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Sandra Lembke schlüpft gern einmal in historische Gewänder, wie hier auf der Mirower Schlossinsel. Da hat sie ihr Lieblingsporträt von Queen Sophie Charlotte nachempfunden. Foto: Dr. Susanne Bocher

Im Zeichen von „Königspastete und Schusterstippe“ steht alles am kommenden Donnerstag, den 23. August, um 19 Uhr, in der Neustrelitzer Buchhandlung Wilke. Die Neustrelitzer Autorin Sandra Lembke wird aus ihrem Ende 2017 erschienenen, gleichnamigen Buch (Strelitzius berichtete) lesen und damit unter anderem ihre historischen Küchenexperimente vorstellen.

Die Residenzstädterin ist dafür bekannt, dass sie nicht nur in Archiven recherchiert und ihre Forschungsergebnisse in verschiedenen Publikationen zusammenträgt, sondern dass sie Geschichte mit Haut und Haar lebt. Davon zeugen nicht nur ihre Mirower Vorträge, die stilecht in nachgeschneiderten Kleidern der jeweils beleuchteten Epoche gehalten werden und bei denen auch schon einmal wohlriechender Marschalls-Puder nach einem originalen Rezept aus dem 18. Jahrhundert zubereitet wird. Auch für „Königspastete und Schusterstippe“ hat Sandra Lembke Zubereitungsvorschriften aus uralten Büchern und Originaldokumenten zu Rate gezogen, diese teilweise vom Englischen ins Deutsche übertragen und für die heutige Zeit aufgearbeitet.

Denn, was vielen nicht bekannt ist: Die Köche früherer Jahrhunderte zeichneten die meisten Rezepte ohne Mengenangaben und erforderliche Garzeiten auf. Sind doch nähere Informationen zu finden, dann handelt es sich um alte Maßeinheiten, die erst umgerechnet werden müssen, und die Garzeiten sind in der Regel auf das Kochen über offenem Feuer abgestimmt.

Für ihr Buch hat Sandra Lembke also in die Rezepte-Kiste von königlichen Starköchen, Hof-Traiteurs und Kochbuchautorinnen der letzten Jahrhunderte gegriffen. Einige Vorschriften entstammen sogar britischen Archiven in Windsor und Bath, wo sie teilweise noch als handschriftliches Originaldokument ihrer neuerlichen Zubereitung harrten.

Natürlich alles verkostet

Rund ein Jahr lang hat die Autorin gebrutzelt, gedünstet, gebacken und vor allem – alles für ihre Leserinnen und Leser verkostet. Das Spektrum der Köstlichkeiten reichte vom „Hecht á la Chambord“, der der Prinzessin Friederike von Mecklenburg-Strelitz bei ihrer zweiten Hochzeitsfeier mit dem Herzog von Cumberland in England serviert wurde, über eine Polenta mit höllisch scharfer Brühe, wie sie sich Friedrich der Große gern münden ließ bis hin zu einem Kartoffelbrot, wie es im Haushalt von König George III. und seiner Gattin Sophie Charlotte auf den Tisch kam.

Und auch beim Trinken ging es außergewöhnlich zu: königliches Barley Water, militärische Sanitätsbowle oder der bei den Besuchern der Mirower Vortragsreihe äußerst beliebte „Prince of Wales-Punsch“ wurden zubereitet und ebenfalls einem Geschmackstest unterzogen. Neben unzähligen Gerichten und Getränken der Höfe von England, Hannover und Mecklenburg-Strelitz bietet das Buch auch erprobte Rezepte aus der Küche des Volkes.

Kulinarische Biografien dürfen nicht fehlen

Ebenso erzählt Sandra Lembke in „Königspastete und Schusterstippe“ die kulinarischen Biografien der Menschen, die sich die vorgenannten Gerichte und Getränke schmecken ließen. Da treffen Friedrich der Große und der irische Gelehrte Thomas Nugent auf die Tafeln der Mecklenburg-Strelitzer Herzogsfamilie, und die aus Mirow stammende Königin Sophie Charlotte und ihr Gatte George III. sorgen mit ihrer frugalen Kost für Spott, während ihr erstgeborener Sohn, der spätere George IV., sich einen stolzen Bauchumfang von fast 1,40 Meter anfuttert. Gleichzeitig berichtet die Autorin von hungernden Neustrelitzern im 18. Jahrhundert, der fragwürdigen Küchenhygiene unserer Vorfahren oder Lebensmittelverfälschungen, mit denen sich nicht nur das einfache Volk herumschlagen musste. Der Eintritt für die mit Sicherheit ebenso amüsante wie interessante Lesung beträgt fünf Euro.