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Um Liebesbeziehungen und eheliche Verbindungen mit ihren Irrungen, Wirrungen, Genüssen, Vorschriften und Problemen wird es am kommenden Freitag im nunmehr vierten Vortrag der Reihe „Sophie Charlotte und ihre Zeitgenossinnen – Alltag zwischen Freud und Leid“ im 3 Königinnen Palais in Mirow gehen. Die Neustrelitzer Historikerin macht uns wie gewohnt ausgiebig Appetit auf ihren Auftritt.

Bereits der große britische Komponist Henry Purcell ließ in seiner Bühnenmusik „The Mock Marriage“ im Jahr 1695 verlauten: „Man is for the woman made and the woman made for man“ (Der Mann ist für das Weib gemacht, für den Mann das Weib geschaffen). Doch zu Königin Sophie Charlottes Lebzeiten war es gar nicht so einfach, Topf und Deckel wie gewünscht zusammenzubringen. In Sachen Liebe und Ehe ging es nämlich wie auf einem Markt zu: Der Wert einer Frau wurde an der Höhe ihrer Mitgift und dem zu erwartenden Erbe sowie an ihren gesellschaftlichen Verbindungen gemessen. Bei den Herren spielten Alter und Aussehen ebenso keine Rolle mehr, wenn das jährliche Einkommen nur hoch genug ausfiel.

Möglichst viele Sprösslinge zur Welt bringen

Eine Ehe glich also in alten Zeiten eher einer Zweckgemeinschaft. Der Mann musste die angemessene Versorgung seiner Familie sicherstellen, auch wenn das in manchen Fällen bedeutete, dass erst das Geld, das seine Angetraute mit in die Ehe brachte, ihn überhaupt dazu befähigte. Von den Frauen wurde noch mehr erwartet. Nicht nur in adligen und vermögenden Kreisen kam den Gattinnen die hauptsächliche Aufgabe zu, möglichst viele Sprösslinge zur Welt zu bringen – wenigstens den ersehnten Erben, der den Besitz des Vaters dereinst übernehmen sollte. Andere Frauen aus einfachen Verhältnissen wurden oftmals nur als Gattin in Betracht gezogen, weil die Kinder eines verwitweten  Zukünftigen dringend eine Mutter benötigten. Oder der Ehemann in spe brauchte einfach jemanden, der ihm die Hemden wusch und die Pantoffeln hinterher trug. Trotzdem gab es nicht wenige, vor allem ältere Damen, die ein Leben an der Seite eines solchen Herrn durchaus zu schätzen wussten, da sie eine Heirat vor der bitteren Zukunft als alte Jungfer oder arme Witwe bewahrte. .

Angesichts dieser Tatsachen erschien vor allem in gehobenen Kreisen eine Eheschließung aus Liebe als ein Ding der Unmöglichkeit. Mitunter traten hier Paare vor den Altar, die sich noch nie zuvor gesehen hatten: selbst Königin Sophie Charlotte kannte ihren Gatten George III. erst wenige Stunden, bevor sie ihn am 8. September 1761 in London heiratete. Doch die einstige Mirower Prinzessin hatte großes Glück: ihr Mann entpuppte sich als liebender, häuslicher und vor allem absolut treuer Partner.

Oft genug fliegen die Fetzen

In den Häusern der Untertanen flogen hingegen oft genug die Fetzen: Da brannten unglückliche Liebespaare durch, litten bedauernswerte Ehefrauen unter der Eiseskälte ihrer besseren Hälfte oder mussten gar mit ihren Nebenbuhlerinnen unter einem Dach leben. Generationen von Damen hüteten daheim brav die Kinder und wirtschafteten mit sparsamen Mitteln, während ihre Ehemänner die letzten Guineen der Familie mit hübschen, blutjungen Kurtisanen durchbrachten. Den Ehefrauen blieb meist nichts weiter übrig, als ihr Los zu akzeptieren – eine Scheidung hätte für sie den gesellschaftlichen und finanziellen Ruin bedeutet.

„Im Vortrag werde ich wie gewohnt mit weiteren Zeitgenossinnen von Königin Sophie Charlotte bekannt machen und ihre Lebensgeschichten vorstellen. Zudem kommen am Freitag auch gesetzliche Vorschriften und besondere Fragen der Etikette zur Sprache“, schreibt mir Sandra Lembke. Die Ausführungen würden natürlich wieder im historischen Kostüm präsentiert. „Beim letzten Vortrag im Juli musste ich aufgrund der extremen Hitze leider darauf verzichten, denn das Tragen einer vollständigen, korrekten Rokoko-Ausstattung mit ihren Unterbauten und Kleiderschichten ist bei hohen Temperaturen eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit“, plaudert die Autorin aus der Küche. Allerdings sei schon so viel verraten: Am Freitag bleiben Schnürbrust und Reifrock ausnahmsweise im Schrank, um auch anderer Mode aus der Zeit der Königin Sophie Charlotte Raum zu geben.