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43950407_2036468689707186_8750655051355127808_oDie Neustrelitzer Autorin und Historikerin Sandra Lembke hat mir die Ankündigung ihres nächsten Vortrags für kommenden Freitag um 19 Uhr im 3 Königinnen Palais in Mirow geschickt. „Ich werde verschiedene Aspekte von Gesundheit und Krankheit in medizinisch noch düsteren Zeiten beleuchten. Dazu gehören beispielsweise die Lebensbedingungen der Menschen in England und Mecklenburg-Strelitz im 18. und im beginnenden 19. Jahrhundert“, teilt meine Blogfreundin mit.

Ebenso können die Zuhörer erfahren, wie sich Volk und Adel gesund zu halten versuchten und welche Ärzte in dieser Zeit bahnbrechende Entdeckungen machten, welche auch Königin Sophie Charlotte und ihre Familie sogleich für sich nutzten. „Dem Titel der Vortragsreihe verpflichtet, werde ich natürlich insbesondere auf die medizinische Versorgung von Frauen eingehen, die während Schwangerschaft und Geburt doch wirklich in vielen Fällen sehr zu leiden hatten“, so die Neustrelitzerin. Wie immer, gewährt sie der Strelitzius-Gemeinde eine exklusive Vorschau.

Auch Ärzte lebten gefährlich

Kranksein ist auch heute noch eine unangenehme Angelegenheit. Doch während wir einen ausgebildeten Arzt aufsuchen und wirksame Medikamente aus der Apotheke holen können, verfügten die Menschen damals im Krankheitsfall noch über keine vorbildliche Versorgung. Schon eine simple Erkältung bedeutete für viele Leute den sicheren Tod. Infektionen aller Art konnten sich rasend schnell ausbreiten, da noch niemand etwas von hygienischen Maßnahmen gehört hatte. Der Patient siechte trotz aufopferungsvoller Pflege dahin, und die für diese Aufgabe bestimmten Familienangehörigen und Krankenwärterinnen oftmals gleich mit.

Das nötige Wissen über Ansteckungswege war nicht vorhanden, eher machte man üble Dünste für Geißeln wie die Cholera verantwortlich. Wer das Pech hatte, eine Operation wagen zu müssen, der machte vorher am besten sein Testament – und das wohl nicht nur als Patient. Denn auch die Ärzte der damaligen Zeit lebten gefährlich: da eine Narkose nicht üblich war, musste ein Doktor schnell zu Werke gehen, um den in der Regel lauthals schreienden und um sich schlagenden Patienten medizinisch zu versorgen.

Vor Einlieferung Beerdigung bezahlen

Es gab britische Ärzte, denen nachgesagt wurde, dass sie ein Bein in weniger als einer Minute zu amputieren vermochten. Oft genug verletzten sich die Mediziner aber dabei selbst an ihren scharfen Instrumenten und starben kurz darauf an einer Sepsis. Den Patienten drohte aufgrund des auch in medizinischen Einrichtungen stets vorhandenen Schmutzes zumeist das gleiche Schicksal – nicht umsonst musste man im 18. Jahrhundert in englischen Hospitälern schon bei der Einlieferung die Gebühr für die eigene Beerdigung im Voraus entrichten.

Manche Mediziner waren zudem gar nicht oder nur rudimentär ausgebildet. Sie zogen über das Land und versorgten vor allem das gutgläubige Volk, das gern den letzten Groschen hergab, um sich von quälenden Zahnschmerzen oder der Gicht befreien zu lassen. „Ich bin der Doktor Eisenbart, kurier‘ die Leut‘ auf meine Art“ sangen bereits zu Lebzeiten der britischen Königin Sophie Charlotte die Göttinger Studenten und nahmen somit die „Arbeit“ von Kurpfuschern und Quacksalbern aufs Korn. Ähnlich wie der Doktor Eisenbart, der laut Liedtext Blinde gehend und Lahme sehend machen konnte, versprachen diese vermeintlichen  Ärzte Heilung von allen Gebrechen und wandten zu diesem Zwecke äußerst fragwürdige Methoden an. Wohl dem, der schwächenden Aderlässen, dubiosen Brechmitteln, giftigen Kräutlein, ekelerregenden Tinkturen oder dem Magnetismus entfliehen konnte!

Wie immer ist für eine kleine Überraschung gesorgt, verspricht Sandra Lembke. „Aber keine Angst, bittere Pillen oder widerliche Gebräue wird an diesem Abend niemand schlucken müssen.“