Wir haben heute eine ausgedehnte Runde um Schwarz gedreht, also die Holde und meine Wenigkeit. Nicht nur durch Schwarz, das Dorf bietet tatsächlich zwischen Ortslage und Seeseite einen Kurs, den ich unbedingt zu schätzen weiß. Unterhalb der Kirche vor der Fahrradwerkstatt parken, und schon kann man sich kaum noch verlaufen. Das tolle Winterwetter, was wohl morgen laut Wetterfröschen schon wieder Vergangenheit sein soll, hat mich beglückt zu einem passenden Küchenrezept inspiriert. Zumal wir ja verhalten, so quillt es aus allen Kanälen, aber bestimmt nicht farblos ins neue Jahr starten wollen.
Wer meine Rezeptveröffentlichungen regelmäßig verfolgt, kennt sich auch in meinem Kühlschrank aus. Ein bisschen unheimlich, aber wahr. Tatsächlich harrte da noch ein halber Spitzkohl seiner Verwendung. Für den Restling habe ich mir heute einen ganz besonderen Einsatz ausgedacht. Und zugleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Denn mein Dampfgarer guckte mich arg vernachlässigt schon derartig scheel an, dass er nicht mehr zu ignorieren war. Was lag also näher, als mal einen Kohleintopf in selbigem zu produzieren.
Eigentlich ist ja das Wochenende bei Strelitzius für Kochrezepte da. Aber das zurückliegende ist so schnell vergangen, dass erst kurz vor Toresschluss noch eine Temporunde am Herd möglich war. Und improvisieren musste, denn die im Tiefkühlschrank vermutete Schweinelende hatte wohl die Flucht ergriffen. Zum Glück geht Rinderhack bei uns nie aus, sodass es nach nur drei Wochen zum erneuten Zusammentreffen des Durchgedrehten mit Spitzkohl kam. Aber diesmal mit chinesischer Note, bitteschön.
Wie zaubert man sich ein bisschen Sonnenschein an einem so trüben Novemberwochenende wie dem, was eben in den letzten Zügen liegt? Die Holde und meine Wenigkeit schwören da auf eine Kürbissuppe. Und die darf auch gern ein bisschen schärfer sein. Oder, ein bisschen mehr. Stellt man nach dem letzten Löffel echten Schweiß auf der Stirn fest und plötzlich warme Füße, dann war die Rezeptur genau richtig.
Meine Stammleser werden sich erinnern: Da harrte seit dem vergangenen Wochenende noch ein halber Spitzkohl im Kühlschrank der Strelitzius-Küche seiner Veredelung. Dem Gemüse habe ich heute so richtig die Kante gegeben, Geduld will belohnt sein. Zum Beispiel mit weiterem Gemüse. Zwei kleine Zwiebeln habe ich nach dem Schälen grob zerteilt und zwei kleine rote Paprikaschoten entkernt und in mundgerechte Streifen geschnitten. Im Nudel-Resteglas fanden sich noch 200 Gramm Penne, die ich vorgegart, abgegossen und beiseite gestellt habe.
250 Milliliter Kochsahne, 150 Milliliter Gemüsebrühe und 100 Gramm von der Holden höchstselbst geriebener Grana Padano wurden vermischt und mit Salz und Pfeffer kräftig gewürzt. Jetzt war noch der Spitzkohl streifig-mundgerecht zu schneiden, und schon ging es an die Pfanne. Hier habe ich in zwei Esslöffeln Olivenöl, gern auch Butter, zunächst die Zwiebelstückchen und 150 Gramm Schinkenwürfel angedünstet. Dann kamen der Kohl und die Paprikastreifen hinzu. Unter häufigem Wenden habe ich fünf Minuten Feuer gegeben, dann mit der Sahne-Käse-Brühe-Mische abgelöscht, die Kurznudeln untergemischt und Majoranblättchen vom Hochbeet im Garten eingebracht. Dort habe ich auch chinesischen Schnittlauch geerntet und zwecks späterer Deko in Röllchen geschnitten. Auf die Pfanne kam der Deckel, und ich habe das Gericht noch einmal fünf Minuten bei schwacher Hitze stocken lassen.
Auftischen, mit den Lauch-Röllchen dekorieren und weiteren Reibekäse überstreuen. Uns hat das simple Kohlgericht mega geschmeckt und ich hoffe, dass auch Ihr es lecker findet. Guten Hunger!
