Schlagwörter

,

Nur durch einen Zufall wurde dieses Thema wiederentdeckt. Eine E-Mail aus Australien brachte den Stein ins Rollen. Dan Sartoretto fragte in der Stadt Neubrandenburg an, ob ihm jemand behilflich sein könnte, das Grab seines Onkels Bruno Sartoretto zu finden. Sartoretto sei hier in deutscher Gefangenschaft gestorben.

Die Anfrage aus Australien war der Anlass sich näher mit der Geschichte der italienischen Gefangenen in Neubrandenburg auseinanderzusetzen, denn bisher wurde dieses Thema nur am Rande betrachtet.

Es stellte sich heraus, dass dieser Teil der Geschichte nicht nur in Neubrandenburg sehr schlecht aufgearbeitet ist, sondern in ganz Deutschland, wie die Stadtverwaltung jetzt im Zusammenhang mit ihren Forschungsergebnissen mitteilte. Dr. Harry Schulz und Eleonore Wolf wollen am 18. September bei einem Pressetermin im Stadtarchiv weitere Einzelheiten bekanntgeben.

Status Kriegsgefangener verwehrt

Als Mussolini 1943 gestürzt wurde und Italien Deutschland den Krieg erklärte, marschierte die Wehrmacht in Italien ein und nahm 600 000 Italiener gefangen. Um sich an ihnen zu rächen, wurde ihnen der Status Kriegsgefangener verwehrt. Das bedeutete, dass ihnen der durch die Genfer Konvention gewährte Schutz und die Hilfe durch das Rote Kreuz verweigert wurden; sie konnten so bedingungslos in der deutschen Kriegswirtschaft eingesetzt werden.

12 000 dieser Militärinternierten kamen auch nach Neubrandenburg. Im Herbst 1944 wurde ihnen der offizielle Status von Zwangsarbeitern zuerkannt. Trotzdem ist im Gegensatz zu Zwangsarbeitern anderer Nationen in Deutschland den Italienern bis heute keine Entschädigung zuerkannt worden. 45 000 italienische Zwangsarbeiter sind in Deutschland während der NS-Diktatur ums Leben gekommen.