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Wir haben ihn! Mannschaftskapitän Kevin Riechert reckt nach der Siegerehrung auf der Tribüne den Pokal in die Höhe, neben ihm von links Dustin Keil, Marcus Niemitz, Jens Ladwig und Nils Röth.

Die TSG Neustrelitz und ihre Fans im Parkstadion der Residenzstadt im Freudentaumel: Die einheimischen Fußballoberligisten gewinnen das an Dramatik kaum zu überbietende Finale im Landespokal MV 2021/22 mit 7:6 (0:0) nach Elfmeterschießen gegen den Ligakonkurrenten und Aufstiegsaspiranten Greifswalder FC.

Justus Guth

Beide Teams waren torlos in die Verlängerung gegangen. In der 100. Minute gingen die Gäste durch Peterson Appiah in Führung. Praktisch mit dem Schlusspfiff konnte Justus Guth in der 120. Minute für die Platzherren ausgleichen. Jeweils fünf Elfmeter wurden von beiden Teams verwandelt, den sechsten der Greifswalder konnte TSG-Schlussmann Nicolas Jesus Delpino abwehren. Torben Gäbel hingegen traf wie vor ihm auf Seiten der Neustrelitzer beim Elfmeterschießen Justus Guth, Dennis Ladwig, Sebastian Jarosz, Nils Röth und Kevin Riechert.

Einen Elfer gehalten: Nicolas Jesus Delpino.

Bereits in der 1. Halbzeit erspielte sich die TSG Neustrelitz eine leichte Feldüberlegenheit, die sie auch bis zum Ende nicht wieder abgab, sondern noch ausbaute. Mutig nach vorn, den Gegner früh störend und damit gar nicht erst zur Entfaltung kommen lassend, folgten bald die ersten Chancen für die Residenzstadtkicker. Justin Schultze mehrfach und Marcus Niemitz brachten das Runde aber nicht in das Eckige. Die Greifswalder mit blitzschnellen Gegenstößen gefährlich, aber die Abwehr der Neustrelitzer machte ihrem exzellenten Ruf auch heute Ehre.

Die zweite Halbzeit wurde von beiden Mannschaft sehr offensiv angegangen, nach dem strömenden Regen kam nun sogar die Sonne heraus und die 1832 Zuschauer sahen ein munteres Spiel. Nach und nach brachten die Trainer frische Kräfte auf den Rasen. Mit zunehmender Spieldauer und Torlosigkeit wurde die Partie aber ruppiger und Schiedsrichter Christoph Dallmann verteilte feißig Gelbe Karten.

Beschwörende Ansprache vom Trainer

Nils Röth hat wie alle TSG-Spieler aufopferungsvoll gekämpft.

Vor der Verlängerung gab es noch eine Ansprache von TSG-Coach Maximilian Dentz an seine Truppe: „Wir holen uns den Pokal, weil wir die bessere Mannschaft sind, und weil wir es verdient haben.“ Das hatte schon was von einer Beschwörung. Stattdessen gerieten die TSG-Jungs nach einer Greifswalder Ecke in Rückstand. Sie bekamen den Ball nicht aus der Gefahrenzone, und Peterson Appiah ballerte das Leder im Nachsetzen unter die Latte.

Letzter Seitenwechsel. Jetzt warf die TSG alles nach vorn und rannte verzweifelt gegen die drohende Niederlage an. Letzte mögliche Einwechselung zu Gunsten der Offensivkraft, am Ende hielt es auch den TSG-Keeper nicht mehr im Kasten. Die Fans sangen „Auf gehts Strelitzer Jungs, schießt ein Tor für uns“. Und das Wunder geschah. Aus einer unübersichtlichen Situation heraus findet Justus Guth, als „Man of the Match“ vom Landesfußballverband heute mit Fug und Recht ausgezeichnet, die Lücke und netzt ein. Der Rest, siehe oben.

Maximilian Dentz hat bis zum Schluss an den Sieg geglaubt.

„Ich bin so stolz auf meine Jungs, und so glücklich“, sagte mir Maximilian Dentz nach einer Sektdusche. „Das ist eine echte Titelmannschaft. Ich denke, die Vorstellung, die wir heute geboten haben, spricht für sich. Ich habe bis zum Schluss an den Sieg geglaubt.“

Und Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. TSG-Präsident Hauke Runge könnte auch dazu beigetragen haben. Er zückte mir gegenüber seinen Terminkalender, und da stand unter dem heutigen Datum „Pokalsieg“. „Ich habe das so vorgemerkt, und das konnte deshalb gar nicht anders kommen.“

Jetzt wird der Lübzer Pils Cup bei der TSG Neustrelitz erstmal ausgiebig gefeiert, die Jungs haben es sich redlich verdient. Am Sonntag, den 29. Mai, empfangen unsere Fußballer im Parkstadion im Ligabetrieb den Tabellenneunten RSV Eintracht 1949. Natürlich soll die Erfolgsserie fortgesetzt werden.

Alles nach vorn, Attacke!