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Sprechen Sie Chinesisch? Nein? Ich auch nicht. Deshalb kann ich auch nicht den Fragebogen ausfüllen. Der ist mir nämlich in Chinesisch in den Mailkasten geflattert. Der Absender will damit seine Servicequalität verbessern und bittet mich um Mitwirkung. Die ich ihm auch gern gewähren würde. Wenn ich denn des Chinesischen mächtig wäre.

Wobei ich dem Online-Unternehmen Pierrebuy.de so einiges zu sagen hätte. Auf dieses bin ich nämlich in Sachen Service nicht so gut zu sprechen. Mein Chinesisch reicht zumindest aus um behaupten zu können, dass hier von einem China-Shop schon im Firmenamen unter fremder Flagge gesegelt wird. Nur wenige Stunden nach meiner Bestellung mehrerer Paar Schuhe war es bereits zu spät. Kein Telefon, extrem gut getarntes Impressum mit irgendeinem Sitz in London, nur eine Mailadresse. Schon im dritten Anlauf meinerseits tags darauf endlich die im holprigen Deutsch gestellte Frage von bedienung@pierrebuy.de, warum ich denn stornieren wolle. Und man entschuldige sich für die „Unannehmlichkeit“. Wobei meine durchaus plausible Aussage, dass sich die Situation in meinem Schuhregal unerwartet verändert habe und die Bedarfslücke geschlossen sei, ohne Reaktion blieb.

Fünf Wochen später

Dann fünf Wochen nichts mehr, bevor die erste Schuhsendung offenbar per Schiff aus dem Reich der Mitte eintraf. Eine Woche später folgte die nächste, und nach nur sieben Wochen hatte ich die komplette Kollektion im Haus, natürlich sämtlich zu klein. Eine ganze Armada muss da aufgeboten worden sein, um fünf Paar Schuhe anzulanden. In Fragen Rücksendeadresse verstand der angemailte und angechattete Bediener nun lange gar kein Deutsch mehr, Englisch übrigens auch nicht. Ich habe ihm Bestellnummern geschickt, Bilder von den Schuhen, es folgte regelmäßig die Nachfrage, welche Schuhe ich denn nun zurücksenden wolle. Das roch erneut nach Methode.

Zwischendurch gab man sich auf der anderen Seite der Leitung besorgt: Ob ich mir die Rücksendung gut überlegt hätte, das könnte ganz schön teuer werden. Doch, ich hatte, und nach zähem Ringen hielt ich tatsächlich drei umfängliche Rücksendeadressen irgendwelcher Schuhmacher im großen China in Händen. Leider werde ich die Geschichte nicht zu Ende erzählen können. In meiner Postfiliale wurde mir zwar noch der Päckchenpreis mitgeteilt, drei Mal sechs Euro. Aber man dürfe gegenwärtig keine Päckchen nach China befördern. Häh?

Gleich nach Ostern werde ich die Treter bei ebay per Kleinanzeige verkaufen. Ich mache mir da keine Sorgen, die Teile sind bildschön und von bester Qualität, der Preis für Leder und handgenäht mehr als annehmbar. Sämtlich Größe 44, ungetragen, Interessenten können sich auch jetzt schon bei mir melden.

Jetzt muss ich nur noch den lästigen täglichen Newsletter von Pierrebuy loswerden. Ich habe ihn gefühlt ein dutzend Mal abbestellt, dem Spam zugewiesen, der Aggressor scheint resistent. Eigentlich wirklich schade, dass ich kein Chinesisch kann. So habe ich es wenigstens in Deutsch aufgeschrieben. Nach rund 50 Mails an den Online-Shop, der Server steht wohl in Kanada, bin ich künftig schlauer.

https://www.verbraucherschutz.com/warnungsticker/pierrebuy-de-onlineshop-fuer-taschen-und-schuhe-ihre-erfahrung/