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Es war für mich wie ein Déjà-vu. 2008 hat sich der Sexualstraftäter Frank Hertel von mir in seiner „Mustang Bar“ in Useriner Mühle ablichten lassen. Der Anfang vom Ende des Untergetauchten in Freiheit. Hertel sitzt nach Aufspürung und Auslieferung wegen jahrelangen Missbrauchs seiner Tochter Heather in den USA lebenslang hinter Gittern.

Sieben Jahr später streckt Hertels Vater Wolfgang an gleicher Stelle in Useriner Mühle das Gesicht in die Kamera und verspricht wie einst der Sohn goldene Zeiten. Der Mann, der gewusst haben muss, welche schlimmen Vergehen die amerikanische Justiz Frank Hertel vorwirft. Der Mann, der die Vergewaltigung der eigenen Enkelin billigend in Kauf genommen haben muss. Der Mann, der dem Pädophilen zur Flucht aus den USA, zum Unterschlupf in Deutschland und zu einer falschen Identität verholfen haben muss.

Folgt man dem Internet und liest sich durch Quellen von Kanada bis zur Schweiz, so wird man schnell auch zu Wolfgang Hertel fündig, zuletzt in Albanien ansässig. Betrug in Millionenhöhe, internationale Haftbefehle, dubiose Firmengründungen, zum Teil auch unter dem Namen Frank Hertel, während sich Sohn Frank für sein Leben in Deutschland mal eben von Bruder Markus Namen und Identität ausgeborgt hatte. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Nun ist Wolfgang Hertel mit 78 Jahren also wieder in Deutschland, und da hierzulande nichts so geschützt ist wie Eigentum, gibt er ein Interview vor seiner Useriner Mühle. Ich konnte es nicht fassen, als sich Hertel Senior wieder hier blicken ließ und hatte vor ein paar Monaten bei der Polizei angefragt, ob das denn mit rechten Dingen zugehe. Tatsächlich liegt gegen den Mann in Deutschland nichts vor.

Als Strelitzer bin ich alles andere als froh, jetzt einen Mitbürger Wolfgang Hertel zu haben. Man darf gespannt sein, ob seinen vollmundigen Versprechungen Taten folgen. Immerhin lässt er ja unter dem Druck der Behörden die Brandstätte in Useriner Mühle beräumen. Angeblich soll dort ein wissenschaftliches Institut gebaut werden. Allein, mir fehlt der Glaube, dass aus dem Saulus noch ein Paulus wird. Auf jeden Fall sollte in allen geschäftlichen Kontakten mit ihm äußerste Vorsicht gelten und jede seiner Äußerungen gründlich hinterfragt werden.

Inzwischen hat Hertel übrigens schon wieder Ärger mit den Behörden, wie ich erfahren habe. Sein Bauantrag, in Useriner Mühle ein Eigenheim zu errichten, ist nämlich vom Landkreis mit Verweis auf den Außenbereich abgelehnt worden. Was Hertel nicht davon abgehalten hat, auf dem Grundstück bereits Tiefbauarbeiten durchführen zu lassen und in Größenordnungen Bäume zu fällen. Dafür muss er sich jetzt verantworten.

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