„Nach der begeisternden Doppel-Premiere der Deutschen Tanzkompanie im Juni sind auch die beiden „CAMILLE – Ein getanzter Moment“-Vorstellungen in der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch bereits ausverkauft. Karten gibt es nur noch für die letzte Vorstellung am 10. August um 17 Uhr.
Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Damit endete der Zweite Weltkrieg in Europa und das nationalsozialistische Terrorregime in Deutschland. „Nach 1000 Jahren im Mai“ ist eine szenische Collage von Ute Frings, Nikolaus Merck und Thomas Möckel über die Stunde Null, als das Land in Trümmern lag.
In den Räumen der historischen Nervenheilanstalt Domjüch in Neustrelitz begibt sich die TOG mit dem Publikum 80 Jahre später auf Spurensuche. Eine Erinnerung an das, was geschehen ist und an das, was keiner hören und sehen wollte, eine Erinnerung: was werden sollte und das, was daraus geworden ist. Drei Frauen blicken zurück – mit Liedern und Texten von Heine bis Eisler, Briefen und Zeitzeugenberichten.
Am 17. August präsentiert die Freie Bühne Wendland um 20 Uhr auf dem Domjüchgelände der ehemaligen Landesirrenanstalt das Theaterstück „Moby Dick“ (Strelitzius berichtete). Der Eintritt kostet 10 € für Erwachsene, Kinder bis 17 Jahren haben freien Eintritt. Einlass ist ab 18 Uhr. Veranstaltet wird das Event vom Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V., dem Kulturrat Neustrelitz e.V., dem SimsalArt e.V. und der Residenzstadt Neustrelitz.
Die Freie Bühne Wendland interpretiert Herman Melvilles Werk „Moby Dick“ als Erzählung von Gier und Ausbeutung. Metall symbolisiert die Brutalität unersättlicher Rohstoffgier und Ausbeutung. Ein Linienbus wird zum Walfangschiff, Boote bestehen aus Schrott und Brechstangen, Fische aus Treckerreifen und halben Autos. Funkenregen steht für den archaischen Kampf gegen die Naturgewalten. Die Theatergruppe beschreibt ihr Stück als „bilderstarkes Theater, das mit Livemusik und kybernetischem Bühnenbild das Publikum aufsaugt und den (Dorf-)Platz schwanken lässt.“
Die Outdoor-Produktion benötigt eine Bühne von ca. 50 x 50 m, die frontal zum Publikum angeordnet ist. Während der Aufführung wird das sitzende Publikum dreimal von verschiedenen „Fahrzeugen“ umfahren. Die 2011 gegründete Freie Bühne Wendland erkundet die Rückbesinnung auf das Wandertheater als Gegenbewegung zur Abwanderung der Kunst ins Internet. Sie belebt Orts- und Dorfplatzkultur wieder und stärkt lokale Strukturen mit aufsuchender Kunst. Die Theatergruppe besitzt keine eigene Spielstätte und nutzt die vorhandene kulturelle Infrastruktur.
Ein bemerkenswertes Bühnenbild bietet der umgebaute Theaterbus für die Doppelfunktion als „Walfang-Schiff“ sowie als „Moby Dick“. Fotos: Kina Becker
Ja, es ist irre, was am Sonnabend, 17. August, um 20 Uhr, am Ufer der Domjüch auf dem Gelände der ehemaligen Landesirrenanstalt in Neustrelitz abgeht. Hier mutiert ein Linienbus zum Walfangschiff. Mit Metallschrott, Menschen und Musik erschaffen die Mitstreiter der „Freien Bühne Wendland“ eine bezaubernd brutale Welt auf See, die zum Mitreisen einlädt und die Zuschauer in die Abgründe der Menschlichkeit spähen lässt.
Die „Freie Bühne Wendland“ erkundet die Rückbesinnung auf das Wandertheater durch das fahrende Volk als Gegenbewegung zur Abwanderung der Kunst in das „world wide web“. Dabei gehen die Theatermacher ein neues Wagnis aufsuchender Kunst ein: kybernetisches Theater-Spektakel nach einem Klassiker der Weltliteratur. Der Roman „Moby Dick“ wird von ihnen neu gedacht und bildstark bespielt, bis das Spektakel wieder abzieht und die Leute vor Ort mit Gischt im Haar zurücklässt. Ein bemerkenswertes Bühnenbild bietet dabei der umgebaute Theaterbus für die Doppelfunktion als „Walfang-Schiff“ sowie als „Moby Dick“.
Die Wertschätzung zeigt sich mit dem 1. Platz des „Weltenbauer AWARD 2024“ an die Freie Bühne Wendland für die Produktion von „Moby Dick“, verliehen von der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft. In der Laudatio heißt es: „Die phantastische Art und Weise, mit welcher der literarische Stoff vom Meer an Land geholt und mit theatralischen Mitteln erzählt wird, macht diese Produktion zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Dass ein Bus, Metallschrott und ein Traktorrad zu Schiff und Wal mutieren und ihre technische Kraft zu Naturgewalt werden lassen, hat besonders beeindruckt.“
Das kybernetische Theaterspektakel „Moby Dick“ der Freien Bühne Wendland hat den 1. Preis des Weltenbauer Awards 2024 gewonnen! Verliehen wurde der Preis von der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft im Rahmen der Bühnentechnischen Tagung am 20. Juni in der Jahrhunderthalle in Bochum.
