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Im vorletzten Vortrag der Reihe „Das Haus Mecklenburg-Strelitz und die Fürstengruft: von Regenten, Kavalieren und starken Frauen“ stellt Sandra Lembke am morgigen Freitag, den 31. Januar, im Mirower 3 Königinnen Palais ein weiteres großherzogliches Paar vor. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Für die Strelitzius-Leser gibt es wie gewohnt eine exklusive Vorschau.

Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz (1819-1904) und seine Gattin Augusta Caroline (1822-1916) prägten ihr kleines Land über mehrere Jahrzehnte. Beide kannten sich bereits von Kindesbeinen an, waren sie doch Cousin und Cousine ersten Grades. Anders als in adligen Kreisen der damaligen Zeit üblich, wurde die Eheschließung des Paares aber nicht über den Kopf hinweg arrangiert. Friedrich Wilhelm und seine Auserwählte waren tatsächlich ineinander verliebt, als sie in London vor den Traualtar schritten. Dabei hätte die damals knapp 21-jährige Augusta Caroline, Tochter des britischen Herzogs von Cambridge, problemlos einen anderen Ehepartner finden können. Die Prinzessin galt als besonders gute Partie. König George III. und die aus Mirow stammende Königin Sophie Charlotte waren ihre Großeltern gewesen, Queen Victoria zählte zu ihren Cousinen. Zeitlebens sollte Augusta Caroline sehr stolz auf ihre Herkunft sein und sich mit Vorliebe als „Prinzessin von Großbritannien, Irland und Hannover“ präsentieren.

Ausgedehnte Aufenthalte in London

Schon ab 1843, dem Jahr der Hochzeit, wehte im Neustrelitzer Schloss ein etwas anderer Wind. Augusta Caroline brachte den englischen Lebensstil in die Residenzstadt und ihr Ehemann Friedrich Wilhelm passte sich den britischen Gepflogenheiten nur zu gern an. Das Paar plauderte und korrespondierte oft in englischer Sprache und genoss bei ausgedehnten Aufenthalten in London das gesellschaftliche Leben bei Hofe und in der Stadt.  In königlichen Prozessionen blieben aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehungen und des damit verbundenen Ranges immer bevorzugte Plätze für den Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz reserviert.

Großbritannien gehörte im 19. Jahrhundert zu den fortschrittlichsten Ländern der Welt. Die industrielle Revolution hatte viele technische Neuerungen mit sich gebracht und zudem konnten ständig bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckungen verzeichnet werden. Das Großherzogspaar sog diese Eindrücke bei ihren England-Besuchen begierig auf. Als Friedrich Wilhelm im September 1860 den Strelitzer Thron bestieg, wurde allerdings schnell offenbar, dass er sich der Politik und den Ansichten seines Vaters verpflichtet fühlte. Im Großherzogtum sollten daher moderne Ideen nur zögerlich Einzug halten. Friedrich Wilhelms Name ist jedoch unter anderem eng mit der weiteren Verbesserung der Infrastruktur des Landes verbunden – in seine Regierungszeit fällt etwa der Bau verschiedener Eisenbahnstrecken. Ebenso kümmerte sich der als geizig verschriene Regent intensiv um die Staatsfinanzen, tilgte Schulden und häufte zugleich ein großes Vermögen an.

Krieg isoliert Augusta Caroline

In den fast 61 Jahren ihrer Ehe trotzten Friedrich Wilhelm und Augusta Caroline den politischen Entwicklungen ihrer Zeit, aber auch Schicksalsschlägen, Krankheit und familiären Problemen. Dennoch hielt das Paar immer an seiner England-Liebe fest und besuchte regelmäßig die „zweite Heimat“ – bis das Alter seinen Tribut zollte. Später sorgte der Erste Weltkrieg dafür, dass die nunmehr Großherzoginwitwe Augusta Caroline von ihrem Heimatland isoliert wurde und nur noch Briefkontakte aufrechterhalten bzw. vereinzelt Besuche von Landsleuten empfangen konnte. Trotzdem richtete sie als Patriotin noch auf dem Sterbebett einen berührenden Gruß an den britischen König.

„Auch für diesen Vortrag habe ich viele Originalquellen gesucht, entdeckt, entziffert, in Reinschrift gebracht und teilweise übersetzt. Dabei stoße ich im In- und Ausland stets auf sehr unterschiedliche, aber hochinteressante Materialien und freue mich, nun in Mirow die daraus gewonnenen Informationen präsentieren zu können“, schreibt mir meine Blogfreundin Sandra Lembke. Wie üblich, warte auch wieder eine kleine Überraschung auf die Vortragsbesucher. Das Finale der Vortragsreihe ist für den 28. Februar geplant.