Im Rahmen der Reihe „Dem Antisemitismus die Stirn bieten“ des Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern liest der Historiker Benet Lehmann am Mittwoch, den 21. Mai, um 19 Uhr, im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz aus seinem Buch „Esthers Spuren“.
Im ersten Halbjahr 2024 wurden in Mecklenburg-Vorpommern deutlich mehr antisemitische Straftaten im Kriminalpolizeilichen Meldedienst der Politisch motivierten Kriminalität (KPMD-PMK) erfasst: Bislang wurden insgesamt 69 entsprechende Sachverhalte festgestellt, im Vorjahreszeitraum waren es 33 Taten.
„In diesem Jahr hat sich der Anschlag der Terrorgruppe Hamas gegen Israel und die folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost zum ersten Mal gejährt. Vor diesem Hintergrund müssen wir leider feststellen, dass Menschen in Mecklenburg-Vorpommern dies zum Anlass für Hass und Hetze gegen Jüdinnen und Juden im Allgemeinen genommen haben“, sagt Innenminister Christian Pegel. In 42 Fällen, aus den 69 Straftaten, konnten insgesamt 46 Tatverdächtige ermittelt werden. Nur eine Person von diesen wies eine nicht deutsche Staatsangehörigkeit auf.
In der Nacht auf den heutigen Dienstag wurden im Neubrandenburger Katharinenviertel antisemitische Flugblätter verteilt. Ein aufmerksamer Hinweisgeber informierte das Polizeihauptrevier Neubrandenburg kurz nach 1 Uhr über mehrere, an parkende Fahrzeugen angebrachte Zettel. Im Rahmen des ausgelösten Einsatzes wurden insgesamt 48 DIN-A4-Ausdrucke festgestellt. Inhaltlich bedienen die Flugblätter diverse Vorurteile gegenüber der jüdischen Gemeinde und verweisen auf Websites mit weiteren Verschwörungstheorien.
Sämtliche Flugblätter wurden beschlagnahmt und ein Strafverfahren gegen Unbekannt aufgrund des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen, die weiteren Ermittlungen werden durch die Kriminalpolizeiinspektion Neubrandenburg geführt. Zeugen, welche Beobachtungen zum Sachverhalt gemacht haben, werden gebeten, sich im Polizeihauptrevier Neubrandenburg (0395-5582 5224), jeder anderen Polizeidienststelle oder über die Online-Wache (www.polizei.mvnet.de) zu melden.
Mit einer unmissverständlichen politischen Botschaft zum israelisch-palästinensischen Konflikt ist der Kulturkosmos Verein im Vorfeld des diesjährigen Fusion Festivals in Lärz vom 26. bis zum 30. Juni an die Öffentlichkeit gegangen. „Wir erwarten von allen Fusionist:innen, Artists und Crews, dass sie die Grundprinzipien des Fusion Festivals respektieren! Fusion bedeutet, dass verschiedenste Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammenkommen und willkommen sind. Auch bei kontroversen Themen geht es darum, in gegenseitigem Respekt Differenzen entweder temporär zu überwinden oder die Meinung anderer auch einfach mal stehen zu lassen und auszuhalten“, so die Festivalmacher in ihrem jüngsten Newsletter.
Es werde auf dieser Fusion mehr als jemals zuvor Menschen mit krass verschiedenen Positionen geben. Dies zu akzeptieren sei die Voraussetzung, „dass wir nebeneinander und miteinander feiern und tanzen können. Wir wollen, dass die Fusion ein geschützter Raum ist, gleichermaßen für Jüd:innenn und Muslim:innen, Palästinenser:innen und Israelis, in dem es keinen Platz für Antisemitismus, antimuslimischen sowie andere Formen von Rassismus gibt.“
Im Rahmen seiner Lesereise durch Mecklenburg-Vorpommern wird der Journalist Ronan Steinke am Mittwoch, den 22. November, um 18.30 Uhr, im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz aus seinen Büchern „Antisemitismus in der Sprache. Warum es auf die Wortwahl ankommt.“ (2022) und „Terror gegen Juden. Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt. Eine Anklage“ (2020) lesen. Ronan Steinke wird erzählen, wie er als Jude in Deutschland lebt und möchte nach der Lesung mit den Gästen ins Gespräch kommen. Der Journalist schreibt für die Süddeutsche Zeitung und setzt sich u.a. mit dem Thema Antisemitismus in Deutschland auseinander. Moderiert wird die Veranstaltung von Nikolaus Voss, dem Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus in MV.