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Früher hieß es ja bei uns immer, im Westen gebe es alles. Nachdem wir hier im Osten nun auch schon 30 Jahre im Westen leben, hat sich die Aussage doch erheblich relativiert. Ich schreibe das nieder mit einem Blick auf meinen neuen Terrassensessel, auf den ich nur viereinhalb Monate warten musste. Gemessen an der Ausdauer, die einem anno dunnemals bei der Bestellung eines Autos abverlangt wurde, war das natürlich fast eine Expresslieferung.

Mein eigentliches Problem momentan beläuft sich aber auf neun Zentimeter. Das ist der Abstand zwischen den Bohrlöchern, in die ich vor 25 Jahren die Außenlampen unseres Eigenheimes geschraubt habe. Die sind in die Jahre gekommen und verlangen Ersatz. Nun würde ich ja gern die Fassade unseres Zuhauses nicht weiter beschädigen, sondern die alten Bohrungen einfach nachnutzen. Allerdings ist es wohl eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Lampen von heute, wie es um ihre Befestigung bestellt ist.

Eine Online-Bestellung ist gleich ganz unmöglich, die Kundencenter gehen bei der Anfrage reihenweise in die Knie. Das von der Baumarktkette mit den drei Buchstaben hat mich wenigstens noch zwei Mal vertröstet, bevor es dann auch verstummte. Also einen Sonnabend ans Bein gebunden und in die Kreisstadt gefahren. Auspacken und nachmessen, das war der Plan.

Was haben wir gelernt? Möbelhäuser führen fast nur Innenleuchten, Baumärkte erhellen hingegen auch Fassade, Terrasse und Garten. Als wir nach Stunden endlich ausgerechnet im Osten Neubrandenburgs eine Lampe in der Hand hielten, die wenigstens die alten Löcher geradeso abzudecken versprach und uns auch noch halbwegs gefiel, gab es von ihr nur zwei Exemplare. Wie übrigens von fast allen anderen Modellen auch. Wir brauchen aber drei Lampen. Lieferzeit? Sechs bis acht Wochen. Ja, so ist das mit dem Westen. Aber, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, wir löchern weiter.