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Das ist schon ein Aufreger. Zwei Mehrfamilienhäuser sollen an den Glambecker See in Neustrelitz geklotzt werden. Als wenn es in der Stadt nicht genug potenzielle Bauflächen gäbe. Hier soll etwas zugemauert werden, das zu den hiesigen Attraktionen gehört: Der freie Blick auf das wunderschöne innerstädtische Gewässer, den sogar der Vorbeifahrende genießen kann, kaum, dass er das Ortseingangsschild passiert hat. Das Panorama wäre nicht mehr das, was es war.

Offensichtlich wissen Bauherr und Architektin genau, wo der Hase im Pfeffer liegt, wenn sie zumindest ein „Sichtfenster“ auf den Glami einräumen und das Ufergefälle zu ihren Gunsten anführen. Letzteres lasse ja die Häuser kleiner erscheinen als sie tatsächlich sind. So war es jedenfalls in der Zeitung zwischen den Zeilen zu lesen.

So richtig fadenscheinig wird es bei den Begründungen. Hier könne gebaut werden, weil hier mal was stand. Eine Konservenfabrik nämlich. Na großartig! Dabei hat der Uferbereich schon seine historisch gewachsene bauliche Fassung – die wunderschönen Villen an der Hohenzieritzer Straße. Und dann noch die Mitleidsschiene: Es könnten Menschen einziehen, die vom Land kommen und aus Altersgründen ihren Garten nicht mehr bewirtschaften können. Die könnten sich hier in der Idylle wieder heimisch fühlen. Ich will ja niemandem zu nahe treten und gönne jedem einen schönen Alterssitz, aber hier wird ein Filetstück der Stadt auf dem Altar privater Interessen geopfert.

Und was mich so richtig ärgert ist, dass „vorsorglich“ schon mal ein paar Bäume gefällt wurden. Das erinnert fatal an ein Revier markieren und vollendete Tatsachen schaffen. Tabula rasa. Übrigens wird nur ein paar Meter weiter im ehemaligen Schützenhausquartier gezeigt, wie man behutsam mit diesem sensiblen Bereich umgehen und eine Wohlfühl-Wohnzone schaffen kann, von der auch die Allgemeinheit profitiert. Da ist übrigens noch viel Platz zum Bauen. Am Glambecker See aber soll uns allen etwas genommen werden. Wenn ich Stadt wäre, würde ich die Ampel auf Dunkelrot schalten.

Glami 102