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Der Tag hat im Wesenberger Eigenheim heute ein bisschen ärgerlich begonnen. Da betreibt man nun Kunst am Bau, und zumindest einer nimmt sie nicht zur Kenntnis. Der hat mir einen Zettel in den Briefkasten gesteckt mit der Aufforderung, ich möchte doch bitte Letzteren mit meinem Namen beschriften oder zumindest an der Klingel meine Anonymität aufheben. Sonst könne er künftig für nichts mehr garantieren.

Ich kann mich noch gut an meine Bauherrenzeit vor zwanzig Jahren erinnern, als ich, inspiriert von Fred Feuerstein, wochenlang auf der Suche nach einem Findling mit einer ebenen Seite war. Als ich den hatte, war es für mich mäßig begabten Heimwerker echt ein Akt, darauf eine Platte mit meinem Namen festzuschrauben. Ein ganzes Sortiment an Bohrern segnete dabei das Zeitliche.

Freundliche Menschen meinten danach, ich hätte mir schon vor meinem Abtreten ein Denkmal gesetzt. Andere sprachen weniger nett von einem Grabstein. Halloween-Terroristen versuchten ihn sogar umzustürzen, als ich mal zur Süßigkeitenrunde nicht zu Hause war und folglich auch nicht zu Tür kommen konnte. Das halte ich alles aus, da stehe ich drüber.

Aber nun wird mein Werk einfach übersehen, wozu es immerhin zwei Jahrzehnte brauchte. Ich könnte ja jetzt einen dieser Mini-Bagger kommen lassen und den Findling direkt unter meinen Briefkasten setzen, an dem es auf edlem Stahl übrigens keine Vorrichtung für ein Namensschild gibt. Wie auch nicht an der ins Gemäuer eingelassenen Klingel. Oder so ein Stück Pflaster beschriften und aufkleben, wie es Leute tun, die da, wo sie sich betten, nicht lange liegen wollen.

Vielleicht aber richtet sich der Blick meines offenbar neuen Zustellers oder meiner neuen Zustellerin doch noch zehn Zentimeter nach links vom Grundstückszugang. Und ist die Sichtachse zu fixiert: Die Nummer 11 an der Hauswand direkt neben dem Briefkasten und über der Klingel, das bin ich auch.