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Ich bin Gerhard Gundermann nur einmal begegnet. Das war Ende der 80-er Jahre in der späten DDR. Damals stand er in seinem Fleischerhemd, Markenzeichen der Unangepassten, im Haus der Jungen Talente in der Berliner Klosterstraße mit Tamara Danz auf der Bühne. Was für ein Konzert mitten ins Herz, was für zwei unvergessene Künstler, deren Musik mich noch immer begleitet und anrührt. Tamara und Gundi sind nur 43 Jahre alt geworden, ein furchtbarer Verlust bis heute! Eine Lücke, die nicht zu schließen ist. Oben zur Einstimmung auf das Folgende, leider in schlechter Bildqualität, ihr wunderschönes Duett „Einmal“.

Alexander Scheer als Gundermann und Anna Unterberger als Conni. Foto: Filmstarts.de

Im Wesenberger Kino, das in dieser Woche eine kurze Pause eingelegt hat, läuft ab kommenden Dienstag, 4. September, der neue Film von Andreas Dresen „Gundermann“. Ich bin sehr gespannt auf den Streifen, zumal Dresen zu meinen deutschen Lieblingsregisseuren gehört und Gundermann-Songs selbst covert. Kinochefin Christiane Bongartz legt den Film den Kinogängern ausdrücklich ans Herz. Ich auch, obwohl ich ihn noch nicht gesehen habe. Immer wieder bin ich erstaunt, wie viele Menschen meiner Generation hier im Osten mit dem Namen Gerhard Gundermann nichts anzufangen wissen.

Bei Filmstarts.de schreibt Kritikerin Antje Wessels: „Gerhard „Gundi“ Gundermann (Alexander Scheer) ahnt noch nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den achtziger Jahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich dagegen als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst, der sich bis zu seinem frühen Tod mit nur 43 Jahren nie verzeihen wird, was er getan hat. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld aus Freundin Conni (Anna Unterberger) und seiner Band ihm diese nicht stellt…“

Weiter ist von der Kritikerin zu lesen: “Schon damals und insbesondere nach der Wende äußerte sich Gundermann immer wieder systemkritisch. Dresen wendet nun 126 Minuten auf, um das kontrastreiche Bild einer Person zu zeichnen, die sich gleichermaßen stark und zerbrechlich gab, deren melancholische Texte die angestaute Wut über die Welt verbargen und die bis zuletzt hinter ihren damals als kontrovers angesehenen Überzeugungen stand, die mitunter als das Auflehnen gegen ein menschenfeindliches System ausgelegt wurden. Dass Dresen zwischen so viel Pessimismus in einer ungeschönten Realität die Poesie in Gundermanns Texten nicht unberücksichtigt lässt, macht das romantisch-dramatische Biopic in seinem Facettenreichtum so sehenswert.“

Mit dabei übrigens als Stasi-Führungsoffizier Axel Prahl, ein weiterer bekennender Gundermann-Fan, der mit seiner Band unter anderem Titel des „singenden Baggerfahrers“ aufführt. Dresen und Prahl standen fast auf den Tag genau vor zwei Jahren auf der Bühne des Landestheaters Neustrelitz (Strelitzius berichtete). Natürlich mit Gundermann im Programm.

„Gundermann“ läuft vom kommenden Dienstag bis zum Mittwoch der Folgewoche um 20 Uhr, am Freitag und Sonntag nächster Woche auch um 17.30 Uhr. Außerdem im Programm „Mamma Mia – Here Wo Go Again“ am Dienstag, Mittwoch, Sonnabend und wieder Dienstag um 17.30 Uhr. Für die kleinen Filmfans wird am Mittwoch, Sonntag um 15.15 Uhr sowie am darauffolgenden Montag um 17.30 Uhr „Hotel Transsilvanien 3 – Ein Monster Urlaub“ aufgeführt.