Diese freudige Nachricht ging auch an Strelitzius, weil die Truppe am 17. August in Altstrelitz auf dem Domjüchgelände ein Gastspiel geben wird. Und zwei der Weltenbauer sind in Passentin aufgewachsen! Arwed Wetzel und Josa Wetzel, Söhne von Stephan Rätsch und Barbara Wetzel.
Johannes Arlt, Christel und Hans-Werner Lau sowie Helge Oehlschläger (von links) vor dem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Landesirrenanstalt an der Domjüch.
Das atemberaubend schöne Domjüch-Gelände in Neustrelitz hat schon viele Investoren interessiert. Christel Lau, Vorsitzende des 2010 gegründeten „Vereins zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt“ und ihr Mann Hans-Werner, Gründungsmitglied und Eigentümer der Immobilie, können davon ein Lied singen. „Wir haben immer auf einen passenden Kandidaten gewartet“, so Christel Lau. Nun endlich scheint er gefunden zu sein.
„Da von unserer Seite Wert auf die Erhaltung der Erinnerungskultur gelegt wird, wir mit verschiedenen anderen Interessenten in der Vergangenheit da aber keinen Konsens fanden, ist dieser Investor interessant, der dazu eine positive Einstellung hat. Inzwischen hat er auch ein Grobkonzept vorgelegt“, informierte die Vereinschefin bei einem Ortstermin heute Morgen Strelitzius. Die Planung sehe eine Hotelanlage, „keine Bettenburg“, Schwimmhalle, weitere Wellnesseinrichtungen und Gastronomie vor. Und das unter partieller Nutzung der vorhandenen Gebäude. Inzwischen hat Christel Lau in einem Rundbrief den rund 100 Vereinsmitgliedern die gute Nachricht übermittelt. Der Verein werde aber auf jeden Fall weiter bestehen und wirken, war auf Nachfrage zu erfahren.
Bundestagsabgeordneter stellt Kontakt her
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt hat den Kontakt zwischen Investor und Verein hergestellt, der Neustrelitzer Fraktionschef der Sozialdemokraten Helge Oehlschläger die Stadtverwaltung informiert. „Unsere Fraktion steht voll hinter dem Vorhaben und ist im Rathaus auf offene Ohren gestoßen. Alle Beteiligten sind gespannt“, so Oehlschläger. „Für uns wie für den Verein ist es ganz wichtig, dass Schwimmhalle und Wellnesseinrichtungen auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können. Das ist ausdrücklich zugesagt worden. Auch Wünsche der Stadt sollen Berücksichtigung finden.“
Johannes Arlt hält sich verständlicherweise zur Person bzw. Adresse des potentiellen Investors noch bedeckt. Er sei im medizinischen Bereich angesiedelt, habe bereits mehrere Großprojekte in der Seenplatte gestemmt. Rund 100 Arbeitsplätze könnten durch die hochwertige Hotelanlage entstehen, die auch längeres Verweilen von Gästen ermöglichen soll, die einfach eine Auszeit vom Großstadtstress brauchen. „Wir hatten bereits eine Unterredung mit Vertretern der Investmentabteilung des Interessenten und haben vollstes Vertrauen“, so Arlt. „Das passt wie die Faust aufs Auge.“ Zum im Raum stehenden geschätzten Investitionsvolumen wollte sich der Abgeordnete nicht äußern.
Der 1990 gegründete Müritz-Nationalpark ist das Herz der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Neubrandenburger Fotografin Sandra Bartocha fotografierte über mehrere Jahre hinweg im Müritz-Nationalpark. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens komponierte der Neustrelitzer Musiker Torsten Harder zu einigen der eindrucksvollsten Fotos Musik und Geräusche für eine Multivisionsshow, welche die Vielfalt der Landschaft auf einzigartige Weise einfängt. Eine Symbiose aus Bild und Ton, die zum Verweilen, Betrachten, Genießen und Hören einlädt. Stille Seen, urwüchsige Wälder, geheimnisvolle Moore sowie die Pflanzen- und Tierwelt werden bei der Reise durch die Jahreszeiten aus unterschiedlichsten Perspektiven erlebbar.
Der Verein Kultur in Bewegung e.V. wird mit Unterstützung durch den Verein zum Erhalt der Domjüch e.V. dieses beeindruckende Werk am Sonnabend, den 26. August, um 20.30 Uhr, auf dem Gelände der ehemaligen Landesirrenanstalt am Domjüchsee erneut zur Aufführung bringen – bei gutem Wetter Projektion auf eine Leinwand unter nächtlichem Sternenhimmel. Die phantastischen Bilder von Sandra Bartocha werden dabei live musikalisch von Torsten Harder am Cello und Rico Gatzke am Piano untermalt.