Schlagwörter

, , ,

„Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember allein aus jahreszeitlichen Gründen gestiegen. Aber: die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewegt sich weiter auf hohem Niveau. In der Tendenz blicke ich optimistisch auf die ersten Monate des neuen Jahres, denn insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt in der Seenplatte stabil und robust. Wie sich die Arbeitslosigkeit über das Jahr 2022 entwickelt ist angesichts der Covid-19-Pandemie schwer vorhersehbar“, sagt der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

Im Dezember waren in der Seenplatte 510 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im November, insgesamt 10.373. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8 Prozent. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres 1.405 Arbeitslose weniger.

Dabei liegt der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember mit 510 nur gering über dem 5-Jahresmittelwert (vor Corona) von 478. Und das trotz nicht optimaler Bedingungen für die Wirtschaft – wie etwa der anhaltenden globalen Lieferengpässe und dem erneuten Anziehen der Corona-Pandemie. „Insgesamt haben jedoch der bisher milde Winter – bis zum 13. Dezember (Statistikzähltag) – Nachholeffekte und die konjunkturelle Erholung auf dem den Arbeitsmarkt dazu geführt, dass die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand eines Dezembers seit über 30 Jahren gefallen ist“, sagte der Arbeitsagenturchef.

„Der Arbeitsmarkt in der Seenplatte weist – so der Arbeitsagenturchef – im zu Ende gehenden Jahr 2021 einen erfreulichen Trend auf. Selbst der zweite Lockdown – der bis Mai 2021 ging – unterbrach die Rückgänge der Arbeitslosenzahlen nur kurzzeitig.

„Das Risiko langzeitarbeitslos zu werden ist seit Beginn der Pandemie deutlich angestiegen. Im April waren zum ersten Mal Menschen länger als ein Jahr arbeitslos, die aufgrund der Corona-Pandemie ihren Job verloren haben. Bis Mitte Dezember betraf es 4.894 Frauen und Männer, die in den letzten 12 Monaten keine Arbeit aufnehmen konnten und jetzt langzeitarbeitslos sind“, so Besse. Zwar ist der Höchststand mit jahresdurchschnittlich 7.973 Langzeitarbeitslosen (Anteil an allen Arbeitslosen: 33 Prozent) aus dem Jahr 2008 noch nicht erreicht, aber mit einem Anteil an allen Arbeitslosen in der Seenplatte von aktuell 47 Prozent (Dezember 2019: 38,4 Prozent) sieht Besse die Anstrengungen der Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre gefährdet.

Besse betont: „Maßnahmen und Initiativen gegen Langzeitarbeitslosigkeit sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Diese kann nicht von der Arbeitsagentur alleine gelöst werden, sondern erfordert gemeinsame Anstrengungen aller Partner am Arbeitsmarkt.“

Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze und verhindert Arbeitslosigkeit

Die vierte Corona-Welle – mit ihren Auswirkungen auf das öffentliche Leben – verunsichert Unternehmen besonders betroffener Wirtschaftsbranchen. Daher befürwortet Thomas Besse ausdrücklich die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf bis zu 24 Monaten und die Zugangserleichterungen für Betriebe und Unternehmen um weitere drei Monate bis zum 31. März 2022 zu verlängern. „Diese Verlängerung und auch die des erleichterten Zugangs zur Grundsicherung etwa für Selbständige sind eine richtige Entscheidung, um die schrittweise Erholung am Arbeitsmarkt weiter zu stabilisieren. Kurzarbeit zeigt sich als wirksames Instrument zur Sicherung von tausenden Arbeitsplätzen – in der Seenplatte – während der COVID-19-Pandemie.“

Ohne Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit noch einmal deutlich höher. Bis Mitte Dezember wurde für 1.815 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Juli 2021 exakt 1.272 Mitarbeitende aus 320 Unternehmen in Kurzarbeit.

Zu- und Abgänge

977 Männer und Frauen mussten sich im Dezember nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in der Seenplatte neu oder erneut arbeitslos melden. Das sind 75 weniger als im Dezember 2021.

473 Arbeitslose konnten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt beenden. Das sind 10 mehr als im Vorjahresmonat.

Damit übersteigen im Dezember die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung (977) die Arbeitsaufnahmen (473).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich, allerdings waren bei allen Rückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen. Die Spanne der Veränderungen reicht im Dezember von –22 Prozent bei Ausländern bis –11 Prozent bei 25– bis unter 50-Jährigen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten, waren im Dezember 3.312 Menschen arbeitslos. 316 mehr als im Vormonat und 1.211 weniger als im Dezember 2020. Das entspricht einem Rückgang von 27 Prozent.

Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II – umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt – lag im Dezember bei 7.061 Arbeitslosen. 194 mehr als im November aber 194 weniger als im Dezember 2020.

Die Unterbeschäftigung zeichnet ein realistischeres Bild von der Verfassung des Arbeitsmarktes. Dabei werden neben Arbeitslosen auch Teilnehmer in Maßnahmen, Weiterbildungen und arbeitsunfähig Erkrankte erfasst. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Dezember bei 13.170 das waren 289 oder 2,2 Prozent mehr als im Vormonat – 1.422 oder 9,7 Prozent weniger als im Dezember 2020.

Ohne den Entlastungseffekt der arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumente läge die Zahl der Arbeitslosen – ausgewiesen durch die so genannte „Unterbeschäftigung“ – um 2.797 höher und die Arbeitslosenquote bei 10 Prozent.

Geldleistungen

Insgesamt 3.039 Personen erhielten im Dezember Arbeitslosengeld, 1.202 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im Dezember bei 14.124. Gegenüber Dezember 2020 war dies ein Rückgang von 1.135 Personen.