„Voller Ehrfurcht“ denkt Gerhard Schneider an den vergangenen Sonnabend zurück. Der Krümmeler Künstler hatte an den Nebelsee eingeladen, um Besuchern eigene Zeichnungen nach dem Hörstück „Under Milkwood“ des walisischen Dichters und Schriftstellers Dylan Thomas nahe zu bringen (Strelitzius berichtete). Ein Kommen, Ansehen, Zuhören, miteinander reden bei herrlichem Herbstwetter.
Die Ausstellung ist aufgebaut, die Kirche österlich geschmückt. Ab dem heutigen Gründonnerstag ist das Gotteshaus von 9 bis18 Uhr geöffnet.Ende Mai, Anfang Juni soll es eine Finissage geben, mehr dazu demnächst hier im Blog.
Gerhard Schneider aus Krümmel ist meinen Lesern spätestens seit den „Gedanken eines alten Mannes“ kein Unbekannter mehr. Ich weiß es zu schätzen, dass er mich und damit alle Mitglieder der Strelitzius-Gemeinde an seinen Überlegungen zum Zeitgeschehen teilhaben lässt. Zum Jahresbeginn hat der Maler, einst an der Spitze der Bürgerinitiative „Freier Himmel“, erneut einen illustrierten Aufsatz verfasst.
Und einmal mehr spricht er mir mit seinen Gedanken aus der Seele. Keine Frage, dass ich Schneiders Zuschrift mit den besten Wüschen 2024 für meinen Blogfreund veröffentliche. Erst recht an einem Tag, wo ich fassungslos erfahre, dass angeblich zwei Drittel der Deutschen Kriegsminister Boris Pistorius lieber zum Bundeskanzler hätten als Olaf Scholz. Wenn auch aus einem Blatt, dass es nur online schafft zu mir durchzudringen.
Gedanken zur Zeit
BÜRGER Nichts bessres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, Wenn hinten, weit in der Türkei, Die Völker aufeinander schlagen. Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten; Dann kehrt man abends froh nach Haus Und segnet Fried und Friedenszeiten.
ZWEITER BÜRGER Ach ja Herr Nachbar, ja, so lass ich’s auch geschehn: Sie mögen sich die Köpfe spalten, Mag alles durcheinandergehn: Doch nur zu Hause bleibts beim alten! (Goethe, Faust I, vor dem Tor)
Goethes Worte gingen mir durch den Kopf, als ich heute meinen Morgentee trank. „Ruhig, zufrieden mit der Welt“ die TAZ las. Denkste! Ich fand die Leserbriefe auf ein Essay von Funke/von der Schulenburg (30.12.23) zum russischen Ukrainekrieg. Die Reaktionen hatte ich erwartet. Der perfekte, voll ausgebildete Beißreflex. Schon beim ersten Lesen des Essays war mir klar, was der Text auslöst. Das war gewiss dem Redakteur bewusst, der diesen Text in die Zeitung aufnahm, denke ich.
Was glauben denn die Briefeschreiber? Glauben sie ernsthaft daran, dass ihre Antwort den Krieg auch nur um eine Sekunde verkürzt? Ihre Gegenrede und Fürworte, wie Baseballschläger auf die anderen schlagend. Wenn jeder jedem, der anders tickt, Lüge oder intellektuellen Abstieg unterstellt, dient das nicht der Wahrheitsfindung. Nichts wird dadurch wahrer, nichts, kein Deut!
Wahr ist, dass in der Ukraine und in Gaza Menschen sterben, täglich, auch in der Minute, in der ich diesen Text schreibe. Wir lesen von „Game changer“, das klingt so harmlos wie die Auswechselung eines Feldspielers. Wir können das „Nachdenken“ über die Atombombe für Deutschland lesen, heute 3.1.24 in der „Süddeutschen“. Lesen im „Spiegel“, dass wohl in naher Zukunft auch deutsche Soldaten gegen Russland kämpfen könnten. Klartext: in den Krieg ziehen und getötet werden könnten. Eine Weihnachtsbotschaft anderer Art.“ Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, bei den Menschen seines Wohlgefallens“. Das war Heiligabend gegen 15 Uhr in der überfüllten Kirche, und das reicht?! Es reicht eben nicht!
Ein gutes neues Jahr wünscht allen Lesern der Strelitzius-Gemeinde mein Blogfreund Gerhard Schneider aus Krümmel. Er macht auf die Abendandacht in der Dorfkirche seines Heimatortes am kommenden Sonnabend, 6. Januar, aufmerksam. Als Gast kommt der Neuruppiner Chor Chorisma. Um 19 Uhr ist Beginn.
Der Maler Schneider hat gleich noch einen Stimmungsaufheller mitgeschickt. „Auch wenn es draußen regnet, über den Wolken scheint die Sonne“, schreibt er zu seinem unten stehenden Bild. Herzliche Grüße zurück nach Krümmel.