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Ich konnte ja mit dem Begriff „Sehnsuchtsort“ bislang nicht sehr viel anfangen. Irgendwie schien er mir zu aufgeblasen, und da kam mir nicht in die Wortküche. Nun aber könnte ich schon wieder da hin, wo ich gerade herkomme, und da muss es sich dann wohl doch um einen „Sehnsuchtsort“ handeln. Der Holden geht es ganz ähnlich und wir haben sogar überlegt, ob wir den Mantel des Schweigens über unser jüngstes Urlaubsdomizil ausbreiten. Aber für die Leser meines Blogs nur das Beste, und Kalami auf der griechischen Insel Korfu mit seinem San Antonio Resort gehört unbedingt in diese Gütekategorie. Wir sind uns sogar einig geworden, dass es die schönste Auszeit unseres gemeinsamen Lebens überhaupt war, und das steht ja schon kurz vor der Silberhochzeit. Da kommt einiges an Urlaubsadressen in der Konkurrenz zusammen.

Zum dritten Mal in Folge haben wir eine Hotelanlage „Nur für Erwachsene“ gebucht. Was in Deutschland noch für dümmliche Schlagzeilen sorgt, ist in der Reisebranche längst usus. Die Bucht von Kalami an der Nordostküste von Korfu direkt gegenüber dem albanischen Festland haben wir mit deutlich unter 1000 Urlaubern geteilt. Das ehemalige Fischerdorf mit seiner schmalen Zufahrt verfügt neben dem San Antonio (90 Wohneinheiten) nur über etliche Ferienwohnungen und -Villen. Massentourismus – Fehlanzeige!

Kalami, da war noch etwas. Richtig, der wiederholt für den Nobelpreis vorgeschlagene englische Lyriker, Erzähler und Dramatiker Lawrence Durrell hat hier im „Weißen Haus“ zwischen 1937 und 1941 gelebt und sein Korfu-Buch „Schwarze Oliven“ geschrieben. Beste Reiselektüre, habe ich mir bei Medimops besorgt. Das „White House“ ist heute noch Wallfahrtsort und die gleichnamige Edel-Taverne, ein bisschen britisch-steif,  wird vor allem von der besseren Yacht-Gesellschaft angefahren. Fünf weitere Tavernen gibt es noch, davon drei direkt am Ufer, sämtlich zu empfehlen. Wir haben uns in der „Seebrise“ am wohlsten gefühlt. Zwei Einkaufsläden, ein Andenkenshop und ein Bootsverleiher, das war es dann auch schon am Fuße der Steilküste. Wir sind jeden Morgen in der Bucht mit ihrem Steinstrand geschwommen (Badeschuhe gibt es im Shop zu kaufen) und hatten sie zumeist für uns allein.

Das San Antonio ist eine der beeindruckendsten Hotelanlagen, die mir je untergekommen sind. Oben auf der Inselstraße ankommen, Busfahrer ruft Rezeption unten an, die schickt Kleintransporter. Der wiederum kann nach dem Einchecken direkt bis vor den unteren Lift fahren, einen weiteren gibt es im oberen Bereich. Sportler joggen nicht, sondern nehmen Treppen, Brückchen, Laubengänge, mit denen die einzelnen Reihenhäuser über geschätzte 200 Meter Höhenunterschied verbunden sind.

Schlappe zwölf Meter Terrasse

Wir hatten Ebene 6, das schafft schon. Der Blick von oben über die Bucht unbeschreiblich, unsere Terrasse maß ausnahmsweise schlappe zwölf Meter in der Länge. Ich blogge ohnehin gern, dort wurde es exzessiv. Und selbst vom Kopfkissen über die Füße gepeilt, war die malerische Kalami-Bucht immer noch da. Da haben wir auf ein noch größeres Refugium gepfiffen, wurde uns auf Nachfrage angeboten. Zimmernummer wird nicht verraten, ich bin doch nicht blöd, aber Meerblick ist garantiert aus allen ausnahmslos mediterran eingerichteten Quartieren. Ein Highlight der uns benachbarte Dachgartenpool, einer von zweien in der Anlage samt Bars. Und unter allen unzähligen Olivenbäumen hatten wir eben unseren.

Der Kritiker findet zum Zwecke eigener Glaubwürdigkeit gern das Haar in der Suppe. Wir haben es nicht entdeckt, von den Buffets morgens und abends bis zum allgegenwärtigen Service. Dann waren da noch drei abendliche Konzerte von südafrikanischen Boy- und Girlgroops, die dir in unglaublicher Qualität die Whitney Houston auferstehen ließen, den Michael Jackson und seine Five, die Supremes mit Diana Ross und auch Celine Dion oder die Back Street Boys täuschend echt coverten. Das war nicht von der Stange, getanzt und gesungen.

Nur freundliche Menschen auf der Insel

Mein Loblied kann ich nicht beenden, ohne ausnahmslos dem gesamten Personal von der Rezeptionistin bis zur Putzfrau und vom Barmann und Barfrau bis zum Gärtner, von den Bedienkräften beim Essen bis zum Shuttle-Fahrer einen „Strelitzius“ („Oscar“ ist ja schon weg) zu überreichen. Das war überirdische Freundlichkeit und gute Laune. Wie uns überhaupt in 14 Tagen Korfu und benachbarte Inseln nicht ein einziger scheeler Blick traf. Das erlebst du daheim in 24 Stunden nicht.

Mal sehen, was mich in den nächsten Tagen vom Korfu-Urlaub noch anspringt. Zurück zum „Sehnsuchtsort“, der ist dann doch relativ. Als wir am vergangenen Freitag bei Berit Blaack und  Annegret Böttcher vom DER Reisebüro in der Zierker Straße in Neustrelitz Kalami 2019 buchen wollten, gab es bereits die nächste Injektion. Es wird wohl im kommenden Jahr nach Rhodos gehen. Bei 75 Prozent Wahrscheinlichkeit sind wir aus reiner Neugier schon. Das Leben ist endlich und selbst Griechenland groß. Aber Kalami, einmal kommen wir noch wieder. Bleibe, wie du bist!