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Das Wort „sensationell“ ist in meinem Wortschatz ganz hinten geparkt, weil es nur dem sehr Besonderen vorbehalten ist, eben dem, was einem nicht jeden Tag begegnet. Im wahrsten Sinn des Wortes. Heute aber muss ich es mal hervorkramen und Sebastian Fitzek für sein neuestes Buch „Der erste letzte Tag“ verleihen. Weitere Würdigungen dürften nicht lange auf sich warten lassen, aber vielleicht liege ich ja zumindest im vorderen Feld der Laudatoren.

Nachbar und Freund Peter hat mir Krimi-Fan das Buch mit dem Untertitel „Kein Thriller“ ins Haus gebracht, und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Fitzek einer der Größten, wenn nicht der Größte in der aktuellen deutschen Literaturszene ist, dann ist es jetzt belegt. Denn Fitzek kann beeindruckend mehr als Thriller, und das vor lauter Pandemie auch noch nebenbei, wie aus dem Nachwort des Schriftstellers hervorgeht. Drei Abende, dann war das Buch verschlungen, in dem mit Lea und Livius zwei gänzlich unterschiedliche Menschen, vom Schicksal zusammengeführt, sich mit dem Leihwagen auf die Fahrt von München nach Hamburg machen und Dinge tun, als wäre es der letzte Tag ihres Lebens.

Ich bin ob der Komik aus dem Lachen nicht herausgekommen, schräger geht es nicht, und am Ende sind mir vor lauter Dramatik die Tränen in die Augen geraten. Die zum Finale auf einem Grabstein stehende Handynummer habe ich nicht angerufen. Wobei ich mit Lea im Jenseits gern ein Wort gewechselt hätte. Mit Livius im Diesseits übrigens auch.

Vielleicht wartet stattdessen der Autor am anderen Ende der Leitung auf Rezensionen. Lieber Herr Fitzek, ich schreibe es hier nieder: „Der erste letzte Tag“ ist nicht nur sensationell, die Story ist geradezu genial. Ihr virtuoser Umgang mit unser beider Muttersprache macht mich darüber hinaus vielleicht nicht sprachlos, sonst könnte ich diese Zeilen nicht schreiben. Aber ich ziehe respektvoll und als Schreiberling nicht ohne Neid den Hut und wünsche Ihnen die eine oder andere Auszeit mehr für derartige „Nebenprodukte“. Natürlich freue ich mich nach Ihrem düsteren „Heimweg“, den ich an dieser Stelle schon empfohlen habe, auch auf Ihren nächsten Thriller.