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Als jahrelanger Nutzer einer Rheinsberger Muckibude kann ich mir ein fachmännisches Urteil erlauben. Der Besuch von Fitnessstudios wird gemeinhin überschätzt. Schon mit wesentlich geringerem Aufwand kann man eine ganzheitliche Kräftigung seines Bodys erreichen. Empfohlene Sportstätte: der Husarenmarkt in Neustrelitz.

Als mein Einkaufswagen zum Blumenladen abbiegen wollte, ich aber nicht, habe ich das Ausmaß der Trainigseinheit noch nicht erahnt. Den Eingang zum Kaufland habe ich dann auch mühelos genommen. Zugegeben, fast hätte ich den DVD-Ständer abgeräumt, aber mit ein bisschen Schenkeldruck gegen mein störrisches Gefährt bei gleichzeitiger Verdrehung der Wirbelsäule gelang es mir Kurs zu halten. Da war der Wagen noch leer, so dass auch Tütensoßen und Brühwürfel trotz des nicht unerheblichen Rechtsdralls des Fahrwerks unbesucht blieben.

Bei Obst und Gemüse stand mir dann die erste Schweißperle auf der Stirn, und ich hatte so ein Ziehen in den Unterarmen. Fahren Sie mal Slalom, wenn es die Einkaufshilfe auch will, nur selbstbestimmt. Die Kollision mit der Dame vor der Kartoffelstiege beschränkte sich glücklicherweise auf unser beider Wagen. Auf den Austausch unserer Adressen zwecks Inanspruchnahme meiner Versicherung haben wir im gegenseitigen Einverständnis verzichtet.

Irgendwie ist es mir auch noch gelungen, nicht direkt in die Kühltheken hineinzufahren. Da war aber schon ein Maximum an Körperbeherrschung gefragt und meine Knie wurden immer weicher. Eine besondere Herausforderung stellt auch ohne Lenkprobleme die Brötchengasse dar. Denn hier muss der Einkäufer mit der einen Hand die Klappe aufhalten, mit der zweiten die Tüte und mit der dritten die Zange zum Objekt der Begierde führen. Wer hier nicht jede seiner Muskelgruppen im Griff hat, kann nur scheitern.

Eine weitere Trainingshürde lauerte kurz vor Schluss. Kaufland hatte zur Feier meiner Fitnessbemühungen Bier im Angebot. Die aufgeladene Kiste brachte meinen Wagen völlig aus der Spur, so dass ich erst im zweiten Anlauf die Zieleinfahrt an der Kasse traf.

Und noch immer kein Ende der körperlichen Ertüchtigung. Auf dem Rückweg meinte die besch… Karre, noch im Handy-Laden vorbeischauen zu wollen und offensichtlich beim Optiker eine neue Brille zu brauchen. Letztlich erwies sich der asphaltierte Weg zu meinem Auto dann auch noch als angeschrägt, voll kompatibel mit dem Eigensinn des Einkaufswagens. Von den Hacken bis zur Halsmuskulatur wurde noch einmal der ganze Körper regelrecht durchgewalkt beim permanenten Verhindern von Abstürzen.

Taumelnd habe ich es doch noch bis zur Kofferklappe geschafft. Das im Studio obligatorische Pulsmessen habe ich weggelassen. Sonst hätte ich wohl gleich zur Rettungsstelle durchfahren müssen. Und wäre vermutlich nicht einmal mehr dort angekommen.