Kommt Herbst, kommt Spitzkohl. In der Strelitzius-Küche hat der schmackhafte Kegel seinen Stammplatz, da achtet schon die Holde als Chefeinkäuferin drauf. Und hat mir die Woche wieder ein Prachtexemplar ins Haus gebracht. Wobei wir heute kurz davor standen, dem Spitzen nicht die nötige Ehrerbietung zu erweisen. Unser Ausflug nach Himmelpfort zum Sonnetanken hat uns auf eine harte Probe gestellt. Erstmals landeten wir auf der Terrasse der Gaststätte „Zum Stolpseefischer“. Wer da die Speisekarte ignoriert und es bei einem Schoppen Riesling und einem halben Schwarzen vom Hahn belässt, muss schon einigermaßen widerstandsfähig sein.
Aber, Vorfreude, schönste Freude, nicht nur im Advent. Kaum heimgekehrt, war der Spitzkohl auch schon fällig. Wegen Übergewichts wanderte eine Hälfte wieder in den Kühlschrank zur späteren Verwendung, über die wieder hier zu lesen sein wird. Blieben rund 800 Gramm Kohl. Den Strunk habe ich in Teilen mitverwendet, der schnurpst so schön, und das Gemüse in mundgerechte Stücke zerteilt. Dann habe ich 500 Gramm Rinderhack in einer Wokpfanne in zwei Esslöffeln Olivenöl knusprig-braun angebraten, kräftig mit Pfeffer, Salz und Thymian gewürzt, die Kohlschnipsel dazugegeben, einen halben Liter Gemüsebrühe aufgefüllt und das Ganze zehn Minuten bei geschlossenem Deckel köcheln lassen, Nach der Hälfte der Zeit habe ich zwei Teelöffel rosenscharfen Paprika über das Gericht gegeben und alles noch mal gut durchmischt.
Der Clou kommt beim Auftischen. Das ebenso einfache wie köstliche Essen mit einem Klacks Naturjoghurt und Röstzwiebeln krönen. Nachschlag garantiert! Und das Fischrestaurant am Stolpsee läuft uns ja nicht weg. Für alle, die es noch in diesem Jahr kennenlernen wollen: Im Oktober ist an den Wochenenden geöffnet, wie von der freundlichen Bedienung zu erfahren war. Dann folgt die Winterpause.
Bei der jüngsten Inventur in unserem Tiefkühlschrank haben sich zwei Packungen Shrimps ganz nach vorn gedrängelt und lauthals mit dem MHD auf den Fersen zu verstehen gegeben, sie müssten da raus. Zum Glück waren auch eine rote und eine grüne Paprika sowie zwei kleine Zucchini, bei der jüngsten Grill-Party nicht zum Einsatz gekommen, fällig zum Verzehr. Das sparte die Fahrt in die Kaufhalle, in diesen Ferientagen eher eine touristische Einrichtung. Nudeln gehen uns nie aus, und so kam es eins fix drei zum gedeihlichen Zusammentreffen der Ladenhüter in unserer Wokpfanne.
Die 500 Gramm Meeresfrüchte wurden abgespült und mit Küchenpapier abgetrocknet. Die Zucchini habe ich halbiert und dann in dünne Scheiben geschnitten, die Paprika in mundgerechte Streifen. Die 300 Gramm Penne rigate, das sind die mit der geriffelten Oberfläche, wurden in Salzwasser gegart und anschließend abgegossen.
Bei so viel Regen in diesem Sommer wächst das Gemüse natürlich wie doll und verrückt, wenn sich nicht gerade die Nacktschnecken daran gütlich getan haben. Dieser Tage überreichte mir Nachbarin Christin einen 2,5 Kilo schweren Zucchino, der den Ekel-Viechern entgangen sein muss und mich einigermaßen beeindruckte. Den habe ich ob der Größe ausnahmsweise geschält, danach geachtelt, ausgeschabt und in mundgerechte Stücke geschnitten.
Eine rote und eine grüne Spitzpaprika habe ich längs halbiert, gesäubert und in Streifen zerteilt. Eine Handvoll Datteltomaten wurden halbiert, eine Zwiebel und sechs Zehen Knoblauch gehackt. Schließlich habe ich noch ein Pfund Rinderhack und 150 Gramm Schinkenwürfel bereitgestellt sowie ein paar Zweiglein Thymian und Majoran im Hochbeet gepflückt. Die Holde hat einen Pecorino im Kühlschrank gefunden und ihn gerieben.
