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Das Bild mit der Deutschen Tanzkompanie vor dem Neustrelitzer Arbeitsamt (Strelitzius berichtete) scheint Kultusminister Matthias Brodkorb (SPD) so gar nicht in den Wahlkampf gepasst zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass er zwei Tage später das Überleben der Truppe für ein weiteres Jahr gestattet. Und das in Gutsherrenmanier, denn das Geld dafür haben die Landarbeiter aufzubringen, um mal im Bild zu bleiben. Und ihnen zuvor von Schwerin aufgezwungene Verträge scheinen plötzlich Makulatur zu sein.
Neustrelitz und Neubrandenburg wird großzügig erlaubt, Sonderbeiträge aufzubringen, deren Höhe noch gar keiner kennt, um die Kompanie 2017 am Leben zu erhalten. Die Verantwortlichen im Neustrelitzer Rathaus haben es heute aus der Zeitung erfahren, und da nicht alles richtig niedergeschrieben war, herrschte bis zum Mittag einige Verwirrung. Dankenswerterweise hat Bürgermeister Andreas Grund, eigentlich noch Urlauber, auf meine Bitte ein Statement abgegeben, das angesichts der Gemengelage in gebotener Zurückhaltung ausfällt.
Defizit ist noch gar nicht zu beziffern
„Ich freue mich, dass nunmehr mit der Zustimmung des Landes eine Zwischenlösung 2017 für die Ausfinanzierung der Deutschen Tanzkompanie gefunden werden kann“, heißt es seitens des Stadtoberhauptes. „Damit wird zunächst ein Minimalziel erreicht. Im nächsten Schritt muss nun über die Finanzierung dieser Lösung gesprochen werden. Ich bin Herrn Oberbürgermeister Silvio Witt, Neubrandenburg, dankbar für seinen Vorschlag über einen Zusatzbeitrag unserer beiden Städte zu gleichen Teilen. Die Höhe eines solchen Sonderbeitrags kann erst beziffert werden, wenn der Wirtschaftsplan der Theater und Orchester GmbH und der Wirtschaftsplan der Deutschen Tanzkompanie vorliegen werden und wir dann wissen, wie hoch das Defizit ist. Beide arbeiten derzeit nur mit vorläufigen Plänen. Unbedingte Voraussetzung für die Zahlung eines Sonderbeitrages ist die Zustimmung der Stadtvertretung“, betont Andreas Grund.
Ganz entspannt kann hingegen auch Landrat Heiko Kärger (CDU) bleiben, der die „frohe Kunde“ gestern in die Öffentlichkeit getragen hat. Der Landkreis steuert keinen müden Cent im Überlebenskampf der Tanzkompanie bei. Er wird sich statt dessen wie angekündigt 2018 völlig aus der Theaterverantwortung zurückziehen.
Die Kompanie selbst kann nicht mehr als eine Atempause geschenkt bekommen, immer vorausgesetzt, die Abgeordneten beider Kommunalparlamente folgen dem Willen der Gesellschafter der Theater und Orchester GmbH zu Sonderbeiträgen, die in die Hunderttausende gehen werden. Den Tänzerinnen und Tänzern bleibt lediglich ein weiteres Jahr Zeit, Finanzierungsquellen aufzutun. Was an ein Wunder grenzen würde, sieht man die bisherigen fruchtlosen Bemühungen. Ansonsten kann in zwölf Monaten das nächste Foto vor dem Arbeitsamt gemacht werden. Nur ist dann kein Landtagswahlkampf mehr.
Rajko Lippert aus Wesenberg schreibt mir:
„Die Frage muss man sich stellen: Wird das Theaterkonzept nach der Wahl von der nächsten GroKo gekippt? Dann würde das Sinn machen, ein Jahr Zeit zu gewinnen. Sonst ist es so, wie Sie geschrieben haben – ein geschenktes Jahr. Nach Sponsoren wurde ja nicht erst seit gestern gesucht. Und das Herr Brodkorb nur Beschlüsse umsetzt, na ja, das sind wohl nur seine Ausflüchte.“