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Unsere Nummer 1 in Misdroy: das Restaurant „Kredens“.
Die „Willa Lazur“

An sechs Abenden in sechs verschiedenen Restaurants essen, das kommt nur im Urlaub vor. Wir waren, wie bereits berichtet, eine Woche in Misdroy an der polnischen Ostsee. Eigentlich sollte es ja diesmal an die deutsche Küste gehen, aber die horrenden Preise haben uns dann doch wieder in das von uns bevorzugte Revier zwischen Swinemünde und Ustka gelangen lassen. So kam es auch nicht zum Wiedersehen mit Schlafzimmermöbeln, die wir vor 26 Jahren angeschafft und vor 15 Jahren an Bedürftige abgegeben hatten. Die gleichen Betten und Schränke begegneten uns nun 2021 in einer Hotelwerbung.

Wir waren einmal mehr mit unserer Wahl zufrieden. Die Orte bei uns nebenan legen eine rasante Entwicklung hin und haben, ich schreibe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge, die deutsche Konkurrenz quasi vor der Haustür klar abgehängt. Erstmals sind wir in eine von booking-com mit „Fabelhaft“ bewertete Pension gezogen. Die „Willa Lazur“, eine Straße hinter der Promenade und 150 Meter vom Strand entfernt, hat von mir zwar nur ein „Sehr gut“ bekommen, aber das Zimmer 6 (Superior) zumindest kann ich ebenso wärmstens empfehlen wie das Frühstück um die Ecke im „Hotel Bielik“. Die wenigen Minuspunkte sind Jammern auf hohem Niveau bei einem Preis, der nur rund halb so hoch war wie vergleichsweise an Mecklenburg-Vorpommerns Gestade.

Auf unserer Restaurantliste ziemlich oben stand das „Café Melba“ im ruhigeren westlichen Teil der Strandpromenade. Hier wird „Reiseküche“ offeriert vom „Salat Jerusalem“ bis zum Tex-Mex-Rindfleisch „El Paso“. Dazu gibt es unvergleichlich große Schalen mit Kaffee in Barista-Qualität und schwarzen Zubrowka. Die Ohrensessel in dem stylischen Laden sind ebenso klasse wie die Blümchentapete, und vor der Tür laden Lounge-Möbel zum Leutegucken ein. Den besten Caipirinha gibt es übrigens auch im „Melba“, sagt die Holde nach diversen Verkostungen.

Gleich nebenan an der Promenade schaffte es das „La Spezia“ in unsere persönliche Hitliste. In polnischen Restaurants muss man vorsichtig sein hinsichtlich der Mengen. So kann eine Vorspeise schnell den Umfang eines Hauptgerichts haben und umgekehrt. Im „La Spezia“ habe ich, aus Erfahrung klug geworden, erst einen exzellenten Bigos (Krauteintopf) gegessen und mir dann noch hausgemachte Kartoffelpuffer mit Räucherlachs auf Frischkäse kommen lassen. Draußen sitzt man unter alten Bäumen ebenso schön wie in den anheimelnden Innenräumen.

Achtung bei Vorspeise und Hauptgang!

In der Innenstadt hat zuvor das „Restaurant Carmen“ bei uns gepunktet, wo abends nicht ohne Grund die Post abgeht. Zurück zu Vorspeise und Hauptgang: Noch unbedarft, hatte ich beides gleichzeitig geordert, und nach dem von mir sehr geliebten Zurek (saure Mehlsuppe mit Wurst und Ei) war ich eigentlich schon satt. Trotzdem konnte ich mich dem Kuskus mit Steinpilzen nicht entziehen und anschließend vor lauter Leibesfülle nicht leben und nicht sterben. So muss es einem angepiksten Torero gehen, um mal bei „Carmen“ zu bleiben. Lecker war es trotzdem.

Ein bisschen suchen muss man das „Restaurant Kredens“ in der 1000-lecia Państwa Polskiego 3, aber hat man es erst gefunden, ist man auch schnell begeistert. Für uns die Adresse Nummer 1 in Misdroy, urgemütlich gelegen in einem ruhigen Grünbereich direkt hinter dem zentralen Teil der Promenade unweit der Mole. Meine eheliche Grünzeugspezialistin stieß hier mit dem „Salat Kredens“ auf Spitzenklasse, und mein Heilbutt an Ofenkartoffeln trieb mir auch die Mundwinkel mächtig nach oben. Dazu sehr gepflegte Getränke.

Apropos suchen: Ganz am östlichen Ende der Strandpromenade, wenn man schon denkt, das war es, findet sich noch das „Restaurant Port“. Von Hafen ist weit und breit nichts zu sehen, aber Fischesser sind hier vermutlich trotzdem in ihrem Element. Zumindest herrscht erheblicher Andrang. Gesessen wird in und vor urigem Gemäuer bis hinein in die Düne, überall mit Meerblick. Der ist im baumbestandenen Misdroj sonst selten, da muss man schon auf den Strand oder die Mole. Das „Port“ steht im nächsten Urlaub auf dem Programm. Und hinter dem Restaurant, ehemalige Seenotrettungsstation, reiht sich Fischkneipe an Fischkneipe, immer mit großen Räucheröfen im Dauerbetrieb zur Seite. Echt, Leute, solche Fischmengen und solche Vielfalt habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen!

Für den Jahresurlaub im September haben wir uns einmal mehr im Hafen von Ustka im Speicher-Hotel „Armada“ einquartiert. Sicherlich gibt es nach ein paar Jahren Pause wieder jede Menge Neues zu entdecken und zu berichten. Wir freuen uns drauf.

Der Tresen im „Melba“: gut sortierte Bar mit integrierter Eistheke und Tortenschrank.