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Jugendmedienfest, Latücht, Mecklenburgische Seenplatte, Neubrandenburg

Klar ist es anders, wenn man sich statt online „live“ sieht und persönlich trifft. In diesem Jahr herrschte bei den landesweiten Wettbewerben des Neubrandenburger Jugendmedienfests an allen drei Tagen im „Latücht“ viel Trubel. Und natürlich Jubel bei der Preisverleihung am Freitagabend.
Zur Eröffnung am Mittwoch, 14. Juni, betonte Holm-Henning Freier als Geschäftsführer des veranstaltenden Vereins „Latücht – Film&Medien e.V.“ seine Freude, dass es jetzt „wieder richtig los gehe“ und die 28. Ausgabe des Jugendmedienfestes in Präsenz stattfinden könne. „Und dies bei einer recht hohen Zahl an Einreichungen. “
Von den insgesamt 70 Einreichungen gingen beim Radiowettbewerb „Freisprecher“, der in den Händen vom Kooperationspartner Mediatop Neubrandenburg lag, 14 Beiträge an den Start. Für die aus drei Experten bestehende Jury, unterstützt von Publikumsbewertungen, war die Auswahl recht schwer. So gab es zwei 3. Plätze mit der Honorierung einer digitalen Musikproduktion von David Aderhold aus Neubrandenburg und dem Podcast „Irgendwas mit Medien“ vom RAA MV, Klappe auf (jeweils 50 Euro Preisgeld). „Das Rempliner Schlossgespenst“ war das erste selbst produzierte Hörspiel von Schülern und Lehrern der Rempliner Schule und kam laut Jury für die tolle Idee, spannende Story und witzigen Charakteren auf den 2. Platz (150 Preisgeld). Angesichts der Liebe zum Detail vergab die Jury den Sieg als bester „Freisprecher“ an das DRK-Bildungszentrum Teterow für das Hörspiel „Der kleine Wassertropfen“, belohnt mit 250 Euro. Die Preisgelder für den Radiowettbewerb stiftete die Medienanstalt MV.
Extra ins „Latücht“ kamen am Donnerstag zum landesweiten Schulvideowettbewerb zahlreiche Teilnehmer angereist. Unter ihnen auch Vertreter der Anklamer Kleeblattschule, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt für geistige Entwicklung. Mit „Ein Tag in der 7 b“ dokumentierten die Schüler ihren Klassenalltag und erhielten für ihren lustigen Film urkundlich eine lobende Erwähnung. Lobenswert erwähnt wurde von der Jury ebenfalls das Musikvideo „Lorbeer“ der Jenaplanschule Rostock. Die Klasse „Marie Curie“ 9/10 setzte sich mit dem Auf und Ab psychischer Erkrankungen auseinander. Eine weitere lobenswerte Erwähnung ging an die Förderschule Wolgast. Ein Großteil der Schülerschaft hatte gemeinsam das Musikvideo „An diesem Ort“ produziert, in dem sie trotz ihrer schweren Einschränkungen mit viel Spaß Einblick in ihren Alltag geben.
Am überzeugendsten fanden die Fachleute der Jury im Schulvideowettbewerb die tolle Darstellung der Tiere als Schnittfiguren und entsprechender Komik. Der Trickfilm „Die Wächter der guten Welt“ wurde im Röbeler „Dat Röwelsche Görnhus“ erstellt und kam im „Latücht“ auf die Siegertreppe (500 Euro Preisgeld).
Um das Thema „Come Out“ ging es im Musikvideo der Werkstattschule Rostock. Die Gruppe „Obstsalat“ fordert mit ihrem Beitrag zur Diskussion auf und wurde mit dem 2. Platz belohnt (250 Euro Preisgeld). Gepunktet hat mit einer sehr guten Ton- und Schnittebene der Experimentalfilm „Fucked Generation“ der Klasse Hans Fallada 9/10 aus der Rostocker Jenaplanschule. Die Belohnung ist der 3. Preis (150 Euro Preisgeld).
Fast 40 Einreichungen im Videowettbewerb
Der letzte Tag beim Neubrandenburger Jugendmedienfest ist traditionell dem landesweiten Jugendvideowettbewerb vorbehalten. Mit fast 40 Einreichungen war schon vorab die Auswahl schwierig und auch der Wettbewerb für „Die große Klappe“ hatte es dann mit 32 Filmen in sich. Gleich zwei lobende Erwähnungen konnte die Videogruppe Nerdbeben mit nach Rostock nehmen. Einmal für die gelungenen Parallelmontage „Flühlingslolle“, die mit den Vorurteilen von Menschen verschiedener Herkunft spielt. Weiterhin beeindruckten sie die Jury mit ihren 24 witzigen Ideen, die sich in ihrem Spielfilm „24 fahrende Türchen“ öffneten.
Die Hagenower Sophie-Medienwerkstatt zeigt in ihrem Film laut Juryeinschätzung den Hass in der Gesellschaft über eine ganz besondere bildliche Darstellung. „Color me too” beschreibt Gewalttaten und geht visuell in Formen und Farben auf, die dem Zuschauer Raum für seine eigenen Gefühle lassen. Dafür erhielten die Hagenower den 3. Preis, benannt „Der spitze Stachel“ (200 Euro Preisgeld). Für Hollywood mit Augenzwinkern, so die Jury, geht „Das dritte Auge“ und damit der 2. Preis (250 Euro Preisgeld) an die Medienwerkstatt Wismar. Visuell eindrucksvoll und handwerklich überzeugend hatten die Macher den rasanten Krimi „Twentyfourseven“ auf das Wesentliche runtergebrochen und durchaus mit Ironie auf das Genre geblickt.
Die große Klappe hatten die Filmemacher von „Malika“ vorab nicht. Die Videogruppe Dreamteam aus Güstrow und die Neubrandenburger Medienwerkstatt vom „Latücht“ nahmen sich in ihrem Film über ein in der Schule gemobbtes Mädchen Zeit für Emotionen, ohne plakativ zu sein. Beeindruckt zeigte sich die Jury ebenfalls von der schauspielerischen Leistung, der Dramaturgie und ästhetischen Umsetzung. Als Auszeichnung gab es „Die große Klappe“ verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 500 Euro.
„Echt gut“
Alle Teilnehmer erhielten Teilnehmerurkunden, so auch der 16-jährige Neubrandenburger Leonard Schnell. Auch wenn sein Beitrag „Die rätselhaften Kugeln“ nicht prämiert wurde, fand er die öffentliche Präsentation eigener Filme und den Austausch in Filmgesprächen danach „echt gut“.
Für gute Stimmung sorgte ebenfalls das Rahmenprogramm beim 28. Neubrandenburger Jugendmedienfest mit dem Angebot von Workshops, Filmdiskussionen im Rahmen der Wettbewerbe und abends frei zugänglich thematisch passenden Filmen. Und die Stimmung bei der Preisverleihung und abschließenden „Dankeparty“ am Freitagabend war verbunden mit der Vorfreude auf das 29. Neubrandenburger Jugendmedienfest im kommenden Jahr.

