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Die Grüneberg-Orgel in der Neustrelitzer Stadtkirche wird am kommenden Sonntag erklingen. Foto: Sandra Lembke

Einige Löffel deutsche Orgelmusik des Barock, mehrere Gramm Gesänge aus der Zeit der Klassik und Romantik sowie eine Prise Töne aus Großbritannien – fertig ist das Rezept für das nächste Konzert im Rahmen des Grüneberg-Orgelsommers, das am Sonntag, den 19. August, um 17 Uhr, in der Neustrelitzer Stadtkirche zu Gehör gebracht wird. Ausführende sind die Rostocker Sopranistin Felizia Frenzel und der Neustrelitzer KMD Hans-Jürgen Küsel (Orgel). Meine Blogfreundin Sandra Lembke versorgt die Strelitzius-Gemeinde dankenswerterweise mit einer ausführlichen Vorschau. Das geschieht nicht ganz zufällig, ist doch die Lieblingskönigin der Neustrelitzer Historikerin und Autorin, die in Mirow als Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz geborene Queen Sophie Charlotte, ins Konzertprogramm „verstrickt“.

Felizia Frenzel. Foto: Moritz Darmstadt

Die Sängerin Felizia Frenzel, die in der Rostocker St. Johannis-Kantorei bzw. im bekannten Motettenchor wirkte und unter anderem als Solistin im Rahmen der Greifswalder Bachwoche glänzte, wird in Neustrelitz nun Werke von Joseph Haydn, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johann Sebastian Bach sowie einzelne Sätze aus Georg Friedrich Händels „Gloria“ vorstellen. Die letztgenannte Komposition wurde erst im Jahr 2000 in der Bibliothek der Londoner Royal Academy of Music entdeckt und konnte nach umfassenden Untersuchungen eindeutig Händel zugeordnet werden. Das „Gloria“ wurde vor einigen Jahren im Rahmen eines Stadtkirchen-Konzertes erstmals in der Residenzstadt aufgeführt, zählt also zu den selten gespielten musikalischen Leckerbissen.

Nicht nur daher lohnt sich der Besuch des Konzertes – die Zuhörer können sich ebenso wieder auf eine Neustrelitzer Erstaufführung freuen. KMD Hans-Jürgen Küsel hat mit dem „Cornet Voluntary III“ diesmal ein Werk des britischen Komponisten und Musikhistorikers Charles Burney ausgewählt. Der 1726 geborene Meister lernte bei dem berühmten Tonsetzer Thomas Arne – dessen „Rule Britannia“ als „inoffizielle“ Nationalhymne Großbritanniens gilt – und wirkte unter anderem als Organist und Musiklehrer.

Als Komponist hat er vor allem Werke für Cembalo und Orgel, aber auch für Violine, Flöte sowie Soli und Chor hinterlassen. Bekannt wurde Burney, dem 1769 von der Universität Oxford der Grad eines Doktors der Musik verliehen wurde, insbesondere durch seine musikhistorischen Schriften: er bereiste den Kontinent und verfasste zwei Bücher, in denen er den Stand der Musik in den jeweiligen Ländern unter die Lupe nahm. Im Rahmen seiner Recherchen traf Burney mit berühmten Kollegen wie Wolfang Amadeus Mozart, Carl Philipp Emmanuel Bach und Christoph Willibald Gluck zusammen. Als Burneys Hauptwerk gilt seine vierbändige „A general history of music“.

Hoffnungen erfüllen sich nicht

Der Name des Komponisten findet sich auch im Zusammenhang mit der „King’s Band of Music“, einer Hofkapelle, die in Diensten des Königs George III. stand. In den Hofkalendern wird Charles Burney als Mitglied aufgeführt. Als 1786 der Leiter der Kapelle verstarb, machte sich der Musikhistoriker Hoffnungen auf die Amtsnachfolge. Doch Charles Burney wurde enttäuscht – nicht er erhielt in dieser Zeit einen begehrten Posten, sondern seine Tochter Fanny. Diese hatte sich bereits einen Namen als Romanschriftstellerin gemacht. Fanny Burney wurde also im Sommer 1786 als Ankleiderin in den Haushalt der britischen Königin Sophie Charlotte berufen und war der Queen somit so nah wie kaum eine andere Zeitgenossin.

Ihren Aufzeichnungen verdanken wir einen tiefen Einblick in den Alltag der einstigen Strelitzer Prinzessin. Charles Burney besuchte seine ihm treu ergebene Tochter regelmäßig bei Hofe, ahnte jedoch wohl lange nichts von ihrer Unzufriedenheit. Denn Fanny, die Schriftstellerin, hatte schon ein ungutes Gefühl, als sie ihren Dienst bei der Königin antrat. Diesen quittierte sie im Jahre 1791 – aus gesundheitlichen Gründen, aber auch, weil sie ihre literarische Arbeit nicht mehr wie gewohnt fortsetzen konnte. Fanny Burney erhielt nach ihrer Kündigung jedoch noch lange eine Jahrespension von Sophie Charlotte, die es der Autorin erlaubte, ihrer Profession ohne große Existenzsorgen nachzugehen.

Neben dem reizenden Voluntary von Charles Burney werden im Konzert auch Orgelwerke von Kellner, Krebs und Böhm erklingen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.