Die beiden Brunnen im Neustrelitzer Schlossarten weisen Schäden auf und bleiben vorerst trocken.
Nachdem der Kugelbrunnen an den Uferterrassen des Glambecker Sees in Neustrelitz am 21. Juli in Betrieb genommen wurde, folgten am 4. August die Brunnenanlagen auf dem Marktplatz (Strelitzius berichtete) sowie vor und im Garten der Orangerie. Im Schlossgarten der Residenzstadt zeigt sich dagegen weiterhin Handlungsbedarf: Die Filteranlage des Wasserbrunnens funktioniert nicht mehr zuverlässig, und auch die Bewässerungsanlagen im Park können derzeit nur eingeschränkt genutzt werden, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus
Heute Vormittag wurde die wassertechnische Anlage auf dem Neustrelitzer Marktplatz endlich in Betrieb genommen (Strelitzius berichtete mehrfach). Ab sofort ist das Fontänenfeld in der Marktmitte wieder aktiv. Die Anlage zählt zu den technisch aufwendigsten wassertechnischen Einrichtungen der Residenzstadt: 36 Düsen und eine umfangreiche Beleuchtung erzeugen in Verbindung mit einer eigenen Wasseraufbereitung wechselnde Wasserbilder. Dass das Wasserspiel erst jetzt in Betrieb genommen werden konnte, ist das Ergebnis eines längeren Haushalts- und Vergabeprozesses, heißt es aus dem Rathaus.
Ein Trauerspiel: Die Bürokratie ist mindestens so unerträglich wie die momentane Hitze. Neustrelitz sitzt noch voraussichtlich bis Mitte Juli auf dem Trockenen.
Warum laufen die Brunnen in Neustrelitz noch nicht? Diese Frage wurde dem Neustrelitzer Stadtpräsidenten Max Odebrecht in den vergangenen Wochen immer wieder gestellt. „Der Grund liegt in diesem Jahr tatsächlich beim städtischen Haushalt. Zwischen Stadtverwaltung und Stadtvertretung gab es wie berichtet längere Gespräche und Verhandlungen über den Haushalt 2026. Dadurch wurde der Haushalt deutlich später beschlossen als gewöhnlich“, so Odebrecht, der sich als Vermittler zwischen den verhärteten Fronen eingesetzt hatte.
Und nun brauche es noch die Genehmigung des Etats durch die Kommunalaufsicht beim Landkreis. Der Stadtverwaltung sei also kein Vorwurf der Verschleppung zu machen, sie brauche schlichtweg Rechtssicherheit, erfuhr Strelitzius. Einfach das Wasser andrehen, wie von vielen Bürgern gefordert, gehe nicht, auch wenn es schwer nachvollziehbar sei.
Frank Sombrowski (links) und Heinz-Theo van Wickeren beraten einen Brunnenbesitzer. Fotos: Harald Guelzow
Das gelbe Labormobil des VSR-Gewässerschutz ist vielen Brunnenbesitzern bereits bekannt. In den vergangenen Jahren sorgten die Informationstände für reges Interesse. Über 120 Bürger im Kreis Mecklenburgische Seenplatte brachten Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen mit, um sich über die mögliche Nutzung zu informieren. Auch in diesem Jahr bietet die gemeinnützige Organisation wieder eine Untersuchung an. Am Dienstag, dem 30. September, haben Brunnenbesitzer von 15 bis 17 Uhr die Gelegenheit ihre Wasserproben auf dem Marktplatz in Neustrelitz abzugeben.
Bereits 432 Brunnenbesitzer aus dem Kreis Mecklenburgische Seenplatte haben dem VSR-Gewässerschutz ihre Wasserprobe zur Verfügung gestellt. Dies bildet die Grundlage von Auswertungen im Zeitraum von 2017 bis 2022. Bei den Wasseruntersuchungen im Kreis Mecklenburgische Seenplatte fand der VSR-Gewässerschutz coliforme Keime in 20,3 % der untersuchten Brunnen. Eine weitere Gefahr stellen im Untergrund liegende defekte Abwasserleitungen dar. In diesem Fall kann Abwasser ins Grundwasser eindringen und dieses mit e.Coli belasten. E.Coli-Bakterien fanden die Experten vom VSR-Gewässerschutz in 4,2 % der untersuchten Brunnen.
Coliforme Keime und E.coli im Brunnenwasser stellen ein Gesundheitsrisiko bei der Nutzung des Wasser dar. Es ist der gemeinnützigen Organisation wichtig, dass das Wasser aus eigenem Brunnen sicher genutzt werden kann. Nur so kann kostbares Leitungswasser gespart werden. Coliforme Keime sind ein Hinweis auf die Verunreinigung des Brunnenwassers durch Oberflächenwasser. Jeder Brunnen altert mit der Zeit und kann undicht werden. Eindringendes Oberflächenwasser transportiert auf diesem Weg coliforme Keime in den Brunnen. Im Zuge des Klimawandels kommt es vermehrt zu Starkregen. Durch die plötzlichen großen Wassermengen steigt das Risiko, dass diese Bakterien ins Brunnenwasser eingetragen werden.
E.coli (Escherichia coli) sind Darmbakterien und können Krankheiten hervorrufen. Ihre Untersuchung wird aber hauptsächlich wegen ihrer Indikatorfunktion durchgeführt. Wenn man sie nachweist, sind Fäkalien ins Brunnenwasser gelangt. Es kann dann auch mit weiteren Viren und anderen Bakterien, die zu schwerwiegenderen Krankheiten führen, belastet sein.