärmespeicher eingelagert und erst dann abgerufen, wenn sie gebraucht wird.
Die Akteure beim Auftakttreffen kommunale Wärmeplanung.
Eine kommunale Wärmeplanung bildet die Grundlage, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen. Sie ist das zentrale Instrument und die Planungsgrundlage für eine klimaneutrale Stadtentwicklung und für das Erreichen des klimafreundlichen Gebäudebestands innerhalb des Stadtgebietes. Unter Einbeziehung der wesentlichen städtischen Akteure, Entscheidungsträger sowie externer Fachleute hat die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg nun mit der Erarbeitung einer Strategie für die künftige Versorgung mit klimaneutraler Wärmeversorgung begonnen.
Um Projektanforderungen zu ermitteln und den Projektfahrplan aufzustellen, sind die wesentlichen Akteure – bestehend aus der Neubrandenburger Stadtwerke GmbH (neu.sw), der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH (Neuwoges), der Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft eG (Neuwoba), dem Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer – Verein Neubrandenburg e. V. sowie den Ausschussvorsitzenden des Stadtentwicklungsausschusses und Umweltausschusses – zu einem Auftakttreffen zusammengekommen.
Das Vorgehen in der Vier-Tore-Stadt
Im ersten Schritt wird die Ausgangssituation in der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg erfasst. Dazu werden Kennzahlen zu Wärmeverbrauch und Gebäudeeffizienz für das gesamte Stadtgebiet erhoben.
Im nächsten Schritt sollen zahlreiche Potenzialanalysen – mitunter Geothermie, Solarthermie, Großwärmepumpen, Wärmespeicher – aufzeigen, wie die Anpassung der Netzstruktur und Umstellung des bestehenden Netzes fossilfrei aber auch wirtschaftlich gelingen kann.
Von zentralem Interesse ist dabei, welche Formen erneuerbarer Energien für die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg genutzt werden können, welche Flächen dafür benötigt werden, wie Wohn- und Gewerbegebäude zukünftig klimaneutral versorgt werden und wie die Wärmeversorgung in den Gebieten gestaltet wird, die nicht an das zentrale städtische Fernwärmenetz angeschlossen sind.
Bis zum Ende dieses Jahres soll ein sogenannter Transformationsplan vorliegen, der detailliert aufzeigt, wie die Umrüstung zu nachhaltigen aber trotzdem wirtschaftlichen Energieträgern sukzessive gelingen kann.
Neubrandenburg erhält 400.000 Euro Fördermittel vom Bund
Zur Finanzierung dieser Machbarkeitsstudien hat die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg als eine der ersten Städte Deutschlands einen Förderbescheid des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz erhalten, um einen Transformationsplan für die kommunale Wärmeplanung der Stadt zu erstellen.
Diese Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt die Umstellung bestehender Wärmenetze auf erneuerbare Energien und Abwärme. Sie umfasst Fördermittel in Höhe von 400.000 Euro. Das Budget wird um 400.000 Euro Eigenmittel ergänzt, so dass für diese Phase insgesamt 800.000 Euro zur Verfügung stehen.
Der Transformationsplan ist Vorrausetzung, um sich in der Folge auf weitere, höher dotierte, Fördermittel des Bundes zu bewerben.