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„Unsere Wurzeln. Kunst aus DDR-Zeit“ – diesen Titel trägt die heute in der Kunstsammlung Neubrandenburg von Patricia Werner, Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, und Silvio Witt, Oberbürgermeister der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, feierlich eröffnete Ausstellung. Zusammen mit der ebenfalls heute begonnenen Tagung und der damit verbundenen Exkursion sowie der Ausstellung im Haus der Kultur und Bildung am Marktplatz bildet sie das einmalige Kunstprojekt „Drinnen und draußen. Kunst im Norden der DDR“.

Unter musikalischer Begleitung des ukrainischen Volks- und Jazz-Gitarristen Enver Izmailov begrüßten Patricia Werner und Silvio Witt die zahlreichen Gäste am frühen Abend in der Kunstsammlung Neubrandenburg. Dabei hob Witt die Bedeutung der Kunstsammlung für die Vier-Tore-Stadt und die Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger hervor. „Mit der Ausstellung erfährt die Kunstsammlung Neubrandenburg passend zu ihrem 40-jährigen Jubiläum die ihr gebührende Aufmerksamkeit weit über die Grenzen der Vier-Tore-Stadt hinaus. Die erlesene Auswahl aus vier Jahrzehnten DDR-Kunst stellt für viele Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger eine emotionale Verknüpfung zu ihren Kindheits- und Jugendtagen her. Gerade die eigenen Erfahrungen und Reaktionen auf die Werke machen das Projekt so reizvoll. Ich danke den unterstützenden Partner dieses Leuchtturmprojekts und freue mich auf die Ausstellung sowie eine rege Diskussion.“

Patricia Werner betonte: „Kunst, die in der Zeit der DDR entstand, ist automatisch weder schlechter noch besser als andere. Wer sich jedoch ernsthaft für ostdeutsche Kunst und Identität in Vergangenheit und Gegenwart interessiert, kommt um eine Beschäftigung mit ihr nicht herum. Mit dieser Ausstellung und dem Symposium leisten die Verantwortlichen in der Stadt Neubrandenburg, ihrer Kunstsammlung und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege einen wegweisenden Beitrag dazu – weshalb die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin das Gesamtprojekt sehr gern ermöglichen und auch weiter begleiten werden.“

Einen ersten fachlichen Einblick in die Ausstellung gab Dr. Elke Pretzel, Mitarbeiterin der Vier-Tore-Stadt in der Kunstsammlung und Projektleiterin, und rekapitulierte die Entwicklung der nun 40 Jahre jungen Kunstsammlung Neubrandenburg. „Auch wenn Kunst aus DDR-Zeit in unserem Museum selbstverständlich in die Bestandsausstellungen integriert wurde und wird, freut es mich besonders, zum 40. Jubiläum der Kunstsammlung das komplexe Thema aus unserem Bestand, unseren Wurzeln also, gezielt vorstellen zu können“, so Pretzel.

Auswahl aus 3400 Werken getroffen

Mit „Unsere Wurzeln. Kunst aus DDR-Zeit“ stellt die Vier-Tore-Stadt verschiedenste Werke der ostdeutschen Kunsthistorie ins Rampenlicht. So zeigt die Ausstellung 116 Gemälde, Plastiken, Grafiken, Unikate auf Papier und Künstlerbücher aus der Sammlung, die zwischen 1945 und 1989 entstanden sind. Dabei handelt es sich um eine Auswahl aus 3.400 Werken der heute rund 8.000 Arbeiten umfassenden Sammlung, die neben dem quantitativen Aspekt auch aufgrund der hohen künstlerischen Qualität und malerischen Kultiviertheit das Fundament des Bestands bilden.

Die Ausstellung bildet chronologisch nach Jahrzehnten geordnet die Entwicklung der Kunst in der DDR ab und versucht damit zugleich einen Einblick in die Lebensverhältnisse und das Befinden der Menschen zu ermöglichen. Gerade die Künste wie bildende Kunst, Literatur und darstellende Kunst nahmen in ihren spezifischen Äußerungen oft – verschlüsselt wie offen – direkt Bezug auf die gesellschaftlichen Gegebenheiten in der DDR und waren somit Seismograf der gesellschaftlichen Entwicklung.

Zunehmendes Interesse jüngerer Menschen

Die handverlesene Auswahl wird im Rahmen des Projekts dank der Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und soll durch ein großes Publikum neue Aufmerksamkeit erfahren. Dass in den vergangenen Jahren zunehmende Interesse jüngerer Menschen am Leben in der DDR, insbesondere derjenigen, die kurz vor oder nach der politischen Wende geboren wurden oder im damaligen Westdeutschland sozialisiert sind, zeigte sich auch in dem Besuch einiger Schulklassen zur heutigen Ausstellungseröffnung.

Neben den Ausstellungen in der Kunstsammlung Neubrandenburg und im Haus der Kultur und Bildung wird das Projekt durch eine dreitägige Fachtagung samt Exkursion abgerundet. Die Ergebnisse des Projekts sollen in einem Tagungsband in 2023 veröffentlicht werden. Zudem wird der virtuelle Stadtrundgang um die bei der Exkursion besichtigten Kunstwerke in den Ortsteilen Fünfeichen, Südstadt, Oststadt und Zentrum erweitert. Auch die Sichtbarkeit der Kunstwerke im realen Stadtbild soll im Zuge des Kunstprojektes erhöht werden.