Attacke! Wegen der Menge der Einlage habe ich erst die eine Hälfte der Zucchino-Stücke und der Paprika-Streifen in etwas Olivenöl angebraten, herausgenommen, und dann die zweite Hälfte des Gemüses mit der Pfanne bekanntgemacht. Majoran- und Thymianblättchen einstreuen. Der wieder leeren Pfanne wurde noch etwas Öl gegönnt, Zwiebel und Knobi angedünstet und Fleisch und Schinken angebraten, bis das Hack schön krümelig und appetitlich braun geworden war. Und immer mit dem Küchenspatel für Bewegung gesorgt.
Für alle, die es noch nicht wussten: Kochen kann so simpel sein! Fast scheue ich mich, das Folgende als Rezept zu deklarieren. Aber, es hat so gut geschmeckt, dass ich es jetzt unmöglich für mich behalten kann. Zumal sich der Einkauf dank unseres von der Holden geführten, extrem gut sortierten Kühlschranks sehr in Grenzen hielt. Ein Bund Frühlingszwiebeln und zwei mittelgroße Zucchini, mehr war nicht aus der Kaufhalle zu holen.
Bei den Zwiebeln habe ich das Weiße vom Grünen getrennt und geviertelt. Die Zucchini wurden mundgerecht gestiftelt. Immer wieder höre ich, dass Leute das Kürbisgewächs schälen. Kommt bei mir nicht in die Küche, der Frevel, ordentlich abwaschen und Außenhaut dran lassen. Schon wegen der Optik. Abgesehen davon, wandern Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe sonst in den Mülli.
Illusion Schinkenwürfel
Dauerleser meiner Kochempfehlungen werden es wissen: Unserer Kühlschrank enthält immer magere Schinkenwürfel. Die sind lange haltbar und passen zu unendlich vielen Gerichten. 250 Gramm von ihnen tauchen so gut unter dem Gemüse ab, dass sie zumindest die Illusion vegetarischer Ernährung schaffen. Zur Fraktion der Fleischverächter gehören werde ich hingegen wohl bis an mein selig Ende nicht.
Dann habe ich noch Radieschen gefunden, eine Handvoll davon in Scheiben geschnitten. Mit ihrer zunehmenden Marktpräsenz freunde ich mich mit Datteltomaten an. Ein Dutzend der Invasoren in deutschen Gemüseabteilungen habe ich halbiert. Dann war da noch die rote Paprika. Die hat sich schon seit zwei Wochen gefragt, ob wir sie wohl zum Ladenhüter verdammt haben. Haben wir nicht, wir lassen (fast) nichts umkommen, was als Lebensmittel daherkommt. Die Schote habe ich entkernt und in Streifen verwandelt. Mit dem Knobi ist es wie mit den Schinkenwürfeln: Der geht uns auch nicht aus. Vier Zehen, fein gehackt, runden die Mischung ab.
Die Holde hat mir Mairübchen ins Haus gebracht. Genauer geschrieben waren es Mairüben, aber deren Pracht war in der Tat verführerisch. Und da wir noch eine Schweinelende im Eisschrank gebunkert hatten, war das Rezept nach kurzem Rattern in den Gehirnwindungen meiner Wenigkeit beschlossene Sache.
Das Fleisch habe ich in dünne Scheiben geschnitten, mit Sojasauce und gemahlenen Chili-Flocken mariniert. Zugedeckt, ist es eine halbe Stunde kühl gestellt worden. Nach der Hälfte der Zeit habe ich noch einmal durchgerührt. In der Zwischenzeit habe ich vier Möhren und die vier Mairüben geschält und gestiftelt, Außerdem habe ich ein Bund Frühlingszwiebeln zerteilt und das brauchbare Grün in Röllchen geschnitten. Dann wurden noch vier Knobizehen kleingehackt.
In einem Viertelliter Gemüsebrühe habe ich die Rüben und die Möhren in einer Wokpfanne fünf Minuten lang gegart und kräftig mit Salz und Pfeffer gewürzt. Dann habe ich die Brühe abgegossen und das Gemüse beiseite gestellt. Nun habe ich die Pfanne mit Küchenpapier trockengewischt und in ihr drei Esslöffel Olivenöl erhitzt. Darin wurde das Schweinefleisch an Zwiebeln und Knobi zart braun gebraten, außerdem wurde frischer Majoran aus dem Kräuterbeet draußen vorm Terrassenfenster eingestreut. Zum Schluss habe ich das Gemüse hinzugegeben, alles noch mal durchgeschwenkt, mit dem Zwiebelgrün dekoriert und an einer Reismischung angerichtet. War lecker, allen Nachköchen und deren Tischgesellinnen sowie -gesellen guten Appetit!