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Zu den Herausforderungen eines Ruheständlers, der mit einer noch berufstätigen Frau beschenkt ist, gehört, dass sie ihn einkaufen schickt. Die Zierde des Heims hat nämlich messerscharf erkannt, dass sie auf die späten Lebenstage nun doch noch in den Genuss von Schnäppchen kommen kann, die Berufstätigen ansonsten verwehrt sind. Weil, die Kaufhalle hat kurz vor deren Arbeitsbeginn noch nicht geöffnet, oder das Sonderangebotene ist noch nicht ausgepackt. Umgekehrt ist zum Feierabend das Schnäppchen schon vergriffen. Da kommt der universell verfügbare, verrentete schnelle Eingreifer gerade recht. Wenn er denn auch qualifiziert genug ist.

Meine Wenigkeit jedenfalls irrt auch im Jahr 2 nach Berufung zum Beschaffer immer noch mit dem Einkaufszettel durch die Regallandschaft und versucht, das von der Holden Dahingekritzelte mit der Realität der Auslagen in Einklang zu bringen. Und lebt dabei nicht ungefährlich. Wie neulich, als ich vielleicht einem Verkehrsunfall nur knapp entgangen bin. Oder einer Polizeikontrolle mit für mich negativem Ausgang. Wobei Ordnungshüter in Wesenberg zugegeben Seltenheitswert genießen.

Jedenfalls stand auf meiner Liste eine Kiste Bier zum Sonderpreis. Nichts dagegen zu sagen, aber das schöne Wetter hatte mich nun geistesgegenwärtig mit dem Motorroller vorfahren lassen. Während ich noch Verpackungsszenarien schmiedete – kann ich mir den Kasten zwischen die Knie klemmen und trotzdem noch um die Kurven kommen? – schob zum Glück ein vierrädrig eingeparkter Nachbar seinen Einkaufswagen neben den meinen. Der Gute hat frei Haus geliefert, hoch die lokale Solidarität!

Das war aber nur das Vorspiel. Tage später tauchte mein Lieblingswhisky im Angebot und folglich neben Kiwis, Gurken, Tomaten, Joghurt, Müsli in den schriftlichen Empfehlungen der Holden auf. Nachdem ich gegen Mittag zwei Verkäuferinnen auf der Suche nach dem hochprozentigen Getränk verschlissen hatte, konnte sich eine dritte daran erinnern, die Palette hinter einer Tür abgestellt, aber bislang nicht in Verkehr gebracht zu haben. Das soll jetzt hier keine Kritik sein, die Mädels und Jungs tun schon, was sie können.

Wie viele Flaschen ich denn haben möchte, fragte die Zweite. Nein, ich hätte kein Alkoholproblem und sei auch kein Prepper, versicherte ich, eine würde mir genügen. Eine Code-Karte einsetzend, verschwand die Hilfreiche im Nebenraum. Und ich, selten dämlich, aber nach guter Kinderstube ins Leben entlassen, öffne die zugeschlagene Tür wieder. Hätte ja sein können, dass es eines Assistenten bedarf, wenn nun endlich ein ganzer Karton Whisky in Umlauf gelangt und die Ausschenkende, beide Hände voll, nicht auch noch die Türklinke drücken kann.

Der von mir ausgelöste Einbruchsalarm in den gesicherten Bereich war so ohrenbetäubend, dass meine Rauchmelder im trauten Heim dagegen in der Kategorie Flüsterer antreten können. Im ersten Moment habe ich ob des infernalischen Tons erwogen, mich flach auf den Boden zu werfen. Nur, um meine Gutartigkeit zu beweisen. Nicht, dass es da auch noch Selbstschussanlagen gibt…

Zum Glück war die Whisky-Beschafferin schnell auf den Beinen. Nach gefühlt nur zwanzig Sekunden herrschte wieder Kaufhallen-Stille. Unter Schock standen wir wohl beide. Ein Lächeln konnte ich ihr jedenfalls mit meinen Rechtfertigungen nicht abringen. Dafür hatte ich daheim umso mehr Erfolg mit meiner Story. Ich war einfach nur einkaufen, dürfte beim abendlichen Rapport demnächst wohl die blanke Enttäuschung für meine bessere Hälfte sein.