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Alte Kachelofenfabrik, Gespräch, Hübner, Jessen, Kino, Mecklenburg-Strelitz, Micha denkt groß, Neustrelitz, Schütte

Zu dem wirklich schönen Filmabend am Freitag in der Alten Kachelofenfabrik Neustrelitz (Strelitzius berichtete kurz) sondere ich wie angekündigt noch ein paar Zeilen ab. Allem voran ist natürlich die Impro-Komödie „Micha denkt groß“ zu würdigen, die völlig zu Recht mit viel Applaus bedacht worden ist. Da ist den Regisseuren Lars Jessen und Jan Georg Schütte und den Darstellern um Charly Hübner, Jördis Triebel und Peter Kurth wirklich ein kleines Juwel gelungen. Erzählt wird die Geschichte des Video-Designers Micha (Charly Hübner), der in einem Dorf in Sachsen-Anhalt die marode Pension seiner verstorbenen Eltern in ein Luxushotel samt Wellness-Oase verwandeln will. Bei aller Skepsis, die ihm begegnet, versiegt dann auch noch das Grundwasser in Klein Schnapsleben.
Beim anschließenden Filmgespräch mit Jessen, Schütte und Hübner schieden sich durchaus die Geister. So wurde diskutiert, ob nicht ein festgefügtes Drehbuch dem Improvisieren vorzuziehen sei. Letztlich wurde abgestimmt, und es fand sich eine deutliche Mehrheit für das an diesem Abend auf der Leinwand erlebte freie Spiel. Was übrigens bei Mimen außerordentlich beliebt ist, wie zu erfahren war, auch wenn viel Mut und Risikofreude gefordert seien. „Man muss sich auf das Experiment einlassen. Drehbücher sind oft nicht das wahre Leben“, machte Schütte deutlich, zugleich Darsteller. Im Publikum Platz genommen hatte auch die Schauspielerin Karoline Schuch, die das nur bestätigen konnte. „Wir haben uns aufeinander verlassen“, ergänzte Lars Jessen zur Teamleistung.
Wasseraktivisten dürften bei „Micha denkt groß“ vielleicht nicht so auf ihre Kosten kommen. Das knappe Nass als ein menschliches Recht ist hier eher Mittel zum Zweck der brandaktuellen Botschaft in Zeiten der bedrohten Demokratie. Jan Georg Schütte formulierte es am Ende des anregenden, spannenden, emotionalen Gesprächs noch einmal für alle: „Leute, redet miteinander, haut euch mal auf die Mütze, aber setzt euch anschließend hin und trinkt ein Bier zusammen.“ So geschehen auch ausgangs von „Micha denkt groß“.
Charly Hübner genoss „beseelt“ sein Heimspiel in Neustrelitz. „Die Gespräche hier sind die muntersten, die geilsten. Ist ja auch meine Heimat. Unser Job war es, mit der Taschenlampe auf die Dinge zu zeigen, die Flitzpiepen glaubhaft darzustellen.“ Was herausgekommen ist, wurde von einer Zuschauerin des Kinoabends als „wunderbare Karikatur“ bezeichnet. Hübners Fazit, auch im Film von ihm zu hören: „Wir müssen uns alle kümmern und dürfen nicht darauf warten, dass andere drängende Probleme für uns erledigen.“ „Wir kommen gern wieder“, schloss Jan Georg Schütte.
Kinoleiter Horst Conradt nutzte die Gelegenheit, um Charly Hübner für sein jüngstes Buch „Wenn du wüsstest, was ich weiß…“ über den Autor Uwe Johnson zu würdigen, das der Schauspieler auch am Ende des Abends in der Alten Kachelofenfabrik signierte. Kürzlich hatte Hübner zusammen mit Caren Miosga das Jahrhundertwerk „Jahrestage“ des mecklenburgischen Autors als Hörbuch eingelesen. Eine Arbeit, die der Schauspieler ob der Vielschichtigkeit der Handlung mit einem Zehnkampf verglich.
Aufführung und Gespräch zu „Micha denkt groß“ anlässlich der Bundespremiere des eigentlich als Fernsehfilm konzipierten Streifens waren nicht zufällig in der Alten Kachelofenfabrik zu erleben. Der Pandora Filmverleih, diesmal vertreten durch Lena Kettner, weiß, was er an dem Neustrelitzer Kulturtempel hat.
Die KOF hat ihren Besuchern einen weiteren cineastischen Höhepunkt beschert und verlässlich für beste Rahmenbedingungen gesorgt. Schön für Strelitzius, einen so renommierten Werbepartner zu haben. Meine unbedingte Empfehlung: „Micha denkt groß“ anschauen. Der Film läuft noch von heute bis einschließlich Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr.


