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Bahnhof, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Mirow, Startsignal

So ganz genau können Geschäftsführerin Anna Doss und Bürgermeister Henry Tesch heute gar nicht mehr sagen, wann aus einem Gedanken ein gemeinsamer Traum wurde. Fest steht nur: Schon seit vielen Jahren waren sich beide einig, dass der historische Mirower Bahnhof ein neues Leben verdient hat. Am gestrigen Montag hat es nun das offizielle Startsignal für das Vorhaben gegeben.
„Nach und nach haben wir uns getraut, es immer wieder zu erwähnen und andere mit dieser Idee anzustecken“, erinnern sich Anna Doss und Henry Tesch. Ganz einfach war das zunächst nicht. „Die Begeisterung hielt sich, vornehm ausgedrückt, in Grenzen“, sagt der Bürgermeister schmunzelnd. Doch die beiden ließen nicht locker. „Irgendwann merkte man schon, dass grundsätzliches Interesse da war“, erinnert sich Anna Doss. Aus einem Gedanken wurde eine Idee – und aus der Idee allmählich ein konkretes Vorhaben. Die entscheidende Frage lautete: Wie bekommt man ein solches Projekt auf die Schiene?
Trägerin des Vorhabens
Gemeinsam mit Kämmerer Andreas Franz vom Amt Mecklenburgische Kleinseenplatte entwickelten Anna Doss und Henry Tesch schließlich den Weg, der heute Wirklichkeit wird: Die Wohnungsbaugesellschaft Mirow, deren alleinige Gesellschafterin die Stadt Mirow ist, sollte Trägerin des Vorhabens werden.
Die Stadtvertretung Mirow und der Beirat der Wohnungsbaugesellschaft stellten sich hinter das Projekt. Damit war die Grundlage geschaffen für die nachhaltige Reaktivierung des historischen Bahnhofsgebäudes – mit Sanierung, Umbau und neuer Nutzung, energetischer Aufwertung und vor allem mit einer langfristigen Perspektive für das markante Gebäude mit rund 2.400 Quadratmetern Nutzfläche.
Ein besonderer Moment folgte im März 2023: Nach Vermittlung durch Bürgermeister Henry Tesch konnte die Wohnungsbaugesellschaft den Bahnhof von der ENON erwerben – für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro. Was auf dem Papier so einfach klingt, erforderte anschließend viel Geduld. Trotz des großen Engagements aller Beteiligten dauerte es bis November 2025, ehe die Eigentumsübertragung an die Wohnungsbaugesellschaft abgeschlossen werden konnte.
Das kann sich sehen lassen
Am 7. September 2026 erfolgte dann der offizielle Startschuss für das Vorhaben. Und was hier entstehen soll, kann sich sehen lassen: Sechs Wohnungen, fünf Gewerbeeinheiten und die neuen eigenen Geschäftsräume der Wohnungsbaugesellschaft werden künftig im Bahnhof Platz finden. Gleichzeitig soll das gesamte Bahnhofsumfeld aufgewertet und belebt werden. Rund 50 Pkw-Stellplätze sind ebenfalls vorgesehen.
Insgesamt investiert die Wohnungsbaugesellschaft rund 5,94 Millionen Euro in das Vorhaben. Eine Förderzusage des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) über 152.478 Euro liegt bereits vor.
Dass eine Sanierung unmittelbar an einer weiterhin genutzten Bahnstrecke besondere Anforderungen stellt, wissen alle Beteiligten. Architektin Kerstin Heller und die leitende Planerin Anke Hartmann vom Architekturbüro Heller begleiten das anspruchsvolle Vorhaben. „Es ist spannend, macht Freude und ist eine Ehre, hier mitwirken zu können“, sagt Kerstin Heller. Gleichzeitig bringe ein solches historisches Gebäude immer wieder Überraschungen mit sich: „Gefühlt kommt jeden Tag eine neue Herausforderung ans Licht.“
Das bestätigt auch Diplomingenieur Frank Brechler, Eisenbahnbetriebsleiter Bau der REGIO INFRA NORD-OST GmbH & Co. KG. Er überbrachte zugleich die Grüße von Geschäftsführer Dr. Ralf Böhme und sagte dem Projekt seine Unterstützung zu. Gerade bei Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe der Bahn müsse frühzeitig erkannt werden, wo Bahnbelange berührt werden oder besondere Vorschriften zu beachten sind.
Planungen breit aufgestellt
Auch die weiteren Fachplanungen sind breit aufgestellt. Unter anderem bringen Laura Duwe von der Ingenieurgemeinschaft für Tragwerksplanung und Thomas Hillenhagen vom Ingenieurbüro Heizung Lüftung Sanitär ihre Expertise ein. Aufsichtsratsvorsitzender Frank Thederan hebt besonders die Arbeit innerhalb der Wohnungsbaugesellschaft hervor: „Die Mannschaft um Geschäftsführerin Anna Doss leistet eine hervorragende Arbeit.“ Sein besonderer Dank gilt dabei auch Prokuristin Anja Serjogin.
Für Anna Doss und Henry Tesch ist der Baustart aber noch aus einem anderen Grund ein besonderer Moment. Denn nun wird sichtbar, dass es sich lohnen kann, an einer Idee festzuhalten – selbst wenn sie am Anfang ein wenig verrückt klingt. Aus einem Bahnhof, dessen Zukunft lange ungewiss war, soll wieder ein lebendiger Ort werden: zum Wohnen und Arbeiten, für Gewerbe und Begegnung – und als sichtbares Zeichen dafür, dass historische Gebäude nicht nur Vergangenheit bewahren, sondern Zukunft bekommen können.
Tag der offenen Tür
Und deshalb soll der Bahnhof schon bald seine Türen für alle Neugierigen öffnen: „Nächster Halt: Zukunft“ heißt es am 13. November 2026 von 12 bis 16 Uhr beim Tag der offenen Tür im Mirower Bahnhof. Anna Doss, Kerstin Heller und Henry Tesch laden gemeinsam dazu ein, den Bahnhof und die Pläne für seine Zukunft kennenzulernen. Für Unterhaltung und das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.
