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Europa kann ganz schön zusammenwachsen. Bei einem Strandspaziergang von Swinemünde nach Ahlbeck hätten wir heute die deutsch-polnische Grenze fast nicht wahrgenommen. Zum Glück hatte Ahlbeck ein Schild in den Sand gerammt, auf dem der Beginn des Hundestrandes markiert war und darauf hingewiesen wurde, dass das Betreten des Strandes generell abgabenpflichtig ist.

Spätestens an der Ahlbecker Seebrücke, wo bei schönstem Sonnenschein die Außenstühle hoch gestapelt waren, anstatt Gäste zum Platznehmen zu verführen, waren wir uns dann aber sicher, in Deutschland zu sein. Das wäre einem polnischen Gastronomen bestimmt nicht passiert. Eher noch die Saltzkartoffel mit tz, die gleich neben der Seebrücke angeboten wurde.

Retour ging es dann über die längste Seepromenade Europas zwischen Bansin und Swinemünde, an deren äußerstem Ende auf polnischer Seite sich unser Interferie Medical Spa befindet. Noch einmal ein paar hundert Meter, und die Insel Usedom endet an der Swine. Das noch so gut wie neuwertige Hotel hat sich in den Tagen unseres Aufenthaltes Bestnoten verdient und ist wohl nicht von ungefähr seit Bestehen mehrfach ausgezeichnet worden, darunter als Hotel des Jahres 2013 in der Spa-Kategorie. Mit seinen gut 300 Zimmern mag es dem einen oder anderen zu groß sein, auch wir haben es gern eine Nummer kleiner, aber dafür vereint es auch alle denkbaren Leistungen auf großzügigste Weise unter einem Dach.

Die Vorsaison ist mit Sicherheit eine gute Zeit, hierher zu kommen. Und von Strelitz über Neubrandenburg und Anklam ist es fast ein Katzensprung auf die Insel. Auch das soll kein Geheimnis sein: Wir haben für die fünf Übernachtungen mit Halbpension und Tiefgarage lediglich 485 Euro berappt.

Wir werden zurückkehren und hoffen, dass das Haus dann nicht einen wichtigen Trumpf verloren hat. Noch ist es, mit dem tollen Kurpark von Swinemünde im Rücken und einem rund 250 Meter breiten Waldgürtel zur Seite, wohltuend abgeschirmt vom touristischen Rummel. Allerdings lässt die nagelneue Aleja Interferie, die gegenüber zum 100 Meter entfernten Strand führt, Zuwachs befürchten. Die Prachtstraße ist bestimmt nicht gebaut worden, um das Strandcafé als einzigen Anlieger zu haben. Übrigens das stylischste Café, in dem wir bislang unseren Latte getrunken haben. Und das hat bei der starken Konkurrenz in Polen schon etwas zu bedeuten. Unbedingt besuchen!

Auf der anderen Seite des Grünschutzes entsteht momentan mit EU-Mitteln der größte Hotel-, Appartement- und Gastronomiekomplex an der ganzen Ostseeküste. Die Eröffnung des Baltic Parks wird im Zeitaum zwischen 2016 und 2017 stattfinden. Ein Blick in die gigantische Baugrube verrät, dass danach vieles hier anders sein wird und vielleicht nicht alles besser. Parallel entsteht in Swinemündes Innenstadt ein großes Einkaufszentrum. Das wiederum kann die boomende Stadt unbedingt gebrauchen.

Übrigens ist auf der Promenade dann doch die Grenze zwischen Polen und Deutschland gekennzeichnet. Und das auf eine ganz entspannte Weise. Ein Weg durch die Düne zum Strand ist bewusst so gelegt, dass die Grenzlinie gleich mehrfach überschritten wird. Eine gute Botschaft.

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