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Beschlussvorlage, CDU, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Schlossturm

Die CDU will offensichtlich den Druck in Sachen Wiederrichtung des Neustrelitzer Schlossturms in seiner historischen Gestalt erhöhen. In einer Vorlage für die kommende Stadtvertretersitzung am 7. Dezember beantragt sie in zwei Arbeitsfeldern die bauliche Umsetzung des Projektes und die Entwicklung eines Nutzungskonzeptes, beides in Verantwortung des Bürgermeisters, der bei jeder künftigen Stadtvertretersitzung über den Sachstand informieren soll.
Wie Strelitzius aus der CDU-Fraktion im Anschluss an deren heutige Sitzung erfuhr, befürchten die Christdemokraten, dass die vom Bund in Aussicht gestellten Fördermittel wegen Untätigkeit verfallen. Es brauche einfach ein proaktives Signal aus Neustrelitz und es könne nicht sein, dass sich Stadt und Land den Ball seit Jahren ohne Fortschritt gegenseitig zuschieben.
Zentrales Thema des „Ausstellungs- und Erlebnisgebäudes“ solle die demokratische Entwicklung von Mecklenburg-Strelitz vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart sein. Bereits vorliegende Informationen der Arbeitsgruppe Revolution 1848, zum Landesgrundgesetz vom 29. Januar 1919, zum Wirken von Erna Weiland als erste Frau in einem deutschen Parlament und zur Wendezeit sollen eingebunden werden. Örtliche Vereine sind an der Erarbeitung des Nutzungskonzepts – Arbeitstitel „Leuchtturm für Demokratie“ – zu beteiligen.
Der Schlossgarten braucht ein Gebäude als Abschluss in seiner Sichtachse. Das wäre aus meiner Sicht idealerweise das Barockschloss. Auch ein modernes Gebäude in den Abmaßen des Barockschlosses fände ich akzeptabel. Der Schlossturm kann diese Funktion nicht erfüllen, denn er stünde neben der Sichtachse, aber wiederum nicht weit genug entfernt, um keinen Bezug zum Garten zu suggerieren, aber eben einen unsymmetrischen, der der Symmetrie der Anlage widerspräche. Er würde auch die Silhouette der Stadt in den Zustand versetzen, wie er gerade mal vier Jahrzehnte bestanden hat, vom Bau 1906-1909 bis zur Sprengung der Ruine 1949. Das Barockschloss stand immerhin 220 Jahre. Der nach meinem Geschmack klobige Turm und der überdimensionierte Anbau im wilhelminischen Neobarock haben die Schönheit des alten Baus beeinträchtigt. Der Neustrelitzer Konservator, Kunsthistoriker und Heimatforscher Konrad Hustaedt (1874-1948) schrieb dazu, dem Neubau, der „fast überwältigend wirkt, war der alte Schloßbau durch seine maßvolle, vornehm gehaltene Architektonik weit überlegen“.
Der Residenzschlossverein hat mich also auf seiner Seite, wenn es (wie es die Präambel seiner Satzung fordert) um das Barockschloss geht. Den Turmaufbau als Einstieg in den vollständigen Wiederaufbau des gesamten Schlosses zu benutzen, dem muss ich nicht nur aus ästhetischen Gründen widersprechen. Ihn als Leuchtturm der Demokratie zu gestalten, halte ich für nicht gerade passend, ist er doch dem Charlottenburger Schlossturm nachgebaut worden, um die Verbundenheit mit den nicht gerade demokratischen Hohenzollern und dem unseligem Kaiser Wilhelm II. zu demonstrieren. Und das gerade mal ein Jahrzehnt vor dem Ende aller deutschen Dynastien.
Der Neustrelitzer Kulturrat, dem ich angehöre, und der die diesjährigen Veranstaltungen zur 1848er Revolution initiiert hat, wird sich für Alternativen zum Schlossturm einsetzen, wie sie zum Beispiel in der Ausstellung mit studentischen Projekten 2022 in der Schlosskirche zu sehen waren.
Frank Havemann