Schlagwörter
Deutsche Tanzkompanie, Landestheater, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Uraufführung, Wasser


Wunderbar vorgetragene Tanzszenen, die sich förmlich eingebrannt haben, unter die Haut gegangen sind: Das Publikum im Neustrelitzer Landestheater hat am gestrigen Abend völlig zu Recht seine Deutsche Tanzkompanie gefeiert. In den minutenlangen Beifall mischten sich immer wieder Hochrufe auf das Ensemble für die Uraufführung des Tanzpoems „Wasser“, zweite Inszenierung nach „Feuer“ im vierteiligen „Zyklus der Elemente“.
Der stürmische Applaus galt nicht nur den Tänzerinnen und Tänzern, sondern auch Choreograf Lars Scheibner für die Inszenierung und Oliver Hohlfeld für das Libretto sowie die Dramaturgie. Das extrem sparsame Bühnenbild (Axel Rothe) und die wenigen Requisiten beförderten die volle Konzentration der Zuschauer auf den Tanz und ließen der Phantasie viel Raum. Auch bei den Kostümen (Nicola Clarissa Gehring) wurde angemessene Zurückhaltung geübt. Unbedingt zu würdigen ist die Musikauswahl von traditionellen bulgarischen Frauen-Stimmen über Musik von Nils Frahm bis zu Richard Wagners Lohengrin-Ouvertüre. So kam zum optischen auch noch akustischer Genuss. Die Resonante Videochoreographie von Dr. Marcus Doering tat ein Übriges.
Anderthalb Stunden fast wie im Flug
Gefallen hat auch, dass die gewichtige Hommage an unser aller Lebenselixier, sehr beeindruckend unter anderem „Tränen“ oder „Auf der Eisscholle“, mit kurzweiligen Einspielen wie „Am Swimmingpool“ oder „Im Regen“ aufgelockert wurde. So vergingen die anderthalb Stunden fast wie im Flug, wobei auch die Pause bei der Fülle der Eindrücke gut getan hat. Gut beraten waren die Theatergänger, die ein hilfestellendes Programmheft erworben haben. Auf der Reise vom vertrockneten Baum der Erkenntnis im Garten Eden bis zur Mündung in den Ozean half die Lektüre der Vorstellungskraft schon mal auf die Sprünge. Aber das soll nicht wirklich eine Kritik sein. Zu erleben war durchweg hohe Tanz- und Darstellungskunst, und das überwiegt alles. Aus der fulminanten Ensembleleistung noch herausragend Giorgia Enrico und Franziska Schüller sowie Noé Plasencia Fernández. Chapeau!
Am Vormittag nach der Uraufführung habe ich mit meinem langjährigen Blogfreund Marco Zabel gesprochen, Geschäftsführender Direktor der Tanzkompanie. „Ich habe überwältigenden Applaus wahrgenommen. Und zuvor eine über die Vorstellungsdauer anhaltende Spannung. Schon deshalb darf von einem tollen Ergebnis gesprochen werden. Das ist Belohnung für harte Arbeit; kein Wunder, dass nach der Premiere ausgelassen gefeiert wurde. Mit dem Tanzpoem ‚Wasser‘ ist zweifellos eine große Gesamtleistung gelungen. Das gilt für das Ensemble der Tänzerinnen und Tänzer. Und das gilt für alle an der Produktion Beteiligten.
Stück nimmt mit, tänzerisch und darstellerisch
Entstanden sei ein Abend zum Element Wasser, „der nichts zu wünschen lässt, er lebt von Abwechslung und stilistischer Bandbreite, von mitreißenden Soli und großen (Ensemble-)Bildern, von klugem Material-, Licht- und Technikeinsatz. Das Stück vermag es uns mitzunehmen, vor allem natürlich tänzerisch, aber ebenso darstellerisch. Choreograph und Produktionsteam, wie alle Beteiligten, haben im besten Sinne ‚geliefert‘. Das ist poetisch, fließend, auch lieblich, ausdrucksstark, hochdramatisch, ironisch und humorvoll“, so Marco Zabel. Chemisch betrachtet sei H2O geruchlos, farblos, geschmacklos – für „Wasser“ gelte das nicht! „Diese Inszenierung ist keine Fata Morgana – ‚Wasser‘ wird auf der Bühne zum Lebensort.“
Möglicherweise habe ich es schon mal geschrieben, dann ist es eine Bekräftigung. Die Deutsche Tanzkompanie ist ein Geschenk für Neustrelitz und die ganze Region. Ich wünsche der Truppe die nötige finanzielle Ausstattung, damit unter anderem der „Zyklus der Elemente“ mit den Fortsetzungen „Luft“ im kommenden Jahr und „Erde“ 2026 abgeschlossen werden kann. Unbedingt ansehenswertes Tanztheater! Die nächsten Vorstellungen des Tanzpoems „Wasser“ gibt es am 10. Mai um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Neubrandenburg und am 8. Juni um 19.30 Uhr wieder im Landestheater Neustrelitz.
Theresa Lange hat einige Momente des Applauses und nachdem der Vorhang nach langem Beifall schließlich gefallen war, im Bild festgehalten. Danke, dass ich die Fotos mit meinen Lesern teilen darf.



