Schlagwörter

, , , , ,

Im April waren in der Seenplatte 520 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im März. Insgesamt 10 346. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,0 Prozent. Im Vergleich zum April des Vorjahres sind es 1911 Arbeitslose weniger.

Der Neubrandenburger Arbeitsagenturchef Thomas Besse: „Eigentlich wären die Arbeitsmarktzahlen aus dem April ein Grund zur Freude. Denn unter dem Eindruck der Frühjahrsbelebung sinkt die Arbeitslosigkeit, die Beschäftigung steigt und die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist weiterhin hoch. Eigentlich: Wäre da nicht der Krieg in der Ukraine, der mich zutiefst erschüttert und bei mir die Sorgen angesichts der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung wachsen lässt. Denn in der Seenplatte gibt es einige Unternehmen, die mit Russland und der Ukraine Handelsbeziehungen pflegen. Die Auswirkungen des Krieges auf den Arbeitsmarkt in der Seenplatte sind noch gering. Wir beobachten die möglichen Folgen aber sehr genau.“

Derzeit – sagte Besse – lassen sich die Auswirkungen für unseren Landkreis noch nicht einschätzen. Durch strapazierte Lieferketten für Materialien und steigende Herstellungs- und Energiepreise ist vor allem das produzierende Gewerbe und der Bau von den Auswirkungen des Kriegs betroffen. Insbesondere auf diese Unternehmen wächst der Druck. „Hier droht, dass Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen, weil Materialien fehlen oder Projekte wegen der rasant steigenden Preise storniert werden“, befürchtet der Arbeitsagenturchef.

Flüchtlinge treffen auf aufnahmebereiten Arbeitsmarkt

„Geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer suchten derzeit in der Regel erst einmal humanitäre Hilfe“, sagte Besse: „Für sie, die ihr Heimatland fluchtartig verlassen mussten, geht es nachvollziehbar erst einmal um Schutz und Sicherheit und eine gute Versorgung ihrer Kinder. Wenn die geflüchteten Menschen so weit sind und hier arbeiten möchten“, betonte Besse, „treffen sie in unserem Landkreis auf einen aufnahmefähigen Arbeitsmarkt. Unsere Arbeitgeberservice-Teams haben über 3 200 offene Stellen registriert, pro Monat kommen 400 bis 600 hinzu. Und wir brauchen demografisch bedingt Zuwanderung, um den Fachkräftebedarf zu decken.“ 

Jobmesse in Waren für Geflüchtete

Besse betonte: „Die Geflüchteten nehmen anderen sicher keine Arbeitsplätze weg. Das war auch bei der Flüchtlingskrise 2014/2015 nicht der Fall. Deshalb ist es wichtig, diese Menschen professionell zum Arbeitsmarkt zu beraten und zu überlegen, wie ihre Abschlüsse anerkannt werden können und welche Möglichkeiten zur Erweiterung ihrer Sprachkenntnisse bestehen“. Um Unternehmen und Menschen – die in der Mecklenburgischen Seenplatte Schutz gefunden haben – zusammenbringen, veranstaltet die Neubrandenburger Arbeitsagentur gemeinsam mit Unternehmen und Organisationen am 4. Mai von 10 bis 15 Uhr in Waren (Müritz) im Bürgersaal eine Jobmesse für Geflüchtete. Die in ihrer Art erste Berufs- und Ausbildungsmesse ist ein Gemeinschaftsprojekt in der Seenplatte und soll Geflüchteten mit Bleibeperspektive die Stellen- und Ausbildungsplatzsuche erleichtern. Die 28 teilnehmenden Unternehmen kommen aus unterschiedlichen Branchen wie Industrie, Handel, Verkehr/Schifffahrt, Pflege, IT-Bereich sowie dem Hotel- und Gastgewerbe. Ideengeber ist der Geschäftsführer des Hotel Amsee in Waren (Müritz) Hannes Thies

Ohne Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit noch einmal deutlich höher. Im April wurde für 685 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt – 105 weniger als im März. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im November 2021 insgesamt 918 Mitarbeitende aus 205 Unternehmen in Kurzarbeit.